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Volume H. 3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

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WIRTSCHAFTSSTUDIEN FÜR DEN 
REGIONALPLAN VON GROSS NEW YORK 
VON OBERBAURAT DR. J. BRANDT, HAMBURG 
Unter dem Namen „Regional plan of New York and its en- 
virons, economic and industrial survey" hat das Komittee für den 
Regionalplan von Groß-New York unter Leitung seines General 
direktors Thomas Adams (Adresse: 130 East 22. Street) elf Mono 
graphien herausgegeben, die die Metallindustrie, die chemische 
Industrie, die Nahrungsmittelindustrie, das Druckgewerbe, die 
Textil- und Holzindustrie und die Konzentration des Großhandels 
behandeln. Rein äußerlich betrachtet, sind mit einem beneidens 
werten Aufwand an Mitteln irn wesentlichen die Ergebnisse der 
Gewerbeaufsichtsberichte für die Jahre 1900, 1912, 1917 und 1922 
einander gegenübergestellt und in Kartenskizzen verarbeitet, ohne 
die Mängel, die diesen Quellen in wissenschaftlicher Hinsicht an 
haften, zu berücksichtigen. Nach unserer Auffassung ist das sachliche 
Ergebnis nicht so wertvoll, daß es einen solchen äußeren Auf 
wand gerechtfertigt hätte, doch hat wohl dabei die Absicht mit 
gewirkt, das Interesse größerer Laienkreise für die Arbeiten des 
Kornittees zu gewinnen, das als private Organisation im wesent 
lichen auf die Mittel einer gemeinnützigen Stiftung angewiesen 
ist. Immerhin bleibt auch in sachlicher Beziehung für den Städte 
bauer und Volkswirt noch genug übrig, um sich mit dem Ergeb 
nis der Studien naher zu beschäftigen, die unter Mitwirkung von 
Robert Murray Haig von der Columbia Universität zustande ge 
kommen sind. Die einzelnen Bearbeiter sind mit geringen Aus 
nahmen Lektoren, Assistenten oder Doktoranden der Columbia 
oder der Yale Universität. Die zeichnerische Verarbeitung des 
Materials ist in der Weise erfolgt, daß die Arbeiterzahlen für die 
einzelnen Gewerbegruppen jedesmal nach dem Punktsystem in 
4 Übersichtskarten eingetragen sind. Die Karten enthalten die 
Umrißlinien der Stadtteile Manhattan, Bronx, Queens, Brooklyn 
und der zu dem Staat New Yersey gehörigen Bezirke Hudson, 
Bergen, Essex und Passaic. Es ist ein Gebiet von etwa 5500 englischen 
Quadratmeilen zugrunde gelegt, auf dem heute schon fast 9 Millionen 
Menschen wohnen und das in seinen wirtschaftlichen und sozialen 
Gegebenheiten eine Einheit bildet. Um sich ein Bild von der künf 
tigen Entwicklung dieses Gebiets zu machen, waren bereits Studien 
über die Verkehrsverhältnisse, die Wohnverhältnisse, die Grünflächen 
und die Kraft und Wasserversorgung angestellt, die an anderer Stelle 
veröffentlicht sind (vergl. z. B. Heighway Trafic in New York and its 
environs by Harold M. Lewis). In den vorliegenden Monographien 
werden nur die industriellen Entwicklungstendenzen seit 1900 verfolgt, 
und es wird versucht, daraus die Verschiebungskräfte, ihre Stärke 
und ihre wahrscheinliche Dauer zu ermitteln. 
Die industrielle Bedeutung des untersuchten Gebiets ergibt 
sich aus folgenden Zahlen, Während die Bevölkerung von Groß- 
New York etwa 10% der Gesamtbevölkerung der Vereinigten 
Staaten ausmacht, sind die dort vorhandenen 1,15 Millionen Arbeiter 
etwa 12% von der gesamten Arbeiterschaft des Landes. Leider 
fehlen Angaben darüber, wie groß die Zahl der Erwerbstätigen 
in den Berufsgruppen Handel, Schiffahrt und Verkehr ist. Erst 
aus einem solchen Vergleich ließe sich ein Urteil gewinnen über 
die wechselseitige Bedeutung der einzelnen Berufsgruppen für die 
wirtschaftliche Struktur des Gebiets. Nebenbei sei bemerkt, daß 
die Verhältniszahl der industriellen Arbeiter zur Gesamtbevölke 
rung (12,8%) der in den wichtigsten europäischen Hafenstädten 
(Hamburg 10,5%, London 11%) fast genau entspricht. Hier 
scheinen gesetzmäßige Wirtschaftserscheinungen von internationaler 
Geltung vorzuliegen. Eine Eigenart New Yorks ist es allerdings, 
daß noch ein verhältnismäßig großer Teil der industriellen Werke 
auf der südlichen Hälfte von Manhattan Hegt, wo sich gleichzeitig 
der Handel, die Schiffahrt, die Banken und das Zeitungsgewerbe 
zusainmendrängen. Soweit diese industriellen Werke einen größeren 
Abb. 1 / Die Frauenbekleidungs-Industric „Damenkonfektion* in Manhattan, New York 
Die furchtbare Anhäufung' von Kleiderfabrikcn usw- zwischen 14ter und 34ter Straße, 
Ster und 7 ter Avenue war eine der Ursachen, die das New Yorker Bauzonengeselz 
von 1916 herbeiführten 
Platzbedarf besitzen, haben sie naturgemäß die Tendenz, nach 
den Außenbezirken abzuwandern. Aber diese Randwanderung ist
	        
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