Path:
Volume H. 3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

37 
Abb. 1 / Sonnenbestrahlung- bei Nord-Süd-Lagc einer Hausreihe / A Fenster 
ausschnitt / B = Ganze Hausreihe / Vorzüge: Zwei ganz gleichmäßig besonnte 
Hausfronten, 14 1 ...stündige Besonnungsmöglichkcit im Hochsommer / Nachteile: 
Verlust eines Teils der warmen Mittagssonne, im Winter nur wenig Sonne im Zimmer, 
mittags schattenlose Straßen 
Abb. 2 / Sonnenbestrahlung bei Südwest-Nordost-Lage einer Hausreihe A = 
Fensteraosschnitt B = Ganze Hausreihe Vorzüge: Gute Ausnutzung der 
Mittagssonne bei einer bevorzugten Seite (Wohnscilc und Wirtschaftsseite), größte 
Besonnungsmöglichkcit 12' Stunden / Nachteile: Im Winter auf Wirtschaftsseite 
keine Sonne 
DIE BEDEUTUNG VON SONNE UND WIND FÜR DEN STADTKORPER 
EIN BEITRAG ZU ZEITGEMÄSSEM STÄDTEBAU 
VON DR. ING. ALFRED SCHMIDT, KEGIERUNGSBAU MEISTER. STUTTGART 
Von den Aufgaben, welche heute den Städtebauer beschäftigen, 
soll im Vorliegenden eine herausgegriffen und gezeigt werden, 
welchen Einfluß Sonne und Wind auf den Stadtkörper haben. Die 
Wirkung der Sonnenstrahlen auf Körper und Gemüt des Menschen 
haben Ärzte wiederholt hervorgehoben. Was ist nun aber zu tun, 
damit in der Enge der Städte keine Häuser mehr entstehen, in 
welche weder Sonnenstrahlen noch frische Luft kommt? 
Im Altertum wurde schon die Bedeutung der Sonne und des 
Windes für die Gesundheitsverhältnisse in den Städten erkannt und 
Regeln über die Himmelsrichtung der Straßen aufgestellt. In den 
folgenden Jahrhunderten lassen sich Spuren verfolgen, aus denen 
man schließen kann, daß beim Bau der Städte die Beschaffenheit 
des Ortes und die Witterungsverhältnisse sorgfältig beachtet wurden. 
Erst während des Aufschwungs unserer Städte im 19. Jahrhundert 
gingen die alten Überlieferungen verloren, man glaubte vielleicht auf 
die „veralteten“ Regeln verzichten zu können, dank der Fortschritte, 
die in technischen Verbesserungen des Stadtbauwesens (Wasserlei 
tung, Kanalisation, Straßenpflaster usw.) gemacht worden sind. Dies 
war aber ein Irrtum, der sich heute an uns rächt, und wir müssen nun 
auf dem Wege wissenschaftlicher Ergründung mühsam das wieder 
erringen, was unsere Vorfahren an Faustregeln besaßen, mit denen 
sie befähigt waren ihre Aufgaben zu meistern. Erst in jüngster Zeit 
hat man erneut eingesehen, daß bei Anlage und Vergrößerung von 
Städten es nicht nur auf Verkehrsrücksichten ankommt, sondern daß 
man sich in erster Linie nach Sonne und Wind zu richten hat, wenn 
gesundheitsfördernde Lebensbedingungen geschaffen werden sollen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.