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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

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Abb. 14 / Kavalierstraße in Dessau / Gegenwärtiger Zustand 
vgl. Abb. 15 
Abb 15 / Kavalierstraße in Dessau / Bsbauungsvorschlag von Dr. Georg Salzmann 
vgl. Abb. 14 
Abb 16 / Aus der KavalierstraBe in Dessau / Gegenwärtiger Zustand 
vgl. Abb. 17 
Abb. 17 / Aus der KavalierstraBe in Dessau 
Bebauungsvorschlag von Dr. Georg Satzmann 
vgl. Abb, 16 
WIENER STADTEBAU-KONGRE SS 1926 
Dem allgemeinen Bericht auf S. 175 lassen wir den nachstehenden 
Diskussionsbericht über die Frage von Klein- und Großhaus folgen. 
Auf dem Wiener Städtebau-Kongreß wurden am letzten Tage, 
d. h. am 16, September, die „Wohnungsberichte aus verschiedenen 
Ländern“, die den Kongreß-Teilnehmern in den „Vorberichten 1 
und II“ gedruckt Vorlagen, behandelt. Die Redner haben sich 
aber oft in eine Erörterung von Fragen eingelassen, die diesen 
Rahmen überschritten. 
Muesmann, Dresden, fügt seinem Aufsatz „Kleinhaus und 
Großhaus“ (Vorberichte I, S, 205) einige Erläuterungen hinzu. 
Er versucht, den Begriff „Einfamilienhaus“ zu bestimmen und 
empfiehlt, ihn nicht eng formal zu deuten, sondern vom wirt 
schaftlichen Standpunkt auszugehen und diese Benennung auch 
dann beizubehalten, wenn es sich um Häuser handelt, in welchem 
ein bis zwei Zimmer zu vermieten sind. Es ist erwünscht, die 
gesamte Bevölkerung möglichst in Kleinhäusern unterzubringen. 
Großhäuser sind überhaupt zu vermeiden und sollen jedenfalls 
drei Stockwerke nicht überschreiten. Muesmann führte ferner aus, 
daß das System eines besonderen Eingangs für jede einzelne 
Wohnung, welches in Holland sich gut bewahrt, für Deutschland 
nicht in Betracht komme, da die klimatischen Verhältnisse eine 
unmittelbare Verbindung der Wohnung mit Keller und Dach er 
forderlich machen, ohne die Straße betreten zu müssen. 
Das Einfamilienhaus begünstigt die Beteiligung von breiten 
Völkerschichten an dem Aufbringen von Kapital für Bauzwecke, 
was eine festere Grundlage für die Bautätigkeit zur Folge hat, 
als wenn nur einzelne Kapitalisten daran teilnehmen, deren Kapital 
immer nur ein beschränktes sein kann. 
Dr, J. Schneider, Wien, betont die Vorzüge des Kleinhauses, 
namentlich in den Fällen, wenn der Siedler selbst einen Teil der 
Baukosten in der Form von persönlichen Arbeitsleistungen über 
nimmt, was sich bis 50 v. H. der Gesamtkosten steigern kann. Das 
Kleinhaus stärkt das moralische Empfinden, den Familiensinn, die 
Lebensfähigkeit. Das, was wir in der Zukunft zur Pflege der 
Volksgesundheit brauchen, ist gerade das Einfamilienhaus. An 
Großhäusern ist der Bedarf in Wien reichlich gedeckt, an Klein 
häusern herrscht Mangel. 
Dr. Martin Wagner, Berlin, hätte das Wort nicht ergriffen, 
wenn nicht in der Schrift über Wiener Wohnungsbauten „Die 
Wohnungspolitik der Gemeinde Wien“, die den Kongreß-Mit 
gliedern überreicht war, Großhäuser empfohlen und deren Wert 
in Widerspruch zu der bis jetzt herrschenden Auffassung zu be 
gründen versucht würde. Es sei gesagt worden, daß nur reiche 
Länder, wie z. B. die Vereinigten Staaten es sich leisten könnten, 
die gesamte Bevölkerung in Einfamilienhäusern unterzubringen. 
Es ist nicht so. Amerika ist kein reiches Land gewesen, als dort 
Einfamilienhäuser gebaut wurden, es ist vielmehr dadurch reich 
geworden. In der erwähnten Schrift sei angegeben, daß Wien arm 
ist, aber Wiens Großhäuser haben mehr gekostet als Kleinhäuser, 
folglich ist diese Behauptung nicht stichhaltig.
	        
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