Path:
Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

176 
LEERSTEHENDE WOHNUNGEN IN BERLIN 
Aus den „Mitteilungen der Industrie- und Handelskammer 
zu Berlin“ vom 25. September entnehmen wir einem Bericht der 
Woknungsfürsorgegesellschaft Berlin m. b, H. folgendes: 
„In Frage kamen für die Statistik nur die in den ersten zwei 
Jahren 1924 und 1925 von derWohnungafüraorgegesellschaft Berlin 
m. b. H. mit Hauszinssteuerdarlehen beliehenen Neubauten mit 
insgesamt 19357 Wohnungen. Hiervon waren am 15. August d. J. 
bezugsfertig 15898 Wohnungen, vermietet waren am Stichtage 
15594 Wohnungen, noch nicht vermietet waren somit 304 Woh 
nungen. Wie die nachstehende Tabelle (Gruppe A) zeigt, handelt 
es sich bei den leerstehenden Wohnungen fast ausschließlich um 
Neubauten, die durch Hauszinssteuerhypotheken, erste Hypotheken 
von Pfandbriefanstalten und dergleichen und durch eigenes Kapital 
der Bauherren finanziert worden sind, wo also die Vermietung 
SaAe des Bauherrn ist. Bei der zweiten Gruppe von Neubauten (B), 
die neben der Hauszinssteuerhypothek noch Zusatzhypotheken 
aus städtischen Mitteln erhalten haben, waren die bezugsfertigen 
Wohnungen bis auf 14 in eben fertiggestellten Häusern vermietet. 
Über die Wohnungen der Gruppe B verfügt nicht der Bauherr, 
da sich die Stadt Berlin bei Bewilligung der Zusatzhypotheken das 
Recht Vorbehalten hat, die Mieter durch die Bezirkswohnungsämter in 
die Wohnungen einzuweisen. Baukostenzuschüsse werden für diese 
Wohnungen nicht erhoben. Bei der dritten Gruppe (C), den Einzel 
siedlern, die Ein* oder Zweifamilienhäuser für eigene Rechnung 
mit Hilfe von Hauszinssteuerdarlehen errichten, kommen leer 
stehende Wohnungen überhaupt nicht vor. 
Von 11101 bezugsfertigen Wohnungen der Gruppe A konnten 
demnach 290 Wohnungen noch nicht vermietet werden, während 
auf der anderen Seite von den noch nicht bezugsfertigen Woh 
nungen der Gruppe A schon 43,7 v. H. im voraus vermietet worden 
sind. Im Gesamtbild der Gruppe A stehen 11391 Wohnungen be 
zugsfertigen Wohnungen 11918 vermietete Wohnungen gegenüber. 
Die verhältnismäßig geringe Anzahl der 290 bezugsfertigen und 
unvermieteten Wohnungen läßt erkennen, in wievielen Fallen die 
von der Privatwirtschaft geforderten Baukostenzuschüsse so hoch 
sind, daß sich hierfür noch keine Interessenten fanden. Die be 
treffenden Bauherren werden sich, wie es viele andere schon getan 
haben, ebenfalls genötigt sehen, ihre Forderungen zu ermäßigen, 
um die Wohnungen vermieten zu können. 
Die Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin m. b. H. hat von jeher 
das System der Baukostenzuschüsse als einen recht bedauerlichen 
Mißstand angesehen. Solange aber die für Zusatzhypotheken von 
der Stadt Berlin zur Verfügung gestellten Mittel nicht ausreichen... 
muß das Kapital der freien Wirtschaft einspringen, da der für 
Berlin von der Regierung festgesetzte Höchstbetrag der Haus 
zinssteuerhypothek nicht überschritten werden darf. Die Privat 
wirtschaft sucht selbstverständlich die von ihr investierten Bau 
kosten in Form von Baukostenzuschüssen oder von Mietaufschlägen 
wieder flüssig zu machen. 
Die Zahl der zuschußfreien Wohnungen für Minder* und Un 
bemittelte hat bis jetzt in jedem Jahre erheblich zugenommen. 
Während 1924 nur 1217 Wohnungen, 1925 sthon 3651 Wohnungen 
bereitgestellt werden konnten, werden im Jahre 1926 5500 Woh 
nungen ohne Baukostenzuschüsse den unbemittelten Wohnung 
suchenden geboten werden. Außerdem werden aus den im Jahre 
1926 von der Stadt zur Verfügung gestellten Zusatzhypotheken 
mitteln im Januar nächsten Jahres noch etwa 3000 Wohnungen 
gleicher Art erstellt werden, da für die Verteilung der restlichen 
Zusatzhypothekenmittel in diesem Jahre die entsprechenden Haus- 
zinssteuermittel nicht mehr ausreichen.“ 
Insgesamt mit öffent 
lichen Mitteln be- 
liehene Wohnungen 
Von den Wohnungen der Spalte 1 sind: 
Von den Wohnungen der Spalte 1 sind: 
bezugsfertig 
bezugsfertig und 
vermietet 
bezugsfertig und 
noch nicht 
vermietet 
noch nicht 
bezugsfertig 
dennoch schon 
vermietet 
1 
2 
3 
4 
5 
6 
Gruppe A 
13 260 
11391 
11 101 
290 
1869 
817 
Gruppe B 
4 868 
3 278 
3 264 
14 
1590 
140 
Gruppe C 
1229 
1229 
1229 
— 
— 
— 
insgesamt . ■ . 
19 357 
15 898 
15 594 
304 
3459 
957 
CHRONIK 
LE CORBUSIER-AUSSTELLUNG IN BERLIN 
Ende Oktober findet in unseren Ausstellungsräumen, Berlin W8, 
Markgrafenstraße 31, eine Ausstellung von Le Corbusler-Jeannerets 
jüngsten Arbeiten statt, die der Künstler der Schriftleitung zu 
diesem Zweck selbst zur Verfügung gestellt hat. Die Ausstellung 
ist werktäglich von 10 bis l / 9 7Uhr geöffnet. Der Eintritt ist von 
12 bis l / s 7 Uhr frei, morgens 1 Mark. 
ERGEBNISSE DES „LINDEN“-WETTBEWERBES 
Den bisherigen drei Veröffentlichungen über unseren „Linden“- 
Wettbewerb (W. M. B. 1926, Heft 9, und „Städtebau“ t926, Heft 2 
und 9/10) folgen auf den nächsten Seiten weitere Arbeiten. Eine 
Nachlese wird noch im folgenden „Städtebau“-Heft erscheinen. 
Diese Veröffentlichungen werden zusammen mit den Fassaden 
abwicklungen von „Unter den Linden“ in den Jahren 1825 und 1925 
(die letzteren eigens für den „Städtebau“ aufgenommen) als Buch 
„Unter den Linden von 1680 bis 1980" zusammengefeßt werden. 
Dieses Buch wird Ende November d.J. erscheinen und ist vor 
Erscheinen zum Subskribtionspreis von Mk. 8.— geheftet und 
Mk. 10.—— in Leinen, nach Erscheinen zum Preise von Mk. 11.— 
bezw. Mk. 13.— zu beziehen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.