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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

Abb. 1 / Forum civile zu 
Pompeji / Wiederherstcl- 
lunjjsversuch / Lageplan 
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FORVH* CIVILE II 
COMITIVM 
DAS FORUM CIVILE ZU POMPEJI / EIN MEISTERWERK ANTIKER STADTREGULIERUNG 
VON OTTO GOLDSCHEIDER, ZAGREB 
Schwere Sünden der Väter waren wieder gut zu machen, als 
es galt den offenen Marktplatz von Pompeji, auf welchem sich 
bereits eine Reihe öffentlicher Stadt- und Kultbauten befanden, 
zu regulieren. 
Weder die Basilika (Handelsgericht u. Börse) und der Apollo 
tempel an der Westfront des Marktplatzes, noch der sogenannte 
Bazar oder das Haus der Eumachia (Markthalle der Tuchwirker), 
der Tempel des Vespasian und die spätere Fleisch- und Fischhalle an 
der Ostfront hatten eine einheitliche Baulinie. Von allen Richtungen 
mündeten Straßen ein und Hessen keine einheitliche Wirkung auf- 
kommen (Abb.l; dunkel schraffiert die bereits bestehenden Bauten, 
hell die neu hinzukommenden Bauten laut Regulierungsplan). 
Griechisch-römischer Geist meisterte auch diese schwierige Auf 
gabe in so vollendeter Weise, daß heute niemand die großen 
Schwierigkeiten, die der Lösung entgegenstanden, vermuten würde; 
vielmehr möchte man meinen, daß der Platz von vornherein nach 
einem einheitlichen Plan angelegt wurde. 
Der Grundgedanke der Regulierung war, den Platz in einen 
großen einheitlichen Raum von etwa 30 m Breite und 150 m Länge 
umzuwandeln, und damit dieselbe Wirkung, wie beim Betreten 
eines Peristyls im Wohnhause auch beim Betreten des Forums zu 
schaffen. Vornehm und in ruhiger Geschlossenheit erstreckt sich 
das Forum vom Standpunkt 1 des Lageplans (Abb. 2) mit dem 
Jupitertempel als Nordwand des Forumsaales und dem Vesuv 
als Blickpunkt. So ist ein würdiger Vorsaal für die angrenzenden 
Kult- und öffentlichen Verwaltungsbauten geschaffen — für Privat 
häuser gab es hier keinen Platz. 
Die Regulierung hatte drei Aufgaben zu erfüllen: 1. die archi 
tektonisch-künstlerische, 2. die verkehrstechnische und schließlich 
3. eine raumschaffende, für noch erforderliche weitere Kult- und 
öffentliche Bauten. 
Der erste Teil der Aufgabe war bereits mit der Fassung 
des Peristylgedankens gelöst. Es wurde den bestehenden Bauten 
eine Säulenhalle vorgestellt und die Parallele zu der Bauflucht 
der Säulenreihen bei der Basilika durch eine mit Fallgittern 
zu schließende Vorhalle, beim Apollotempel durch eine vorge 
legte Mauer von abnehmender Stärke, deren Nischen der Markt 
polizei zugewiesen wurden (Eich- und Wagamt) bewirkt. An der 
Ostfront wurde dem Bazar der Eumachia ein reich mit Nischen 
gegliederter Vorbau vorgesetzt, das ehemalige Pantheon erhielt 
einen neuen Bauteil mit vom Marktplatz zugänglichen Verkaufsbuden. 
In gleich vorzüglicher Weise wurde der dritten Aufgabe, die 
neuhinzukommenden Gebäude in den allgemeinem Baugedanken 
einzugliedern, entsprochen. So fügt sich die Kurie unmittelbar in 
das Hallensystem ein, gleichzeitig die Vicolo degli Balcone abschlie 
ßend und sie zur Sackgasse gestaltend. Doch kann durch Fallgitter 
der Zugang zum Forum geöffnet und dem Verkehr freigegeben 
werden. Ähnlich wird das Comitium in das allgemeine Baupro 
gramm mit einbezogen; hier sind als Steigerung und zugleich aus 
zwecklichen Gründen zwei Säulenreihen vorgelegt und dadurch 
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Städtebau 1926, Heft 11 
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