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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

geben und sich von der Wassermenge zu überzeugen, die über das 
Wehr fällt. Er wird zugeben, daß diese Wassermenge sehr wohl 
in einem Abflußrohr mittleren Durch 
messers abgeführt werden könnte. 
Was unter der Wehrhöhe liegt, stag 
niert und würde in dem 
Augenblick abfließen, wo 
das Wehr 
umgelegt 
Glatter Verkehrs- 
Zug vom Spittel 
markt in den 
Kurfürsten* 
dämm 
wurde. Dann würde sich nur ein ganz bescheidenes Rinnsal über 
die Sohle des Kanals ergießen. 
Die Gründe also, aus denen seiner Zeit der Plan abgelehnt 
worden ist, sind nicht mehr stichhaltig, wenn sie es je gewesen 
sind. Die Gründe aber für diesen Plan gewinnen täglich an 
Nachhaltigkeit. Die Frage ist so zu formulieren: Soll Berlin einen 
durchgehenden monumentalen Straßenzug erhalten wie ihn jede 
Großstadt besitzt oder soll es das unentwirrbare Konglomerat von 
Wohn- und Geschäftsstadt oder vielmehr von Wohn- und Ge- 
schäftsstädten bleiben, ein wohl historisch gewordenes aber 
städtebaulich unhaltbares Erbteil überwundener Epochen? Die 
Antwort sollte nicht schwer fallen. Soll Berlin das städtebaulich 
werden, was es seiner Große wie Bedeutung nach verdient, so 
müssen die vorhandenen Möglichkeiten unter Hintansetzung von Sen 
timent und bürger 
lichem Beharrungs- 
willen genutzt wer 
den. Dabei soll von 
landschaftlichem Be 
sitz nicht mehr zer 
stört werden, als die 
Durchführung der 
Notwendigkeit er 
fordert, aber Opfer 
müssen gebracht wer 
den. So würde ich 
glauben, daß jenseits 
der Endpunkte Pots 
damer Brücke und 
Cornelius- 
brücke 
auch das Idyll in seinem Rechte bleiben könnte. Dazwischen aber hat 
es in einer Großstadt nichts zu suchen. Sie ist für träumerische 
Spaziergänge eine allzu ernste Angelegenheit. Dafür muß der 
Grunewald dienen und durch alle denkbaren Verkehrsmittel leichter 
erreichbar gemacht werden, als er es heute noch ist. Fehlt doch 
höchst merkwürdigerweise noch heute eine Untergrundbahn zu 
dem den Berlinern schon seit Jahrzehnten versprochenen Volkspark. 
Wie nun hat man sich die Umgestaltung des Landwehrkanals 
zu einer monumentalen Verbindungsstraße vom alten zum neuen 
Geschäftszentrum und seine Gestaltung als neues Geschäftszentrum 
zu denken? 
Nur der Verkehr schafft Verkehr. Die Straßenbahn hat ihre 
Eignung als großstädtisches Verkehrsmittel im Stadtinnern nicht 
erweisen können, ln verkehrsreichen Stunden geht der Fußgänger 
Otuaeioo& 
Ddbfert 
schneller 
durch die 
Leipziger 
Straße, als ihn 
die Straßen 
bahn befördert. Es kommen 
als Verkehrsmittel also nur 
Untergrundbahn, Omnibus 
und Auto in Betracht. Omnibus 
linien zu legen ist keine Schwierig 
keit, für die Untergrundbahn bietet 
das Bett des Kanels nach Umlegung 
des Wehrs im Tiergarten seine Sohle für die 
Legung der Schienen unmittelbar. Bei der Breite 
des Kanalbettes bleibt noch genügender Raum 
zur Aufnahme zahlreicher und umfänglicher Lei 
tungen. Es wäre also nur eine Decke und auf 
dieser eine Automobilstraße für Schnellverkehr anzulegen. Die Unter 
grundbahn könnte einerseits durch die Potsdamer Straße bis zum Leip 
ziger Platz durchgcfuhrt werden, wo die breite Rasenfläche der Nord 
seite Gelegenheit zur Anlegung eines Umsteigebahnhofes gibt, während 
von der Corneliusbrücke aus der Kurfürstendamm zu unterfahren sein
	        
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