Path:
Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 21.1926 (Public Domain)

Wegübersetzung müssen häufig teilweise, manchmal auch ganz von 
der Gemeinde getragen werden. Sie hätte daher durch eine bessere 
Planung ihres Straßennetzes viel Geld ersparen können. 
Die in Abb. 5 dargestellte, in einem Stadterweiterungsplan 
vorgesehene Straßenanlage ist recht gut gemeint, und sie sieht 
auch auf dem Papiere ganz gut aus. Da aber die Bahn im Ge' 
lande liegt und das Grundwasser verhältnismäßig hoch steht, so 
verteuert die Herstellung der beabsichtigten schienenfreien Unter 
fahrt die Straßenbauten für die Stadt und die Hausbauten für 
die Grundeigentümer. Außerdem würde die ganze Anlage infolge 
der schief aufsteigenden Straßen in Wirklichkeit durchaus nicht 
sehr schön aussehen. 
Die Blockdurchdringung empfiehlt sich gelegentlich auch, dann 
wenn die Bahn lange schmale Flurstücke schräg durchschneidet und 
man die Nebenstraßen senkrecht und parallel zu schon vorhan“ 
denen Hauptstraßen bezw. zu den Flurstücksgrenzen anordnen 
will. Im Teile A der Abb. 6 wird dadurch einerseits der Weg 
zum Bahnhofe, auf den man bei Wohnstädten in der Nähe der 
Großstädte immer ganz besonders Rücksicht nehmen muß, und andererseits der Weg zur Stadt 
nicht verlängert; wohl aber im Teile B. Eine solche sägeförmige Straßenausteilung wird daher 
nur ausnahmsweise angewendet werden können, obwohl sie eine raschere Verbauung ermöglicht. 
3. ER WEITERUNGS FÄHIGKEIT DER BAHN 
Sie wird durch die in Bahnnähe liegenden Straßen ganz wesentlich beeinflußt, Soll zu 
einer eingleisigen Bahn aus älterer Zeit, die noch mit flacheren Böschungen angelegt worden 
ist, ein zweites Gleis gelegt und kann das bestehende Gleis um den halben Gleisabstand 
verschoben werden, so ist eine Grundeinlösung nicht erforderlich, wenn die Dammhöhe oder 
die Einschnittstiefe mehr als etwaHi-8—10m beträgt (Abb. 7); bei einem geringeren Höhen 
unterschiede müßten Stütz- oder Futtermauern hergestellt werden 
(Abb. 8), was aber auch nur bis etwa H s - 2,0—2,5 m und H 3 - 
1,0—1,5 m möglich ist. Kann das bestehende Gleis nicht verschoben 
werden, so sind die angegebenen Zahlen rund doppelt So groß. 
Liegt die Bahn fast oder ganz im Gelände, so ist immer eine 
Grundeinlösung notwendig. Bei der Blockabsonderung muß dann, 
da eine nennenswerte Verschmälerung einer Straße kaum zuge- 
standen wird, eine ganze Häuserzeile eingelöst werden. Audi bei 
der Blockdurchdringung mit enger Verbauung ist die Grundeinlösung 
noch recht teuer, wenn die Blocktiefe nicht groß ist. Etwas besser ist 
es vielleicht, wenn bei der Blockabsonderung breite Vorgarten vorge 
sehen sind, deren Einlösung aber auch noch verschiedene Nachteile hat. 
Es ergibt sich, daß vom Standpunkte der Erweiterungsfähigkeit 
der Bahn die Blockdurchdringung mit offener Bauweise und reich 
lichen Gärten die beste Lösung ist. Da für ein Gleis nur ein Grundstreifen von 4-5 m 
Breite erforderlich ist, so werden dadurch tiefe Gärten nicht sehr entwertet. 
Es fragt sich nur, ob die Erweiterungsfähigkeit der Bahn für die Stadt überhaupt wichtig 
ist, da die Kosten eines neuen Gleises vom Bahneigentümer zu tragen sind. 
Auf offener Strecke — die Erweiterung von Bahnhöfen wird hier nicht behandelt — 
werden neue Gleise gelegt, wenn die Hauptbahn ein zweites bezw. drittes und viertes Gleis 
erhalten, wenn die Stadt der Ausgangspunkt einer Nebenbahn werden oder wenn ein 
Schleppgleis (Industriegleis) hergestellt werden soll. 
Schiebt die Hauptbahn die Gleisvermehrung wegen einer zu teuren Grundeinlösung 
hinaus, so wird das oder die bestehenden Gleise immer mehr überlastet, die Zahl der Züge 
kann nicht vermehrt werden, es gibt Verspätungen im Personen- und Güterverkehr, was 
von der Bevölkerung sehr unangenehm empfunden wird. Eine schlechte Zugverbindung hält 
davon ab, sich in einer Wohnstadt in der Nähe der Großstadt anzusiedeln. Man sucht sich 
dann vielleicht mit anderen Mitteln, wie teilweise Ablenkung des Verkehrs auf andere Linien 
oder Erbauung von elektrischen Fernbahnen zu helfen, bis nach einigen Jahren der alte 
Zustand eingetreten ist und dann schließlich doch die Gleisvermehrung ausgeführt werden 
muß. Die Grundeinlösung ist dann wegen der weiteren Verbauung und der allgemeinen 
Wertsteigerung des Bodens noch teurer geworden. Den Schaden trägt bei unserem Staats 
bahnsystem die Allgemeinheit. *) 
*) Wie sehr die Gemeinden durch die infolge der Verbauung gehinderte Ausdehnungamöglichkeit der Eisenbahnen 
in Mitleidenschaft gezogen werden, beweist unter anderem die Verlegung unzureichend gewordener Anlagen för den 
Frachtenverkehr außerhalb de* Weichbildes der Städte, wodurch der größte Teil der Einwohnerschaft mit erhöhten 
Fuhrwerkskosten belastet wird. 
rlursUicksgrenzen 
*ürr>
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.