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Volume H. 5/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 20.1925 (Public Domain)

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Das Potsdamer Rathaus (3 Abb. auf S. 90 und beiliegender 
Tafel), für das selbst Gurlitt ein gutes Wort gefunden hat, ist um 
geben von einem Sammelsurium ziemlich urteilslos nebeneinander 
gestellter Kopien. Otto Zieler schrieb 1913 in „Potsdam“; „Der 
künstlerische Despotismus des diletticrcnden Königs, der noch zu 
Knobelsdorffs Zeit einsetzt, macht sich zuerst am allen Markt 
geltend" und selbst Goecke, der kein Klassizist war, schrieb 1914: 
,.Man kann nicht behaupten, daß der alte Markt ein harmonisches 
Gebilde sei“. 
(.Fortsetzung von Seite 83J 
meister v. Gontard hat Friedrich II. 43 Tage lang in Stubenarre s j. o- e setzt, und 
es gab keinen B. D. A., der für ihn eintreten konnte) und das vergessene bau 
künstlerische Staatspferd des sparsameren Kaisers aus der Wiener Hofburg 
holte und unerwartet vor die königlich preußische Staatskarosse spannte. Aber 
dürfen Sie es wirklich »große deutsche Kunst zu Ehren bringen« nennen, daß 
Friedrich II. einen für ganz andere räumliche Verhältnisse und in einer ganz 
anderen Zeit entworfenen Bau, einen barocken Bau mit konkav eingezogener 
Schauscite, völlig beziehungslos in die Ecke eines klassizistisch straffen Platzes 
stellte? Bedenken Sie doch den Ursprung derartig konkaven Einziehens in der 
Mitte einer Fassade! Als Ricchini in Mailand seine Fassade des heutigen Palazzo 
del Senate konkav einzog, vermied er dadurch das harte Zusammenstößen der 
Palastfront mit der schräg vorbeiführenden Straße. Wie in einer großen Nische 
wild die Bewegung der Straße aufgefangen. Die konkave Form entstand auf 
Grund einer räumlichen Forderung, deren Erfüllung Palast und Umgebung in 
enge Verbindung setzt.*) Der Wiener Entwurf des Fischer von Erlach paßte 
ähnlich sinnreich auf den Wiener Platz, für den er entworfen war. Aber für die 
Ecke des Berliner Opernplatzes, für den er durchaus nicht entworfen war, 
paßte er nicht. Der Bau ist zu kurz für die Baustelle, die er füllen soll, und 
bei der Aufstellung ist nicht einmal die einfachste Achsenbeziehung zum gegen 
überliegenden Opernhause gewahrt. Und selbst wenn sie gewahrt wäre, würde 
doch noch die großartigere Barockgebärde des Wiener Hofburgentwurfes in die 
Nähe der niedrigeren und (vor ihrer modernen Verballhornisierung) schon vor- 
schinkelhaft streng wirkenden Oper und der Hedwigskirche (die als Schlußstück 
in der anderen Ecke keine Nebenbuhlerschaft verträgt) höchstens ebensogut passen 
*) Vgl. hierzu die Ausführungen auf S. 5 in Eberhard Hempels großartiger neuer Monographie über 
Francesco Borromini, Wien, 1924, Kunstverlag Anton Schroll. 
Vorschlag für die Erweiterung des Potsdamer Rathauses / 1914 mit dem ersten Preise gekrönter Entwurf von Architekt Dipl. Ing. Landsberg-Berlin 
Die Ausführung dieses Entwurfes wurde durch Überbauung einer Straße und Beseitigung friderizianischer Häuser etwas Ordnung in den zerfahrenen Platz bringen
	        
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