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Volume H. 5/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 20.1925 (Public Domain)

v. Knobelsdorff’s ursprünglicher Entwurf für das Berliner Friedrichsforum (nach dem Schmettauschen Plane von 1748) sah auf der Westseite des Platzes eine einheitliche ruhige 
Platzwand vor, statt der Nachahmung einer stark bewegten Wiener Barockfassade mit einem Schinkelbau daneben, die heute dort stehen. (Vgl. Abb. S. 82.) Schinkel und 
Friedrich Wilhelm IV. erwogen die Beseitigung der Wiener Nachahmung. 
DER BERLINER OPERNPLATZ 
„Auch war es nicht nur der Plan von Sanssouci, den die 
caprice des Königs verdorben hat. Noch verhängnisvoller 
ist Friedrichs II. Eigensinn mit dem Berliner Opernplatz 
umgesprungen, dessen Entwurf auch von Knobelsdorff 
stammt. Auf dem großen Schmettauschen Stadtplane kann 
man im Randbilde sehen, wie ruhig und vornehm v. Knobels 
dorff den Platz im Westen durch eine lange niedrige Bau 
masse abschließen wollte. Aber Friedrich II. machte auch 
da seinen bizarren Widerspruch geltend und erschlug noch 
als ganz alter Mann die klassizistische Schöpfung des ver 
storbenen v. Knobelsdorff durch den barocken hohen Bau, 
der vom Berliner Volkswitz „Bücherkommode“ getauft 
wurde. Friedrich II. selbst nannte sein Werk „nutrimen- 
tum spiritus", wohl um öffentlich darzutun, daß sein Latein 
nicht weiter reiche als sein Architekturverständnis?“ 
Unter den Teilnehmern am Gespräch befindet sich in 
jenem Augenblicke der Berliner Kunslgelehrte Professor ***. 
Er wirft ein: „Aber erlauben Sie, die Schauseite der alten 
Bibliothek ist nach einem Entwürfe des großen Wiener 
Barockkünstlers Fischer von Erlach gebaut. Dieser alte 
Entwurf für die Kaiserliche Hofburg war in Wien unaus 
geführt geblieben, und Friedrich II. erwarb sich ein großes 
Verdienst um die deutsche Kunst, indem er diesen Schatz 
der Vergessenheit entriß und in Berlin zu Ehren brachte. 
Man muß also unserem großen Könige in Ehrfurcht danken 
für seine wahrhaft weitsichtige Sorge um große deutsche 
Kunst.“ 
Ellis antwortet: „Es war kurz vor seinem Tode, als 
der alte Fritz in einer klassizistisch gewordenen Welt plötz 
lich wieder »barock« (und gar Wiener Barock!) zu bauen 
anfing. Im selben Geiste schrieb er damals auch sein Lehr 
buch »über die deutsche Literatur«, in welchem er Goethe 
»ekelhafte Plattheit« vorwarf. Ich zweifele nicht, daß sich 
Friedrich II. sehr schlau vorkam, als er auch dem franzö 
sischen Nachfolger des unglücklichen Knobelsdorff in der 
landesüblichen Weise vor den Kopf stieß (auch den Bau- 
Paris, das sogenannte Pilais Royal (nach einer Darstellung vom Ende des 18. Jahrhunderts). 
Dieser Platz eignet sich nach Größe und gärtnerischer Behandlung gut zum Vergleiche mit dem 
heutigen Friedrichsforum in Berlin. (Vgl. Abb. S. 82.) 
Die ehrfurchtslose Oberschreiung des Palais Princt Henri (rechts, heute Universität, ein Haupt 
glied des Friedrichsforums) durch die Staatsbibliothek, eines der peinlichsten Beispiele des 
taktlosen „Cklekticismus" 
(Fortsetzung auf Seite 90) 
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•u 1925,5/8
	        
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