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Volume H. 3/4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 20.1925 (Public Domain)

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Stelle in der Ecke erkannt, wo die beiden Baukörper 
sich am nächsten kommen. Es ist schwer zu sagen, 
wie das besser gemacht werden könnte, wenn man 
nicht auf diesen wirkungsvollen Blick verzichten will. 
Soviel ich gesehen habe, hat keine andere Arbeit 
einen Durchblick in dieser Gegend, wo gerade die 
Diagonalansicht, wie auch das Preisgericht an anderer 
Stelle anführt, besonders günstig ist. 
Die Arbeit der Dipl.-Ingenieure Schwaderer & Hoss- 
Stuttgart zeigt zwar einen durch eine etwas gekünstelt 
wirkende Unterbrechung des Bautrakts längs der Straße 
erzielten Durchblick, der aber durch den zweiten Trakt 
gegen den Münsterplatz überschnitten wird. Die vor 
geschriebenen Standpunkte für die Schaubilder mögen 
insofern irreführend auf die Bewerber gewirkt haben, 
als die Anordnung der Baumassen diesen Standpunkten 
zulieb vielfach anders getroffen wurde, als es die 
Situation im Ganzen gesehen erfordert hätte. 
Einer der preisgekrönten Entwürfe (Architekt Wetzel- 
Stuttgart) fällt auf durch seine Eigenart, die ihn außer 
halb aller sonst versuchten Lösungen stellt: er behält 
den freien Blick auf das Münster beim Verlassen der 
Hirschstraße bei und schließt nur die Lücke des süd 
lichen Münsterplatzes durch zwei Einzelbauten, die durch 
Terrassenanlagen auf dem weiten, etwas abfallenden 
Münsterplatz architektonisch verankert werden. Diese 
Lösung stellt die geringste Veränderung des gegen 
wärtigen Zustandes dar und gibt doch der Münster 
westfront den so nötigen Maßstab und dem weiten 
Platz einen gewissen Halt. 
Der Gang durch die, wie es heißt, 5 km lange Front 
von mit Plänen behangenen Gestellen ist überwältigend; 
welche Summe von guter und bester Arbeit ist hier 
vereinigt und harrt der Anerkennung! Natürlich fehlt 
es auch nicht an wirr-phantastischen und unfähigen 
Arbeiten. 
An einem kurzen Tag ist es nicht möglich, einen vollen 
Überblick zu bekommen, der den guten Leistungen 
auch nur einigermaßen gerecht würde. Man muß sich 
auf flüchtige Eindrücke beschränken. 
Noch eines sei nebenbei gesagt: es ist erstaunlich, 
wie verhältnismäßig wenig gute, sachliche Darstellungen 
bei den Schaubildern zu finden sind. Nichts verträgt 
weniger modische Darstellung als Architektur mit ihrer 
kantigen Körperlichkeit. Die modische Darstellung 
umschreibt in gefälliger, einschmeichelnder Weise die 
rauhe Wirklichkeit. Der Architekt will aber doch 
zeigen, wie sein aufgemauertes Geistesprodukt in 
seiner plastischen Gestaltung als das wirkt, was es 
ist, und nicht, daß man dieses Gebilde mit der Aus 
drucksweise des modernistischen Zeichners so um 
schreiben, umspielen, hinwegleugnen kann, daß es 
mehr einem bengalischen Bühnenzauber gleicht als 
einem Kubus aus Stein und Eisen. 
ABB. 156 (LINKS) / ANGEKAUFT. KENNWORT: „MARIENLEBExN“ / ARCHITEKT: 
FRIEDRICH HESS, ZÜRICH 
Urteil des Preisgerichts: 
Das Hauptgebäude wirkt durch seine schlichte Bauweise. Die Lage des Gebäudes hat den Vorzug, 
daß das Klemmsche Haus verdeckt wird und der Blick von der Hirschstraße auf das Münster zu 
offen bleibt. 
Der Flügelbau gegen das Klemmsche Haus ist für die Überleitung zu der Baumasse des Münsters zu 
niedrig, so daß das Hauptgebäude zu isoliert auf dem Münsterplatz steht. Der Flügelbau auf der 
anderen Seite des Hauptgebäudes verdeckt den unteren Teil des Münsters und bleibt besser weg. 
ABB. 157-159 (UNTEN) / ANGEKAUFT. KENNWORT: „RAUM“ I ARCHITEKTEN: 
K. WÄGENBAUR UND DR. K. WEIDLE, TÜBINGEN 
Urteil des Preisgerichts; 
Der Verfasser bringt die einfachste Lösung. Er führt ein Gebäude unter einem First in leichter Schwin 
gung von der Ausmündung dei Hirschstraße bis zum südlichen Münsterplatz. Er erreicht damit zu 
nächst einen guten Abschluß der Hirschstraße, ohne den Blick auf den Turm von der Hirschstraße aus 
Zu verdecken, und eine ausgezeichnete ruhige Platzwand des eigentlichen westlichen Münsterplatzes. 
Der schöne Diagonalblick auf den Turm mit Hauplportal am Klemmschen Hause vorbei bleibt gewahrt. 
Ebenfalls günstig- wirkt der Abschluß des südlichen Münsterplatzes von Osten her gesehen. Die Höhe 
des Gebäudes dürfte mit vier Geschossen die richtige sein; nur wirken die Giebelabschlüsse nicht 
günstig. Eine Abwalmung wäre hier besser angebracht. 
Den Herren Wagenbauer und Dr. Weidle schuldet die Schriftleitung besonderen 
Dank für wertvolle Mitarbeit an der Zusammenstellung dieses Heftes.
	        
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