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ehrten Meisters wenig oder gar nichts gewonnen hätte und
auf die akademischen Klassen und auf mich selbst angewiesen
wäre. Desjenigen Künstlers Bekanntschaft zu machen, der mich
am besten gefördert haben würde, — davon hielt mich eine
mir selbst kaum erklärliche Scheu zurück. Das war Eduard
Magnus, an den mich Direktor Schulz dringend empfohlen
hatte. Sein kühles, spöttisches, aller romantischen Träumerei
und Schwärmerei abholdes, ja feindliches Wesen, von dem man
mir erzählt hatte, mochte diese Scheu hauptsächlich veranlaßt
haben. Wie viel hätte ich durch ihn, den glänzenden Meister
gerade der malerischen Technik, den klaren, klugen Kopf
voll gesunder Anschauung vom Leben und von der Kunst,
den vielgereisten, vielerfahrenen, mit den Kunstwerken aller
Zeiten, aller europäischen Länder und Galerien gründlich
Vertrauten schon damals lernen können! Erst 20 Jahre
später hat mich ein glückliches Geschick ihm nahegebracht.
Da habe ich erst im vollen Umfange erkennen gelernt, was
ich dadurch verloren hatte, ihn nicht schon in jener ersten
Zeit aufgesucht, ihn um seinen Rat und seine Lehre gebeten
zu haben.
Wenn ich das törichterweise damals versäumte und mir
selbst dadurch einen unersetzlichen Verlust zufügte, so über⸗
wand dagegen die Verehrung für Cornelius und das Ver—⸗
langen, ihn zu sehen, meine Schüchternheit und Unbehülflich⸗
keit zur Genüge, um mich zu bestimmen, ohne alle Empfehlung
und Anfrage meinen Besuch zu machen und mich ihm vor⸗
zustellen. Ich hatte wieder einmal eine große Umriß⸗
komposition (Karl Martells Sarazenenschlacht bei Poitiers,
— unter dem tat ich's nicht) gezeichnet, die in jedem Zuge
vberriet, wie eifrig ich — nicht etwa die Natur, die lebendigen
Menschen studiert und gezeichnet, bewahre, nein, Stiche
nach Eornelius, nach Schnorr v. Carolsfeld und Kaulbachs