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Volume H. 9/10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 20.1925 (Public Domain)

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DER HAMBURGER MESSEHAUS-WETTBEWERB 
VON ADOLF GOETZ, HAMBURG 
HIERZU 33 ABBILDUNGEN 
Über die Durchführbarkeit der Hamburgischen Messe 
hausprojekte hinsichtlich des Verkehrs und wichtiger städte 
baulich-wirtschaftlicher Umformungen und Ausweitungen 
wird an anderer Stelle dieses Heftes vom Unterzeichneten 
und den Hamburgischen Architekten Brüder Gerson eine 
umfangreiche Studie veröffentlicht. Es sei deshalb nur der 
Wettbewerb selbst kurz behandelt, zu dem 105 Doppel- 
Projekte eingereicht worden sind. Er war auf einige Ein? 
geladene, sonst auf Hamburger Architekten beschränkt. 
Wichtig für den Entwurf war die Bestimmung des Preis 
gerichtes, daß das Bauwerk vor allem den verschie 
densten Möglichkeiten der Einzelaufteilung anpaßbar sein 
müsse. Der gerade in Hamburg so erfolgreich entwickelte 
Typ des reinen Kontorhauses (Höger, Gerson, Distel, Gra 
bitz, Bensel u. a.) konnte nur bedingt als Ausgangspunkt 
dienen. Es war nötig, trotz der ungewöhnlichen Höhe des 
Projektes, den Grundsitz so zu lösen, daß man die Einzelteile 
überblicken konnte. Die baupolizeilichen Bestimmungen 
ließen hier einen weiten Spielraum. Städtebauliche und 
künstlerische Massengestaltung fanden nur in der Phantasie 
und im Können der sich am Wettbewerb Beteiligenden ihre 
Grenzen. Das Preisgericht stellte für die Masscngestaltung 
grundsätzlich besonders drei Möglichkeiten auf: 
,,Ein symmetrisch wirkender Aufbau, ausgehend von der 
durch die Überbrückung der Steinstraße gegebenen Achse 
mit mehr oder minder starker Betonung der Mitte. Eine auf 
Reihung gleichartiger Elemente beruhende Wirkung. Eine 
unsymmetrische Lösung mit freier Betonung eines Schwer 
punktes, der in der Gegend liegt, wo der Bauplatz von seiner 
gestreckten Grundform in eine breite Flädhenentwickelung 
übergeht und zugleich das Gelände zu fallen beginnt.“ 
Die Ausschreibung des Projektes war aber nicht so klar, 
daß nicht mißverständliche Auffassungen des Architekten 
über Form und Gestaltungsziele in der Überzahl hätten 
bleiben müssen. 
Es wäre für das Ergebnis des Wettbewerbes besser ge 
wesen, wenn die nachstehenden grundsätzlichen Bemer 
kungen des Preisgerichtes auch schon vorher in der Aus 
schreibung erkennbar gemacht worden waren. Im Gutach 
ten der Preisrichter heißt es: 
„Die zur Steinstraße symmetrische Entwicklung der Front 
an der Bahnhofsseite ist aus der Form des Bauplatzes und 
der Modellierung des Geländes nicht begründet. Sie hat in 
vielen Fällen statt einer kubisch sich gliedernden Massen 
gestaltung zu einer wandartigen Bildung geführt, die von der 
Seite und besonders von rückwärts gesehen fremdartig vor 
dem Stadtkörper liegt und sehr oft unklare Restmassen auf 
der Rückseite (Lange Mühren und deren Verlängerung) übrig 
läßt. Aber abgesehen von dieser Gefahr erscheint die Be 
tonung der Steinstraße als Achse und ihre Überbauung als 
Zentralpunkt eines großen baulichen Organismus städtebau 
lich als ungerechtfertigt. Nicht die Steinstraße, sondern die 
Mönckebergstraßc und nach ihr die verlängerte' Nicdcrn- 
straßc sind die großen verkehrsbetonten Lebensadern der 
Stadt. Von ihnen aus ist die räumliche Wirkung der Bau- 
masse vor allem abzuwägen. Von diesem Gesichtspunkt aus 
ist jene Symmetrie nicht nur unbegründet, sondern die durch 
ihre Entfaltung angestrebten Effekte kommen auch von den 
wichtigsten Sichtpunkten der Umgebung des Bauwerks aus 
gar nicht zur Geltung, ja werden sogar durch die konvexe 
Biegung der Front vielfach unverständlich. 
Deshalb scheint städtebaulich entweder ein Arbeiten mit 
lim iiiiiiii 
Abb. 1—4 / Entwurf Architekt Waldemar Reiner, Hamburg
	        
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