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Volume H. 9/10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 20.1925 (Public Domain)

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schossen (oder Wohnkeller und zwei Obergeschosse), und 
anschließend an die bereits mit ganz hohen Mietshäusern 
ausgebauten Quartiere ßarmbecks dürfen einige Blöcke vier 
Obergeschosse (oder Wohnkeller und drei Obergeschosse) 
erhalten. Dies geschah, um hier die privaten Besitzer im 
Umlegungsverfahren entschädigen zu können. 
Das ganze Gebiet wird durch den breiten Zug einer 
Ausfallstraße, der Dehnhaide, durchzogen. Sie erweitert 
sich in der Mitte zu einem Kirchplatz, der so angelegt ist. 
daß eine leise Versetzung der Straße und ihre perspekti 
vische Unterbrechung durch den Kirchenbau erreicht wird. 
Neben diesem Vcrkchrszug bildet das breite Band eines 
Grünstreifens das ausschlaggebende Moment. Diese An 
lagen von 828Ö0 qm ziehen sich zwischen den nord-südlich 
gerichteten Wohnstraßen hin, bald als Wiesenfläche und 
Tummelplatz, bald als Ziergarten, ausgebildct. Ein großer 
Sportplatz für das organisierte Spiel, der von Alleen um 
säumt ist, schließt sich daran. (Abb. 1.) Die öffentlichen Ge 
bäude sind mit dieser Grünanlage in organische Verbin 
dung gebracht. Ein Volkshaus schließt den Zug der An 
lagen ab, zwei Schulen flankieren den Sportplatz, andere 
Bauten beherrschen die übrigen Achsen. 
Diese Umgestaltung des früheren Planes ist nun durch 
zweckmäßige und sparsame Aufteilung ohne erhebliche 
Opfer erreicht worden. 
Obwohl die Grünanlagen sehr vergrößert worden sind, 
beträgt die Wohnfläche in dem herabgezonten Plan immer 
noch 1 101 200 qm gegen 1 231 000 qm in dem Plan mit durch 
gehender fünfgeschossiger Bebauung. 
Da man sich, um dieses Ergebnis zu erreichen, bei der 
Ausgestaltung der einzelnen Teile nicht viel rühren durfte, 
ist ein gewisser Schematismus in der Aufteilung nicht zu 
umgehen gewesen. Er kann in wesentlicher Weise aufge 
hoben werden, wenn die Bebauung des Gebietes nicht in 
Form einzelner Bauvorhaben geschieht, sondern in einheit 
lichen Gruppen vor sich geht. 
Hierzu ist neuerdings in dem nordwestlichen Teile des 
Gebietes der Anfang gemacht. 
Die ersten fünf Blöcke am Alten Teichweg sind vom 
Staate als Klemwohnungskolonic ausgebaut. 
Diese einheitliche Benutzung ergab Gelegenheit zu einer 
Art der Ausgestaltung dieser Blöcke, die vom Schema der 
üblichen Straßenteilung abweicht. (Abb. 4.) 
Der Verkchrszug ist in das innere der Blöcke verlegt, so 
daß sich wohnhofartige Gebilde ergeben, die in ihrer Mitte 
einen gemeinsamen mit Bäumen und Bänken ausgestatteten 
Spielplatz für Kinder umschließen. Dadurch wird der Raum 
der Straße frei, um zusammen mit dem Vorgartengelände 
zu Gartenland ausgenutzt zu werden, das vor allem den Be 
wohnern der unteren Stockwerke zugute kommt. Diese 
Gartcnstreifen sind gegen die Straße mit eingeschossigen 
Ladentrakten abgeschlossen, so daß sie gut durchlüftet 
bleiben und doch die ganze Straßenfront ausgenutzt wird. 
Oie Vorteile dieser Anlage liegen in den vergrößerten 
Grünflächen, einem heimlicheren Charakter des Wohntypus, 
einem geringeren Aufwand von Pflasterfläche, Durchlüft- 
barkeit aller Baugebilde und einer Zerlegung der Baumassen 
an den führenden Straßen in villenartig wirkende Haus- 
korper trotz der guten Frontausnutzung. 
Innerhalb dieser Anlage sind nun in den ersten vier 
Blöcken Häuser mit Erdgeschoß und 2 Obergeschossen vor 
gesehen, die vorwiegend Zwei- und Dreizimmerwohnungen 
mit Wohnküche enthalten. Je sechs solcher Wohnungen 
liegen an einem Treppenhause. Um die Herstellungskosten 
nicht durch die besonders teueren Fellerarbeiten allzusehr 
zu belasten, ist auf Keller durchweg verzichtet. Jede Woh 
nung hat eine größere Speisekammer und besitzt einen Vor 
rats- und Brennmaterialraum im Dachgeschoß. Tn den vier 
Blöcken sind 109 Zweizimmerwohnungen, 129 Dreizimmer 
wohnungen und in den Eckhäusern 51 Vierzimmerwoh 
nungen entstanden. 
Im fünften Block ist ein Studentenheim eingebaut, das 
außer den nötigen Gemeinschaftsräumen 80 Einzelzimmer 
besitzt. Die Verhältnisse des ansteigenden Geländes 
machten hier eine teilweise Unterkellerung nötig, die für 
die Heizung und Wirtschaftsräume ausgenutzt ist. 
In diesem Block befinden sich außer dem Studentenheim 
12 Zweizimmerwohnungen, 60 Dreizimmerwohnungen und 
13 Vierzimmerwohnungen. Die Eckwohnungen jedes. Blockes 
stehen jedesmal mit einem der Läden in Verbindung, die in 
den Zwischentrakten liegen. Der mittlere von ihnen ist 
durch einige Räume zu einer Wohnung erweitert. 
Diese ganze Kleinwohnungs-Anlage, die in den schlichte 
sten Formen in Backstein ausgeführt ist, stellt einen Versuch 
dar, in unmittelbarem Anschluß an die unwirtlichen Zins 
kästen der Großstadt eine behaglichere und freundlichere 
Etagenhausbebauung einzuführen, die schon durch ihre Lage 
in unmittelbarer Beziehung zu einer Grünanlage mit dem 
abstoßenden Charakter de« großstädtischen Zinshauses 
nichts mehr zu tun bat. 
Hamburg bedarf neben den Gartensiedlungen in Langen 
horn dieses Wohntypus eines gemäßigten Flachbaues in un 
mittelbarer Nähe der jetzigen Wohnquartiere. Seine be 
engte unglückliche Form bringt es mit sich, daß nur noch 
in weiter Entfernung von den im Zentrum gelegenen Ar 
beitsstätten Siedlungsland zur Verfügung steht. Hier aber 
erschweren die Bahntarife und zugleich die Kosten für 
neue Schulen und Verwaltungsgebäude sehr eine lebens 
fähige Entwicklung. 
Deshalb ist Hamburg gezwungen, seine geographisch noch 
einigermaßen günstig zur Arbeitsstätte belegenen Gebiete 
für den stark auftretenden Wohnungsbedarf auszunutzen 
und hier nach einer Bauweise zu suchen, die in ihrem so 
zialen und baulichen Typus allen berechtigten Wünschen 
Rechnung trägt und doch auf hochwertigem Bauland und 
mit hohen Baukosten noch einigermaßen durchführbar ist. 
DER LONDONER VERKEHR 
IM URTEIL DES AMERIKANISCHEN ARCH1KTETEN ALFRED C. BOSSOM 
AUSZUG AUS EINEM VORTRAG MIT 5 ABBILDUNGEN NACH SKIZZEN VON A. C. BOSSOM 
Bisher galt die Londoner Art, den Verkehr zu regeln, als 
vorbildlich. Wenn sie es heute nicht mehr ist, so liegt das 
an dem Anwachsen des Verkehrs während der letzten 
zwanzig Jahre. In London will man, anders als in Amerika, 
lieber bequem als schnell befördert werden. Dabei ist die 
Straßenführung Londons sicherlich nicht planvoll. Seitdem
	        
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