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Volume H. 9/10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 20.1925 (Public Domain)

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Der Fährverkehr auf der Oberstrafte ist den Automobilen 
Vorbehalten. 
Die Bewältigung des Bahnverkehrs, insbesondere 
des Vorortverkehrs für das neue Stadtviertel fällt den beiden 
Bahnhöfen Da-mm tot und iSfernschanze zu 
unter Schonung des Hauptbahnhofes. Der Sternschanzenbahn 
hof, befreit vom Viehverkehr, bildet den Güterbahn 
hof des neuen Stadtteiles; unterirdische Zweig 
geleise lassen sich verhältnismäßig leicht unter allen Blöcken 
hindurchführen mit guter Rangiermöglichkeit. 
Die Verbindungen zum Stadtzentrum er 
folgen mit den Untergrundbahnen, die teils vorhanden sind, 
teils ohnehin zur Bewältigung des Massenverkehrs vom Zen 
trum in die Wohnviertel gebaut werden müssen, sowie durch 
Autobusse. Der Fußverkehr kann durch Parkweg e 
in allen Richtungen erleichtert werden. In die Wohnbezirke 
führen außerdem die Straßenbahnen, deren Endi 
gung am Rande der City durch den Ring mit seinen 
Platzanlagen begünstigt wird. 
Die auf den Plänen angedeutete Bebauung ist eines der 
vielen möglichen Schemata. Die Gleichmäßigkeit in unserem 
Plan soll nicht die Forderung einer gleichmäßigen Durch 
führung bedeuten. Auch soll nicht behauptet werden, daß der 
hier dargestellte schematische Grundriß der beste ist; 
die Feststellung des geeigneten Grundrisses ist Sache der 
Durcharbeitung. 
Die Bebauung beginnt auf der Achse der Universität mit 
dem Messe- und Kongreßhaus. Das Messe- und 
Kongreßhaus enthält in den beiden Seitenbauten Ausstel 
lung«- und Geschäftsräume, im Mittelbaus im Hauptgeschoß 
das Theater, das sich durch Heben beweglicher, schall 
sicherer Wände mit zwei Konzertsälen zu dem großen Kon 
greß-Saal vereinigen laßt. Das Mittelgeschoß enthält die Ein 
gänge und reichliche Nebenräume hierzu. Im Keller sind die 
Bahngeleise und technischen Anlagen. Die Obergeschosse 
enthalten mit reichlichen Treppen- und Fahrstuhlzugängen 
kleinere Säle, Restaurants. Caf6s, Hotel, Klubräume, die 
Musikhochschule u. a. m. Der Zuschauerraum des Theaters 
ist nicht überbaut, so daß direkte Licht- und Luftzuführung 
möglich ist. Der große Raum ist hierdurch auch für Aus 
stellungen verwendbar. 
Dieses Messehaus liegt an einem wahrhaft mo 
numentalen Platz, von hinten und den Seiten eingefaßt 
von den Parkanlagen, mit denkbar bequemster Zu- und Ab- 
fuhrgclegenheit, nach der Stadt zu durch eine im übrigen 
unbenutzte Straße. Autos lassen sich unter dem hochge 
legenen Platze in gutlüftbaren Räumen parkieren. Teile der 
anschließenden Frei-Flächen erlauben Ausdehnung der Aus 
stellungen ins Freie. 
An das Messehaus schließt sich die zunächst angedeutete 
Bebauung des Ringes derart an, däß der Anfang der 
Baugruppe auch Erweiterung des Messehauses werden kann. 
Die Häuser erheben sich bis 50 m — 14 Stockwerke. Die 
Höhe von ca. 50 m scheint uns für europäische Verhältnisse 
— von Sonderfällen abgesehen — ein Maximum darzustcllen, 
das unter den hier vorliegenden günstigen Bedingungen 
unbedenklich erreicht werden kann. Das Maß von 50 m 
Höhe ist gleichzeitig das Maß der Straßenibreite, wie es sich 
u. E. für die moderne Großstadt-Hauptstraße eignet. Dem 
nach ist auch bei unserem Projekt bei den beiderseitig be 
bauten Straßen da« Verhältnis Fronthöhe — Straßenbreite, 
das bei unserem Klima erwünscht ist, gewahrt, während 
die Verhältnisse bei den großen, einseitig bebauten Strecken 
noch viel günstiger liegen. 
Das untere Erdgeschoß der Häuser erstreckt sich unter 
der Oberstraße hindurch bis an die Unterstraße (siehe 
Schnitt). Innenhöfe sind grundsätzlich ver 
mieden, da sie bei so großer Höhe unpraktische Ab 
messungen haben müßten. Die Vorteile des Außenhofes 
überwiegen so außerordentlich, da zu dem Licht- und Luft 
raum des Hofes die öffentlichen Licht- und Lufträume hin- 
zukomimen. 
Verkehrstechnisch bieten die Außenhöfe den Vorteil, daß 
man vor den Hausern die Wagen halten lassen kann, ohne 
den Verkehr zu hemmen. Der Fußweg der Oberstraße zieht 
sich an der Gebäudeseite des Außcnhofes unter einem Glas 
dach entlang und führt geradewegs durch die Querräume 
hindurch. Innere Fußwege lassen sich außerdem zweckmäßig 
im Niveau des obersten Geschosses sowie der Oberstraße 
(siehe D.istelsches Messehaus-Projekt) durchführen. 
Garagen lassen sich im Keller und den weniger wert 
vollen Teilen des unteren Erdgeschosses in größter Menge 
unterbringen. Die umfangreichen technischen Anlagen nebst 
den Bahngelelsen wären im II. Keller unterzubringen. 
An einzelnen Stellen, an denen eine besondere Be 
tonung erwünscht ist, und die örtlichen Verhältnisse es ge 
statten, haben wir Bauten über die 50 m Grenze turmärtig 
höhergeführt. 
An den Radialstraßen I und II sind bereits öffentliche 
Bauten für RildungS’Zweoke vorgesehen, auch die vorge 
sehenen wären nach Möglichkeit einauschränkcn. Vielleicht 
ließe sich ein Teil des hier benötigten Raumes in den 
Bauten am Ring unterbringen. 
Die Bebauung der Radialstraßen III und IV erfordert Ent 
eignung des bereits bebauten und größtenteils bewohnten 
Geländes, Trotzdem ist eine Durchführung rationell, da der 
Boden bei der zu erwartenden Wertsteigerung eine ganz 
andere Ausnutzung verlangt. Änderungen würden sich ohne 
hin durch die Vergrößerung der Verkehr&straßcn ergeben. 
Besonders erwünscht ist die Umgestaltung dieses Abschnittes 
aus folgenden Gründen: 
1. um an dieser Stelle den neuen Stadtteil unmittelbar an 
die alte City anzusohließen, 
2. um dem Heiligengeistfeld auch nach dieser Seite einen 
monumentalen Abschluß zu geben. 
3. um die Grünflächen abzurunden. 
Die große Radialstraße, die das neue Stadtviertel im 
Süden begrenzt, und aus welcher der Ring herausbiegt, wird 
von dem südlichen Endbau des heuen Komplexes in monu 
mentaler Weise torartig liberbrückt. Hier schließt das neue 
Gebiet an die alte City in der Nähe des Hafens an. Der 
gewaltige, hier geplante Rau, kann insbesondere für die Be 
triebe, die Hafennähe brauchen, große Mengen Nutz- 
raum liefern. Als Monument soll er nicht nur vom Zeug 
hausmarkt her, sondern noch mehr vom Hafen aus wirken. 
Die gesamten geplanten Hochbauten verdecken von keinem 
der wichtigsten Standpunkte aus den schönen Anblick der 
Hamburger Türme und des Bismarck-Denkmals, dagegen 
werden sie eine neue Dominante fm Häusermeer Groß- 
Hamburgs bilden. Sie liegen ausschließlich auf gutem Gcest- 
grunde, so daß keine technischen Schwierigkeiten bei der 
Fundierung zu erwarten sind. 
Jetzt sind an Grünflächen zwischen Millcrntordamm und 
Dammtordamm einschließlich Gebiets des alten Stadtgrabens 
vorhanden ca. 1 080000 qm. Bei Ausführung des Projektes 
würden an Grünflächen verbleiben ca. 1010 000 qm. An 
Nutzraium liefert das Projekt zwischen 2 000 000 und 
2 500 000 qm. 
'« * 
• 
Zu der Veröffentlichung dieser Ideen glauben 
wir uns als Hamburger berechtigt, obgleich wir wohl 
wissen, daß die Hamburger Behörden es heute so wenig wie 
in früheren Zeiten an Weitblick fehlen lassen. Es entspricht 
einer Hamiburgischen Tradition, daß die private Initiative auch 
in öffentlichen Dingen sowohl in den Ideen wie ln wirtschaft 
licher Beziehung eine Rolle spielt. Getragen ist diese 
Idee von dem Glauben an eine große Zukunft 
Hamburgs im Rahmen eines alle Völker umfassenden, 
zivilisatorischen und wirtschaftlichen Aufschwunges. 
Wir fühlen uns zu dieser Veröffentlichung gedrängt durch 
das Bewußtsein, daß wir in einer Zeit leben, in der
	        
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