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Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 18.1921 (Public Domain)

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OER STÄDTEBAU 
mit Hilfe berufener Kräfte aus den einzelnen Fachgebieten durchgeführt, 
um der Praxis ebenso wie dem Nachwuchs der Bauingenieure wegweisend 
und als brauchbares Rüstzeug zu dienen. 
ER VERBAND DEUTSCHER ARCHITEKTEN- UND 
INGENIEUR-VEREINE, der in Heidelberg tagte, hat dort 
einen Beschluß dahingehend gefaßt, daß durch Gesetz die Befugnis, 
sich Architekt oder Ingenieur zu nennen, einheitlich für das ganze 
Reich geregelt wird und daß im Anschluß daran Kammern gebildet 
werden müßten, in denen die Architekten und Ingenieure ihre gesetzliche 
Vertretung finden. Der Verbandsvorstand wurde beauftragt, gemeinsam 
mit den anderen in Frage kommenden Verbänden Vorschläge der Reichs- 
Regierung votzulegen. Die Versammlung schloß sich ferner dem Protest 
des Vereins Deutscher Ingenieure gegen unzulässige amtliche Verwendung 
des Wortes „Ingenieur“ in Dienst* und Amtsbezeichnungen an. 
G ROSS-BERLIN. ERWEITERUNG DES SCHÖNE 
BERG- FRIEDENAUER ARCHITEKTUR- WETTBE 
WERBS. Die Arbeitsgemeinschaft Schöneberg-Friedenauer Architekten 
schrieb vor einiger Zeit einen Wettbewerb zur Lösung von drei örtlichen Bau- 
aufgaben des zo. Verwaltungsbezirks aus. Die drei Aufgaben waren: Be 
bauung der Ceciliengärten, Anlage des Sportplatzes und Vorschläge zur Ver 
besserung der Straßen und der Platzgestaltung im Verwaltungsbezirk Schöne- 
berg-Friedenau, An Preisen setzte die Arbeitsgemeinschaft Schöneberg* 
Friedenauer Architekten aus eigenen Mitteln 5000 M, aus. Als Preisrichter 
tätig zu sein, hatten sich Bürgermeister Berndt-Schöncberg, Prof. Dr.-Ing. 
Hermann Jansen, Prof. Heinz Lassen-Berlin, Bürgermeister Dr. Mutbesius- 
Schöneberg, Reichskunstwart Dr. Redslob-Berlin, Prof. Dr. Heinrich 
Straumer B. D. A.-Berlin bereit erklärt. Als stellvertretender Preisrichter 
Architekt Albert Geßner-Charlottenburg. Als Einlieferungstag war der 
I. Dezember 1921 bestimmt worden. Daraufhin hat die Besitzerin der 
Ceciliengärten, die Bodenaktiengesellschaft Berlin-Kord, für die Teilaufgabe 
der Wettbewerbs-Bebauung der Ceciliengärten 5000 M. zur Verfügung 
gestellt. Infolgedessen hat die Arbeitsgemeinschaft Schöneberg-Friede- 
berger Architekten diese Teilaufgabe von ihren drei selbstgestellten Auf 
gaben feilen gelassen und fordert jetzt für diese Teilaufgabe sämtliche 
im Landesbezirk Brandenburg des Bundes Deutscher Architekten woh 
nenden Architekten zur Beteiligung auf. Zur Beurteilung dieser Auf 
gaben treten Kommerzienrat Werner Lichmann-Zehlendorf und Stadtrat 
Ernst Splisgart als Preisrichter hinzu. Der Einlieferungstag der Ar 
beiten wird auf den 1. Januar 1922 festgesetzt und der Einlieferungs- 
termin für die verbleibenden zwei Teilaufgaben; Sportplatz und Stadtplan 
für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Schöneberg-Priedenauer Archi 
tekten bis zum 1. Januar 1922 verlängert. Für diese zwei Aufgaben 
werden die Gesamtpreise von der Arbeitsgemeinschaft aus eigenen Mitteln 
auf 10000 M. erhöht. 
IE WERBENDE KRAFT DER ARCHITEKTUR. Prof. 
Dr. Behrens sprach in Dresden aus Anlaß der „Dresdener Werbe 
schau tgzz“ Uber die werbende Kraft der Architektur. Er streifte dabei 
die Reklame in ihrer Vielgestalt. Ganz unbefriedigt lasse heute noch die 
Zeitungsanzeige mit ihrem starren Geschäftsstandpunkt. Der Wille zur 
Suggestion, immer auf dem Wege über den geschmacklichen Takt, habe 
sich des Ladenfensters bemächtigt. Auch die Verwendung von Wolken 
kratzern, von Turmhäusern im Städtebau habe infolge ihrer suggestiven 
Wirkung ihre Berechtigung. Die moderne Großstadt laufe ziellos in die 
Breite. Die dritte Dimension, die Dimension der Höhe, runde erst 
künstlerisch das Städtebild ab, wie die mittelalterlichen Baumeister sie 
mit Kathedralen und Rathäusern sicherlich mit gleichem Bedacht schon 
verwendet haben. Die Reklame sei etwas eigenes, gerade durch das 
Nichtanpassen an die Umgebung wirke sie suggestiv, wie etwa bei der 
Leipziger Messe oder in einer japanischen Straße. In Leipzig sei bei 
der letzten Messe zum ersten Male der Versuch gemacht worden, aus 
gesprochen fUr Reklamezwecke Flächen zu schaffen. Dieser Versuch sei 
aber unbefriedigend ausgefallen. Einen ähnlichen Versuch stellte der 
kommende gelbe Reichsbriefkasten dar. 
AUPLÄNE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN. Aus 
New York wird berichtet: Zwei imposante Bauprojekte werden jetzt 
in den Vereinigten Staaten in Erwägung gezogen, das eine in New York, 
das andere in San Franzisko an der Küste des Stillen Ozeans, ln New 
York soll mit einem Kostenaufwand von xoo Mill. Dollar eine Brücke 
Uber den Hudsonfluß gebaut werden, um New York mit der Küste 
des Staates New Jersey zu verbinden. Die Pläne für eine 6540 Fuß lange 
Brücke mit einer Flußspannweite von 3240 Fuß sind schon genehmigt 
und mehrere Konsortien befassen sich mit der Aufbringung des Geldes. 
An der Westküste von Amerika hat die Stadt San Franzisko eine 
Petition an das amerikanische Kriegsministerium gerichtet, betreffend den 
geplanten Bau einer Brücke, eines Tunnels und einet Chaussee Uber die 
Bucht von San Franzisko. Auch dieses Projekt erfordert einen 
Kostenaufwand von zOO Mill. Dollar und soll den Weg von San Fran 
zisko, das auf einer Halbinsel zwischen dem Stillen Ozean und der 
Bucht von San Franzisko liegt, abkürzen. Der New Yorker ,,Globe“ 
schreibt darüber: ln San Franzisko verpflichtet sich jeder Mann, jede 
Frau und jedes Kind, 100 Dollar zu zahlen, um in Zukunft mit einem 
Eisenbahnwagen über das naheliegende Wasser fahren zu können. Alle 
Zeitungen drucken Bilder von den projektierten Brücken ab. Aber das 
ist ganz natürlich, sozusagen unvermeidlich. Der Amerikaner reist zum 
Vergnügen, das beweist der Verkehr an Samstagen und Sonntagen. Er 
reist, um seine Geschäfte zu besorgen, ln New York allein drängen sich 
zweimal im Tage Millionen in die Tramwagen der Straßen, in die 
Eisenbahnwagen der Hoch- und Untergrundbahn. Man könnte den 
Amerikaner ein Perpetuum mobile nennen, und die zwei Kolossalbrücken 
sind nur der höchste Ausdruck dieses Charakterzuges. 
CHLOSS NIEDERSCHÖNHAUSEN ALS VOLKSBIL- 
DUNOSHAUS. Das bekannte, geschichtlich und künstlerisch be 
deutungsvolle Schloß Niederschönhausen, der einstige Wohnsitz der 
Königin Sophie Charlotte, soll einem neuen Zweck nutzbar gemacht 
werden. Das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist 
grundsätzlich bereit, das Schloß für diesen Zweck der neuen Stadtgemeinde 
Berlin unter gewissen Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Für Wohn- 
und Bureauzwecke kommen die Räumlichkeiten des Schlosses nicht ln 
Betracht. Eine Kommission des Unterrichtsministeriums hat das Schloß 
Niederschönhausen besichtigt. Nach dem Ergebnis dieser Besichtigung 
ist zu erwarten, daß die Innenräume des Schlosses zur Aufnahme einer 
Volksbücherei und Lesehalle, zur Veranstaltung von Kunstausstellungen 
und anderen Volksbildungszwecken benutzt werden können. Eine end 
gültige Entscheidung ist jedoch noch nicht getroffen. 
IE BAUKUNST DER SIAMESEN. So primitiv vielfach auch 
die Wohnstätten der Ostasisten sind, in ihren Tempelbauten offen 
bart sich ihre oft überraschende Formenkunst, und die hierbei angewandte 
architektonische Vielgestaltigkeit ist es, die vor allem das Auge des Abend 
ländern gefangen nimmt. In höchster Entwicklung steht die Tempelbau 
kunst in den Ländern des Buddhismus, und namentlich in Siam zeigt 
sie die Überraschendsten architektonischen Ausdrucksmöglichkelten. Ein 
umfangreiches Werk von Karl Döhring Uber „Buddhistische Tempel- 
anlagen in Siam“ läßt mit seinen zahlreichen und vortrefflichen Bildern 
diese Zauberwelt des Ostens vor uns lebendig werden, gibt aber weit mehr 
als nur eine der sonst meist üblichen bewundernden Schilderungen in 
Won und Bild. Es zeigt, was für Baukünstler die Siamesen sind, und 
wie Paulsen in der „Bauwelt“ betont, sind die siamesischen Bauwerke 
wohl geeignet, auch abendländischen Architekten Anregungen zu geben. 
Der buddhistische Tempel in Siam ist ein ummauerter Bezirk, mit 
Gebet- und Versammlungshallen, Pavillons, Toren, Denkmälern, allerhand 
kleinen Schutzbauten Uber Heiligtümern, 2, B. Reliquien. Alles das ist 
sorgsam nach Achsen geordnet; die Achsen entsprechen den Himmels 
richtungen, die Abmessungen sehr oft den einfachsten Zahlenverhälcnissen, 
z. B. 1 : 2. Ähnliche Rechtecke sind häufig. Die Hallen haben manches, 
was in der Anlage den griechischen Tempeln verwandt ist; doch sind die 
Dächer steil wie gotische Dächer, die Säulen und Pfeiler sind durchweg 
schlanker. Arcbitrave sind nur in den Abmessungen des Holzbaues üblich. 
Die aus diesen Teilen errichteten Bauten stehen sicher unserer heimischen 
Baukunst, die gefühlsmäßig stark vom Holzbau bestimmt ist, sehr viel 
näher als der klassizistische Steinbau. Nun ist es sehr merkwürdig, daß 
bei starren Achsen und Größenverhältnissen die Einzelheiten nach ela- 
tischen Linien gebildet sind. So haben die Mauern ein elastisches ge 
bogenes Profil; die Säulen eines Tempelumfangs neigen sich leicht nach
	        
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