Path:
Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 18.1921 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
83 
Bf^JtSM.CTlVA !>£. 1A., P1A2A AVA^Olt iir. LA VILLA Y C ORTE OE /AAGÄID: 
Iaäö : 
Abb, 64. Vorschlag zur Umgestaltung der Plaza Mayor. 
tungsentwurf anzusehen, der, im Jahre 1904 vom 
städtischen Bauausschuß aufgestellt, bis heute 
noch zu Recht besteht. Jener, in Erfüllung einer 
Gesetzesvorschrift eilig angefertigte, sehr ober 
flächlich bearbeitete Plan würde, seine Ausführbar 
keit vorausgesetzt, wohl die Verkehrsverhältnisse 
einigermaßen verbessern, aber trotz recht weit 
gehender Eingriffe in das bestehende Gefüge keine 
brauchbare Grundlage für großzügige städtebau 
liche Gestaltungen schaffen. Demgegenüber hat 
Oriol in einer reiflicher durchdachten Arbeit ver 
sucht, praktische Erwägungen auch mit schön- 
heitlichen Rücksichten zu verbinden. 
Er geht davon aus, daß als Gegengewicht zu 
dem bereits in Ausführung begriffenen Straßen 
durchbruch der sogenannten Gran Via oder 
Avenida del Conde de Peilalver, die in annähernd 
gleichem Sinne wie der bisherige Hauptstraßenzug 
Calle Mayor—Alcalä in westöstlicher Richtung die 
Stadt durchquert, eine bessere Verbindung der nördlichen 
mit den südlichen Stadtteilen unabweislichstes Bedürfnis 
ist. Diese Nordsüdverbindung stellt er durch zwei von 
der Glorieta de Bilbao, einem Hauptknotenpunkt am nörd 
lichen Rande der Altstadt, ausgehende Durchbrüche her, 
die nach Süden zu in spitzem Winkel auseinanderlaufend 
die Puerta del Sol umgehen, um diesen bis zur Grenze des 
Möglichen beanspruchten Verkehrsbrennpunkt der ganzen 
Stadt zu entlasten. Die östliche dieser Durchbruchstraßen 
ist 30 m breit, in dreimal leicht geknickter Linienführung 
und an etwas unbegründeter Stelle in die südliche Ring 
straße einmündend geplant. Die westliche derselben, die 
Avenida de Alfonso XIII., ist als Prachtstraße erster Ord 
nung gedacht, sie soll in einer durchgehenden Breite von 
35 m und einer Läne von über 2 */ 4 km die Stadt schnur 
gerade durchziehen und genau in der Mittelachse auf das 
anfangs des 19. Jahrhunderts als Triumphtor ausgebaute 
Stadttor Puerta de Toledo auslaufen. Sie ist rücksichtslos 
über alle Hindernisse hinweggeführt, soll die Einsenkung der 
Calle del Arenal mit einer Überbrückung über 
schreiten und an der Plaza Mayor oder Plaza de la 
Constituciön etwa 4 m tief in das Gelände ein 
schneiden. Dieser vornehm in sich abgeschlossene 
und gleich einem Festsaal unter freiem Himmel 
einheitlich umbaute Platz soll, auf einer Ecke von 
dem Straßendurchbruch getroffen, zu einem west 
lich daneben angeordneten Halbrundplatz hin ge 
öffnet werden, indem etwa ein Drittel davon glatt 
weggeschnitten wird. Der Höhenunterschied zwi 
schen den beiden Plätzen gibt dem Planverfasser 
willkommenen Anlaß zu einer prunkvollen 
Treppenanlage mit Zierbrunnen und Wasserfällen. 
Der bestehende Halbrundplatz außen vor der Puerta 
de Toledo soll zu einer vollen „glorieta“ erweitert 
werden, in deren Mitte das Tor dann vollkommen 
frei stehen würde. 
Als dritter Hauptdurchbruch ist eine west- 
östlich verlaufende, den unteren Teil der Calle 
de Alcalä mit der Plaza de Oriente vor der Ost 
seite des königlichen Schlosses verbindende Avenida 
Real, gleichfalls 35 m breit und völlig geradlinig, 
vorgesehen. Sie soll an der Calle de Alcalä ganz 
in der Nähe der Abzweigung der neuen Gran 
Via hinter dem etwa 1906 errichteten Prachtgebäude 
der Feuerversicherungsgesellschaft „Phönix“, das erhalten 
bleiben soll, beginnen. Die freigelegte Brandmauer dieses 
Gebäudes soll den Hintergrund für einen monumen 
talen Brunnenaufbau bilden, der auf dieser Seite einen 
wirkungsvollen Abschluß des Straßenbildes abgeben soll. 
Auf der anderen Seite soll diese Straße unter Beseitigung 
des die Plaza de Oriente nach Osten hin abschließenden 
königlichen Theaters unmittelbar auf die Hauptachse 
der Schloßfassade zuführen. Hier sollen symmetrisch 
zu beiden Seiten dieser Straße zwei weitere Durch 
brüche abgezweigt werden, der eine von geringer Länge 
in die Gran Via einmündend, der andere die ganze 
Stadt in südöstlicher Richtung durchquerend. In den 
Zwickeln, die diese drei Straßen miteinander bilden, seilen 
gleichartige Prachtbauten für Oper und Akademie errichtet 
werden. 
Ferner sind noch die im Bau begriffene Kathedrale und 
die bisherige Hauptkirche Madrids, San Francisco el Grande, 
Abb, 65. Die geplante Hauptdurchbruchstraße Avenida de Alfonso XIII.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.