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Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 18.1921 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Kunstwerk muß sich logischerweise vom relativ Schönen 
unterscheiden und tut es auch durch eben seine Zweiteilig 
keit, die geeint ist durch die Harmonie. 
Im Städtebau kann es nur darauf ankommen, ein Kunst 
werk zu schaffen; es darf daher weder das wirtschaftliche, 
noch das verkehrstechnische, noch irgendein anderes Mo 
ment vorwalten. Am wenigsten aber darf unter der trüge 
rischen Bezeichnung des Romantischen jenes Gefühlsmäßige 
in ihn hineingetragen werden, das, weil immer einseitig, 
nie zur Vollkommenheit zu führen vermag. 
DIE ÄLTESTE SACHSENSTADT „OLD SARUM“ 
IN DER EBENE VON SALISBURY. 
Von Dr.-Ing. CHR. KLAIBER, Ulm. 
Die aus den Anfängen der Menschenkultur des gedrängten 
Zusammenwohnens bekannt gewordenen Stadtanlagen schei 
den sich im wesentlichen in zwei Gegensätze, die römisch 
gesprochene zentrale, aber uralte rechteckige Grund 
form bei Städten wie dem ägyptischen Kahun, Memphis, 
Abydos usw., dem assyrischen Chorsabad und Babylon, 
oder die Kreisform wie das assyrische Sendschirli (seit 1888 
von der deutschen Orientkommission festgestellt auf idealem 
Mauerkreis mit 720 m Durchmesser, der den Burghügel kon 
zentrisch umgibt). Daß diese Kreislinie im besonderen ein 
Charakteristikum germanischer Verteidigungsart der Ring-, 
Burg- und Stadtverteidigungswälle ist, ist so allbekannt, daß 
es einen wundern würde, wenn die älteste Sachsennieder 
lassung auf englischem Boden (um 553 n. Chr.) nicht den 
idealen Kreisringwall als Umrißlinie besitzen würde. 
Die durch die Lostrennung der Insel Wight entstandenen, 
niedrige Uferbänke besitzenden Buchten und tiefeinschnei 
dende Meeresarme boten von alters her, namentlich niedrig 
gehenden Kähnen, überaus günstige Landungsstellen (Abb. 53). 
Demgegenüber ist der gegebene militärische Sammlungs 
punkt für die Bewohner des Hinterlandes Old Sarum, in der 
Ebene von Salisbury am Avon, was es bis heute') ge 
blieben ist. Auch hier bewährt sich, wie in der Regel 
der instinktive 
kriegstechnische 
Scharfblick der 
ältesten Be 
wohner. Kein 
Zufall ist es auch, 
daß 6 Meilen vom 
Militärmittel 
punkte sich der 
größte heilige 
Steinring Eng 
lands, als Riesen 
naturring und 
Tempel, befindet. 
Dieses uralte 
Nationalheilig 
tum, von den Ur- 
Abb. 53. 
bewohnern 
Cor Gaws, 
von den spä 
teren Er 
oberern, den 
Sachsen, 
Stanhengest 
(hängende 
Steine) ge 
nannt, be 
stand aus 
dem heiligen 
Weg, der auf 
die Ringe 
führte. Zwei 
konzentri 
sche Kreise 
umgaben 
zwei Ellip 
sen. Von dem äußern Ring sind noch 5 plattengedeckte 
Steingruppen erhalten (Abb. 54), im ursprünglichen Ge 
samteindruck sicher ein Ring von imponierender Wirkung. 
Für die Anfangsgründe städtebaulicher Natur sind diese 
angewandten 
geometrischen 
Grundformen, 
wie Kreis und 
Ellipse, wesent 
lich. Führen sie 
uns doch genau, 
wie in den öst 
lichen Uriändern 
der Menschen 
geschichte zu 
der Wechsel 
beziehung zwi 
schen geistig 
führendem Pries 
tertum und welt 
lich führendem 
Kriegertum, wo 
bei das eine das 
andere hält und 
stützt. 
Römisch-mi 
litärischer In 
stinkt erkennt 
ebenfalls die 
Abb * 54- strategische Be- 
') 1900 wurde 
hier ein permanentes 
Militärlager (12 Mei 
len auf 5 Meilen) er 
richtet und 1905 das 
Hauptquartier der 
Royal Engineers von 
Chatham hierher ver 
legt.
	        
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