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Volume H. 1/2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 18.1921 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
16 
Verkehrsanlagen, In Homburg schneidet sich eine 
Reihe von wichtigen Eisenbahnlinien: 
Ludwigshafen—Kaiserslautern—Homburg—St. Ingbert- 
Saarbrücken. 
Homburg—Neunkirchen—Saarbrücken, 
Münster a. Stein—Staudernheim—Homburg—Kirkel—St, 
Ingbert (sog. strategische Linie). 
Homburg—Schwarzenacker—Einöd—Zweibrücken. 
Homburg—Schwarzenacker—Einöd—Saargemünd. 
Personen- und Frachtverkehr auf diesen Linien sind 
von bedeutendem Umfang. Ihre stete Zunahme bedingt 
eine Vermehrung der Gleise; dies macht eine Verschiebung 
des Empfangsgebäudes nach Südosten, und zwar um die 
ganze Gebäudebreite notwendig. Die Überführung nach 
Erbach muß um ein Joch verbreitert werden, was ein wei 
teres Ausbiegen der Streckenkurve vor der Überführung 
zur Folge haben wird. Die Verlegung des Empfangsgebäu 
des veranlaßt« die Schaffung eines Verkehrsplatzes davor, 
für den durch Post- und Dienstgebäude eine entsprechende 
Umrahmung erwartet werden kann. 
Die Steigerung des Fracht- und Rangierverkehrs ver 
langte eine Erweiterung der Bahnanlage südlich des Güter 
bahnhofes; es wurde mit der Straße A so weit von dem 
Bahnhof abgerückt, als der Eisenbahndirektion zur Ver 
größerung nach SO nötig schien. Vergrößerungen nach 
NW berühren den Generalbaulinienplan weniger, weshalb 
nicht näher darauf eingegangen zu werden braucht. 
Die Bahnlinien werden von zwei Überführungen und 
zwei Unterführungen gekreuzt; erstere an der Erbacher 
und Beederstraße, letztere an der Kleinottweiler und Saar 
brücker Straße. Ihre Zahl zu vermehren, bestand keine 
Veranlassung, da sie für den zu erwartenden Verkehr ge 
nügen; höchstens wäre einmal bei besonders starker Steige 
rung dieses Verkehrs ihre Verbreiterung anzustreben. 
Ob für den lokalen Personenverkehr im Süden etwa 
bei Beeden, im Norden etwa bei Bruchhof Haltestellen ein 
zurichten sind, wird sich erst später genauer beurteilen 
lassen. 
Straßennetz. Wie als Eisenbahnknotenpunkt besitzt 
Homburg auch als Landstraßenknotenpunkt Bedeutung. Es 
schneiden sich hier: die alte Kaiserstraße (Mainz—Kaisers 
lautern— St. Ingbert—Saarbrücken—Metz), die Bexbacher 
Straße, die zum pfälzischen Kohlengebiet führt, die Straße 
nach Waldmohr - Kusel, die Straße nach Bierbach ins untere 
Bliestal, die Straße nach Einöd—Zweibrücken. Diese 
Straßen gehen vom Fuße des Schloßberges strahlenförmig 
ins Land und waren als Ausfallstraßen in ihren Richtungen 
beizubehalten. Als Saarbrücker, Bismarck-, Eisenbahn-, 
Sanddorfer, Zweibrücker und Kleinottweiler Straße sind 
sie das Gerippe des Generalbaulinienprojektes und verleihen 
dem Stadtplan ein charakteristisches Gepräge. 
Zu ihnen gesellt sich als neuer wichtiger Straßenzug, 
wenn auch nur von lokaler Bedeutung, die neue Talstraße. 
Sie folgt dem Laufe des Erbachs und zerlegt das künftige 
von SW nach NO ziehende, streifenförmige Stadtgebilde 
in zwei Hälften. Sie ist bestimmt, den Erbach in einen 
künftigen Hauptkanal aufzunehmen. Sie wird, sollte nach 
Jahrzehnten einmal das Bedürfnis nach einer Trambahn 
sich ergeben, deren Hauptroute bilden, um Norden und 
Süden der Stadt zu verbinden. 
Stadtkern und Bahnhof sind von Süden auf kurzem 
Weg zu erreichen, ebenso der Stadtkern von Norden; nicht 
so gut der Bahnhof von Norden: dies deshalb, weil das 
Stummsche Werk eine diagonale Verbindung, etwa von 
der Bismarckstraße oder der Sanddorferstraße aus, unmög 
lich macht. Eine diagonale Straße vom Friedhof aus in 
der Richtung nach dem Rondell zu leiten, empfahl sich 
nicht, da sie wegen vorhandener Gebäude doch nicht schlank 
genug hätte ausgeführt werden können und außerdem die 
Baublöckc zu viele schlecht bebaubare spitze Winkel er 
halten hätten. 
Die Unterteilung des Hauptnetzes durch Straßen zweiter 
und dritter Ordnung erfolgte im Anschluß an das Gelände. 
Danach schichten sich links und rechts der Talstraße die 
Baublöcke parallel zu ihr auf. Senkrecht zum Tal des 
Erbachs verläuft im Süden des Schloßberges ein Neben- 
tälchen, dem sich wiederum die Baublöcke anpassen, wor 
aus eine zum Haupttal senkrechte Schichtung und damit 
ein bogenförmiges Netz entsteht, welches die Form des 
Schloßberges noch im Tale zum Ausdruck bringt. 
Baublöcke. Die Lagerung der Baublöcke, die sich 
daraus ergeben hat, ist im allgemeinen derart, daß eine 
hinreichende Besonnung auf allen Seiten gesichert ist. 
Die Baublockabmessungen entsprechen den Bedürf 
nissen der jeweiligen Siedlungen, ln den Kleinwohnungs 
vierteln (wo in der Hauptsache Reihenhäuser gedacht sind) 
rechts der Zweibrücker Straße sind sie kleiner, links größer, 
weil hier Arbeiter mit landwirtschaftlicher Nebenbeschäf 
tigung in Frage kommen. 
In den Wohn- und Geschäftsvierteln entsprechen die 
Blockgrößen den normalen Anforderungen. In den Vierteln 
für gewerbliche Anlagen an der Sanddorferstraße steigern 
sich die Ausmaße, die dann recht beträchtlich im Industrie 
viertel werden. 
Grundstücksgrenzen. Die Grundstücksgrenzen wur 
den im allgemeinen berücksichtigt. Ihnen überall Rech 
nung zu tragen, war nicht möglich. Es wird sich auch 
für die Stadt Homburg empfehlen, das Umlege verfahren ein 
zuführen, das eine raschere Durchführung der Straßen und 
Plätze gestattet, den Baulustigen durch Bereitstellung fer 
tiger Bauplätze die Wege ebnet und damit die Bautätigkeit 
fördert. 
Freiflächen. Mit Rücksicht darauf, daß der Westen 
des künftigen Stadtgebietes von umfangreichen Waldungen 
begrenzt wird, wurde es nicht für notwendig gehalten, 
größere Grünanlagen im Projekt vorzusehen. Der Schloß 
berg allein schon, an dessen Fuß der Stadtkern liegt und 
der von Süden wie von Norden bequem zu erreichen ist, 
dürfte als Anlage genügen. Nur bis zur halben Höhe wird 
er bebaut werden dürfen, um einerseits seine für die ganze 
Landschaft charakteristische, kraftvolle Silhouette, ander 
seits die Aussicht, die man hier in selten schöner Weise 
genießen kann, zu erhalten. 
Kleinere Plätze als Architektur-,Verkehrs- oder Schmuck 
plätze sind über das ganze Stadtgebiet verteilt; Kinderspiel 
plätze sind vor allem, in den Kleinwohnungsvierteln vor 
gesehen. Ein größerer Turnspielplatz ist unweit der Kirr 
bergerstraße angenommen. 
Diese Plätze in Verbindung mit ausgedehnten Baum 
pflanzungen und Vorgärten dürften allen hygienischen An 
forderungen genügen. 
Friedhof. Der neue Friedhof an der Nordseite des 
Schloßberges liegt nicht ungünstig, es empfahl sich daher, 
hier eine der Zukunft entsprechende Erweiterungsmöglich
	        
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