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Volume H. 11/12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 18.1921 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Antoines Entwurf legte vor die turmlose 
Westfront der Kathedrale einen annähernd 
quadratischen Platz, links und rechts von 
der Hochkirche das Hotel de Ville (Stadt 
haus), die Stadtverwaltungsgebäude sowie 
Hauptwache errichtend. Es sind Gedanken, 
wie sie ähnlich in Reims, Rouen usw. ge 
schaffen wurden: ein Platz mit Richtachse 
gegen die baulich ausgezeichnete Seite. 
Gegen dieses simple Projekt machten 
sich Verkehrsschwierigkeiten geltend, die 
auch in der kommenden Zeit an dem steil 
zur Mosel neigenden Gelände stets wieder 
kehrten und jede Planung beeinflussen. Der 
Nachfolger des Gouverneur Belisle, der 
Marechal d’Estrees, mußte auch versuchen, 
aus vielen, zum Teil ein wenig überstürzten 
Arbeiten seines Vorgängers das beste Ergebnis 
für das Aussehen der Stadt zu ziehen. Eine 
Anzahl von Bauten war noch zu errichten, 
darunter ein bischöfliches Palais, ein Par 
lamentsgebäude u. a. m., darunter auch viele 
Kasernen. 
Zur Ausarbeitung eines einheitlichen Bebauungsplanes 
wurde ihm Jaques Francis Blondei, 1705 in Rouen 
geboren, nicht verwandt mit F. Blondel, später auch Leiter 
einer „Akademie für Städtebau“ in Paris, empfohlen, 
der auch dann verschiedene Entwürfe aufstellte, wobei eine 
zu errichtende Abtei St. Louis in der Achse des heutigen 
Kammerplatzes alles bisher Gesehene übertreffen sollte. 
In französischen Werken können wir beispielsweise lesen: 
Blondel baute 1764 die Abtei St, Louis in Metz. Das stimmt 
aber nicht; zum Bau der Abtei ist es nicht mehr gekommen, 
wie wir später sehen werden. 1752^1756 gab Blondel die 
bekannte Arbeit „Architecture franpaise“ und 1771—1777 
„Cours d’Architecture civile“ heraus, die seinen Ruf 
als Städtebauer begründeten. Der zuletzt aufgestellte Plan 
für La Forteresse de Metz, welchen wir heute teilweise aus 
geführt finden, fand die Zustimmung der beteiligten Stellen. 
Dieser Plan ist ein Meisterstück der Platzgestaltungen, bei 
dessen Ausführung es Blondel beschieden war, so glücklich 
zu sein, die Erwartungen noch zu übertreffen. Fürwahr, 
ein französischer Zeiterfolg von Tragweite. Nur an dem 
bis heute erhaltenen Teil, an Ort und Stelle, kann man 
ahnen, wie eindrucksvoll die Gesamtanlage geworden wäre, 
was auch diesmal an dem Hemmnis der Politik scheiterte 
(Abb. a, b Tafel 47 und h Tafel 50). 
Als Grundachse für die ganze Anlage wählt Blondel die 
Achse der Kathedrale. Diese erhält einen rechteckigen 
tiefen Vorplatz in ihrer Breite, dessen Einleitung eine in 
der Richtung liegende Straße bildet. Der Kathedrale wird 
ein mächtiger, arkadiger Portikus vorgelegt. Seine Formen 
gaben die Überleitung von dem sakralen Stil zu den 
schlichten Formen der benachbarten Gebäude, vor allem 
aber einen guten „Point de vue“ für die zum Haupteingang 
leitende Straße. Zur Steigerung der Wirkung gab noch 
ein besonderes Vorkommnis Anlaß. Im Jahre 1744 war 
Louis XV. von Frankreich, bei einem nur für einige Tage 
berechneten Besuch in Metz, schwer erkrankt und konnte 
erst nach langer Zeit genesen. Zum Gedächtnis an seine 
Errettung beschloß das Domkapitel, ein Hauptportal zu 
errichten, das nach Blondels Plänen in den Jahren 1761 
Abb. 95. Dom zu Metz. Westfassade 
jhit dem neuen gotischen Portal von Tornow und Dujardin. 1912. 
der Place Royale (heute Domplatz) ein. Vorher hatte Oger 
1737 die vorbildliche Anlage am Theaterplatz durch Er 
bauung des Stadttheaters geschaffen, die, vom Moselufer 
umgrenzt, eine Sonderstellung einnimmt (Abb. 93). 
Abb. 94. Metz aus der Vogelschau 
nach der Umgestaltung und Freilegung der Kathedrale igtz.
	        
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