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Volume H. 9/10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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der Zeit und Erfordernis man sich immer nur auf die not 
wendigsten Ausgaben beschränken kann. So ist z. B. auf 
der Kopenhagener Seite die Erweiterung des Eisenbahn 
netzes eine geringfügige Ausgabe, um die neu angegliederten 
Hafenteile ohne weiteres dem bestehenden Betriebe anzu 
gliedern. Für Amager bedeutet dagegen der Eisenbahn 
anschluß schon ein Projekt für sich. Sämtliche übrigen 
für den Hafenbetrieb notwendigen Einrichtungen, Ver 
waltungen, Betriebsmittel brauchten ebenfalls nur stück 
weise erweitert werden. Trotz der großen Ausgaben für 
einen eventuellen Ausbau der Gesamtanlagen hätte sich also 
beim Nachlassen der Konjunktur durch Begrenzung der 
Arbeit auch die Ausgabe jederzeit wunschgemäß begrenzen 
können. Unzweifelhaft liegt hierin ein Verdienst der Hafen 
bauverwaltung. 
Wer als Fremder, mit dem Für und Wider der näheren 
Verhältnisse nicht vertraut, den Plan des Hafendirektors 
Möller zum ersten Male sieht, stoßt sofort auf die Frage, 
warum ein so gewaltiges Projekt, das größer ist als die 
gesamte bestehende Hafenanlage in drei weit voneinander 
liegenden Teilen geplant und nicht als einheitliche neue 
Anlage mit konzentriertem Betrieb aller technischen Hilfs 
mittel und mit konzentrierter Verwaltung gedacht worden 
ist? Man sollte meinen, daß ein solcher konzentrierter 
Großbetrieb auf die Dauer sicher billiger als ein geteilter 
sich gestalten würde. Man wird zu dieser Frage um so mehr 
berechtigt, als der neue Plan im Zollhafen am Kongedyb 
auf Amager bereits eine vollständige Neuanlage vorsieht, 
sich also nicht nur mit der Erweiterung bestehender An 
lagen begnügt. Ein großes Riesenprojekt kann natürlich 
leichter ein Riesenfehlschlag werden, wenn der zu er 
wartende Handel ausbleibt. Die geplante Anlage am 
Kongedyb hätte doch aber wohl, so meint man als Fremder, 
in doppelter Größe die Anlage im Kalvebodstrand noch mit 
aufnehmen und ersetzen können. Es ist klar, daß sich hier 
sofort hundert Einwände dagegen erheben können, es be 
stehen aber noch weitere Fragen, welche die geplante Drei 
teilung in ihrem Werte zweifelhaft machen. 
In der Publikation des Hafendirektors befindet sich ein 
Einzelplan mit der Tiefenangabe des Kalvebodstrands. Wir 
sehen, daß diese geringe sind, daß nicht einmal die alte 
Fahrrinne ohne weiteres und dauernd benutzbar ist, daß 
ein harter Kalkboden angegriffen werden muß, um eine 
Fahrrinne und Bassins zu schaffen, und daß diese ganzen 
Unterwasserarbeiten außerordentlich teuer zu stehen kommen 
werden. Wir sehen aus der Vergangenheit, daß der Fracht 
verkehr sich aus diesen Gründen schon von selbst vom 
Kalvebodstrand zurückgezogen hat und die bessere Wasser- 
tiefe am Kongedyb (Freihafen) aufgesucht hat. Weiche 
zwingenden Gründe lagen nun jetzt vor, bei der Rücksicht 
auf Sparsamkeit der Ausführung sich gerade mit dem 
Kalvebodstrand zu befassen? Eine Gegenüberstellung der 
hier zu erwartenden Kosten mit anderen, welche durch eine 
Verlegung der Industrie, Kohlen-, Holz- und Fischhafen 
nach der Ostküste Amagers, einschließlich der Erweiterung 
des Eisenbahnnetzes notwendig werden würde, müßte er 
bracht werden, um die Idee des neuen Hafens am Kalvebod- 
strande zu rechtfertigen, 
Soll der Kalvebodstrand ausgebaut werden, dann wird 
sich der Durchgangsverkehr durch den alten Hafen außer 
ordentlich verstärken und die beiden Brücken entsprechend 
beanspruchen. Es besteht die Frage, ob diese neue Be 
lastung der Brücken tatsächlich noch wird aufgenommen 
werden können. Diese Frage kann nur von der Hafen 
bauverwaltung beantwortet werden. Um sie zu beantworten, 
muß aber auch in Betracht gezogen werden, daß auch der 
Fährverkehr über die Brücken erstens durch das natürliche 
Wachstum der Bebauung von Sundby außerordentlich 
stärker werden wird, daß er jetzt schon bei einer Be 
nutzung von 2 Anhängern jedes Straßenbahnwagens sehr 
gros ist und das die Anlage der geplanten beiden Häfen auf 
Amager den Landverkehr noch weiter außerordentlich ver 
stärken wird. Die Brücken werden also von zwei Seiten 
in unübersehbarem Maße stärker in Anspruch genommen 
werden. Beobachtet man, was für Menschenmengen heute 
schon sich vor der aufgezogenen Brücke stauen, wenn nur 
ein einzelnes Segelschiff hindurchfahren will, dann erscheint 
einem das Projekt des Ausbaues des Kalvebodstrandes von 
neuem in einem zweifelhaften Lichte. Werden aber mehr 
Brücken gebaut und dadurch der Landverkehr etwas ent 
lastet, dann wird wieder der Seeverkehr um so schwieriger. 
Wenn der Freihafen um mehr als das Doppelte ver 
größert wird, dann steigert sich auch der Güterverkehr zu 
Lande, zum mindestens der Güterverkehr, der allein für 
den Freihafen mit dem Verschiebebahnhof am Ostbahnhof 
aufgenommen werden muß. Es besteht die Frage, ob 
dieser Verschiebebahnhof groß genug ist. Diese Frage 
wird sicherlich innerhalb der Hafenverwaltung schon be 
friedigend beantwortet worden sein. Auch ist der Umweg über 
Fredriksborg und die evtl. Anlage eines neuen Verschiebe 
bahnhofs zu beachten. Es ist aber auch schon vorge 
kommen, daß man sich in anderen Städten in einer so 
wichtigen Frage geirrt hat. Der Hamburger neue Bahnhof 
z. B^, der genau so eingerichtet ist wie der Kopenhagener 
Hauptbahnhof, der mit dem Güterverkehr ebenfalls in Ver 
bindung steht, hat sofort nach der Fertigstellung die Tat 
sache ergeben« daß die fehlende Möglichkeit einer seitlichen 
Verbreiterung in absehbarer Zeit zu den größten Schwierig 
keiten fuhren würde. Der Krieg hat diese Schwierigkeit 
wieder etwas aufgeschoben aber nicht aufgehoben. 
Kaj Gottlob sagt in seiner Erwiderung, Kopenhagen 
würde von Häfen erstickt werden, wenn für Kopenhagen 
den neuen Hafenplänen entsprechend einmal eine neue 
größere Zukunft anbrechen sollte. Er berücksichtigt dabei 
lediglich die Wohnungsfrage und ihre spätere Dringlichkeit 
und begnügt sich damit, die hygienische und ästhetische 
Seite dieser Angelegenheit zu betonen. Man kann sich ihm 
vollständig darin anschließen, daß es bedauerlich ist, die 
Bevölkerung einer Hafenstadt am persönlichen Gebrauch 
des Wassers und am Genuß der frischen Seeluft behindert 
zu sehen. — In Hamburg haben wir wieder ein ab 
schreckendes Beispiel zur Hand. Wer als Fremder dorthin 
zieht, erhält den Hafen und die schöne Elbe überhaupt 
nicht zu sehen, wenn er nicht im Hafen geschäftlich zu 
tun hat oder eine besondere Vergnügungsreise an die Elbe 
unternimmt. Vor allem aber leidet er außerordentlich unter 
der tatsächlichen Unmöglichkeit, in der Elbe oder Alster 
ein sauberes Bad nehmen zu können, denn beide Flüsse 
sind vollkommen verschmutzt und die Elbe außerdem für 
Badende nur heimlich zu benutzen. (Die Hamburger selbst 
scheinen diesen Mangel allerdings kaum zu bemerken.) Es 
ist selbstverständlich ein Unding, wenn eine Stadtverwaltung 
Dinge von so großer hygienischer Bedeutung sich selbst 
überläßt, so lange, bis der Zustand unhygienisch geworden
	        
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