Path:
Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
66 
von Weiß, Gelb, Rosa und Rot. Ergänzend und steigernd 
ist dann für die Grabbepflanzung eine für jeden Garten ein- 
heitliche Einfassung aus ebenfalls ausdauernden Hornveilchen, 
Zwergiris, Glockenblumen, Arabis, Grasnelken, Immergrün, 
Gauklerblumen u. a. gedacht, die teils immerblühend, die 
unterschiedlichen Farbenharmonien der einzelnen Gärten 
noch erweitern und verspriesen. Dabei sollen diese Ein 
fassungen mit der Zeit die nicht gepflegten Gräber völlig 
überziehen, so daß der — auch sozialen — Grundforderung 
moderner Friedhofsreform: Kein Grab ungepflegt — genügt 
wird. 
b) Im Kindergarten wird die sinngemäß gleichartige 
Grabbepflanzung durch lustige Blumenzwiebeln und allerlei 
Sommerblumen noch verstärkt, während hier die grobdräh- 
tigen Blütenhecken durch schmälere Zierhecken aus Quitten 
mispeln, Jungeichen, Mahonien u. a. ersetzt werden. An 
Stelle der Birkenalleen treten hier geschlossene Laubengänge 
aus Rotbuchen, Hainbuchen oder Linden. Die Hauptunter 
scheidung bewirken aber Hängebäume, die über die ganzen 
Terrassen gleichmäßig verteilt, aber nach Arten getrennt 
sind. Es sind hierfür Hänge-Eschen, -Buchen, -Weiden, 
“Ulmen und -Apfelbäume vorgesehen, die je nach Raum 
bedürfnis das ihnen zugewiesene Sondergärtchen rieselnd 
überzweigen. 
c) Bei den Urnengräbern treten die Zierhecken als 
Böschungsbepflanzungen und die Einfassungen wie vorhin 
auf. Nur bei den Familienurnen ist ebenso wie bei den 
d) Erbbegräbnissen (Familiengräber) aller Friedhofs 
teile größere Freiheit in der Ausschmückung erlaubt. 
Überall soll sich das stark betonte Vegetationsbild der 
Grabgärten dem Besucher von erhöhten Pergolen und Lauben 
gängen, die mit Glycinen Rosen, Clematis oder Wein garten 
weise berankt sind, aufrollen. Insgesamt ist noch bei der 
Bepflanzung durch die vereinfachte Qräberdecke, durch den 
Fortfall der teuren Privatbäume, durch Bevorzugung von 
Laubgehölzen und ausdauernden Blumen das Bestreben nach 
Ermäßigung der allgemeinen Unkosten unverkennbar. 
Die Denkmale. 
Hier, auf dem Gebiete des Denkmalwesens, wo heute 
noch der tiefste Kulturstand mit weitgehendsten Erneuerungs 
vorschlägen in Widerstreit liegen, war in Ansehung aller 
Umstände für Schöneberg ein besonders taktvolles Vorgehen 
am Platze. So gewährt der Entwurf dem einzelnen Grab 
inhaber zwar Freiheit in bezug auf die Gestaltung seines 
Mals, zieht aber in bezug auf Höbe und Material je nach 
der Stelle gewisse Grenzen. Für diejenigen, die auf eigene 
Denkmalserstellung verzichten, sollen offizielle Typen ge 
schaffen werden in Form von einfachen würdigen Namens 
tafeln. Ähnlich soll es bei den Urnen und im Kindergarten 
gehalten werden, nur daß die Denkmalsbildung dort im all 
gemeinen niedriger und bei den letzteren auch im Material, 
Form und Farbe mehr leicht und freudig abgestimmt werden 
könnte. Solcherart würde das Nebeneinander von Benennung 
und Bepflanzung öffentlich unterhaltener typischer Grab 
stätten und, zwar zurückhaltend, aber individuell gestalteter 
Grabstätten das besondere organisatorische Kennzeichen des 
neuen Schöneberger Friedhofs sein.“ 
IV. 
Wie oben angedeutet, beansprucht die Friedhofser-' 
Weiterung im Verhältnis zum alten Friedhof und zur späteren 
Gesamtfläche einen bedeutenden Teil des Raumes. So wird 
ihre Durchbildung nach den vorliegenden Vorschlägen ganz 
von selbst bei der Neubelegung der Anlaß sein, dann auch 
die alten Felder einer durchgreifenden Umgestaltung zu 
unterziehen. Dr.-lng. Hahn, Rüstringen. 
STEUERABBINDUNG FÜR DEN KLEINWOHNUNGS 
BAU. 
Von Regierungsbaumeister a. D. WEHL, Hermsdorf. 
Die ersten Beispiele spekulativen Weiterverkaufs öffent 
lich unterstützter Wohnbauten haben sich bereits gezeigt. 
Sie sollen tunlichst bekämpft werden. Die Form des 
Schutzes ist schwierig. Verkaufrecht und Wiederkaufrecht 
pflegen nur auf dem Papier zu stehen. Bis 1914 ist wohl 
selten, vielleicht niemals von ihrer Ausübung Gebrauch 
gemacht worden. Wenn wir die Wohnungsnot mit Neu 
bauten mildern wollen, muß aber auch die Unternehmer 
tätigkeit wieder einsetzen. Dieser muß ein normaler Ge 
winn zugebilligt werden. Ferner muß dem Unternehmer 
bau, ehe er in Privathand übergeht, Befreiung von den hohen 
Handwechselunkosten (5—7%) zugebilligt werden. Der 
Sinn dieser Steuer darf nicht dazu ausarten, die Miete von 
vornherein um 5—7% zu überteuern. 
Überhaupt dürfen Kleinhäuser und Kleinwohnungs- 
häuser nicht steuerlich überbürdet werden. Wenn z. B. 
plötzlich in den kleinbürgerlichen Wohnvororten Groß-Ber 
lins der billige Bodenwert (nicht Baustellenwert) einschl. 
aller Gewinne durch Handel oder Erschließungstätigkeit 
gleich Null wäre, so würde das die dortigen Mieten bereits 
bei Friedensbaukosten kaum mehr als um 3—-5% ver 
billigt haben. Ein einziger Handwechsel bedeutet aber 
schon eine höhere Mietsteigerung als der Fortfall der billi 
gen Bodenwerte; denn die Steuer trifft vornehmlich die um 
ein. hohes Vielfaches größeren Baukosten, die wiederum 
zum größten Teile eine Lohnfunktion darstellen. So voll 
zieht sich hier ein verhängnisvoller, bisher schwerlich klar 
durchdachter Kreislauf. 
Am besten und billigsten baute von jeher, so auch heute 
mit Baukostenbeihilfen, ein gewandter Privat mann, dem 
die natürlichen Gaben eines rührigen Unternehmers an 
geboren sind. Wenn er handwerklich geschult ist und in 
seiner Freizeit selbst mitarbeitet, womöglich mit seinen 
Söhnen, dann spart er entsprechend noch mehr. Für weniger 
gewandte und beruflich stark beschäftigte Baulustige be 
deutet ein Neubau auf eigene Rechnung stets ein Wagnis, 
vor dem viele — nicht mit Unrecht — zurückschrecken. 
Gerade die Bau prozesse sind bekanntlich am widerwärtig 
sten und langwierigsten. Dazu kommt Materialnot und 
Streikgefahr nebst fortschreitender Teuerung der Baustoffe. 
Hier gilt es, durch formularmäßige, den örtlichen Ver 
hältnissen angepaßte Drucksachen aufklärende Hilfe zu ge-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.