Path:
Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

59 
DER STÄDTEBAU; 
erfolgt, ist dem deütsckfeü Volke ein Dom wledCfgegeben, der eine Aft« 
Ziehungskraft sondergleichen ausüben wird. Das alte Friedeslatk däS Boni- 
facius gegründet, Überragt dann wieder ein wahrhafter Dom, der zu den 
bedeutendsten Baudenkmälern gehört, die es aus dem 12. Jahrhundert gibt. 
Daß in dieser baulosen Zeit ein alter Dom aufs neue erstanden ist, läßt 
die Bedeutung der Domerneuerurtg Fritzlars besonders hervortreten. 
K ölner bau- und kunstfragen. Der Reichsminister 
Dr. Koch hat bei seinem Besuch im Rheinland eine neue Note in die 
Art der Ministerbesuche gebracht, indem er nach dem offiziellen Teile eine 
besondere Besprechung abhielt, in der eine rege Aussprache über die 
wichtigen kulturellen Fragen des Rheinlandes war. Sie galt 
zunächst der Einführung des Reichskunstwarts in Köln und damit im 
Rheinland und auch einer Fülle von Einzelbesprechungen aus den künst 
lerisch interessierenden Kreisen. Der Minister ging bei allen Erörterungen 
davon aus, daß rheinische Eigenart und Bodenständigkeit möglichst zu 
unterstützen seien. Aus den berufenen Vertretern künstlerischer Kreise 
der Stadt Köln und von einer Anzahl Herren aus andern rheinischen 
Städten wurden dem Minister in eingehender Weise Wünsche und An 
regungen aus ihren Gebieten vorgetragen. Es wurde besonders bemerkt, 
daß die neugeschaffene Stellung des Reichskunstwarts nicht eine Dienst 
stelle darsteüen solle, die sich mit mehr oder minder bedeutenden Eincel- 
aufgaben zu beschäftigen^ habe, sondern dazu mitwirken solle, den ein 
zelnen Landesgebieten von ihren eigenen kulturellen Verhältnissen aus 
gerecht zu werden und so Kunstmittelpunkte in den verschiedenen Ge 
genden Deutschlands zu schaffen, die jede ihre eigne, der Geschichte und 
dem Charakter entsprechende Bedeutung haben soll. Diese Zentralisation 
solle nicht ein Zeichen von Loslösung und der Beginn von Gegnerschaft 
zwischen den einzelnen Orten sein, sondern es sollen gerade durch eine 
Stärkung auch der großen Städte in den äußern Teilen des Reichs die 
Reichseinheit und die gemeinsamen kulturellen Bestrebungen gefördert 
werden. 
ln bezug auf die ßebauungspläne der Stadt Köln, dieser wirt 
schaftlich begründeten und in das gesamte kulturelle Leben der Stadt ein 
greifenden Aufgabe, müsse vor allem verhindert werden, daß in ihr ein 
heitliches Gefüge Reichsbauten wie ein Fremdkörper hineingebracht würden. 
Auch solche Bauten müßten aus der örtlichen Kultur hervorwachsen und 
in besonders hohem Maße an deflüi künstlerischen Gesamtwillen größerer 
städtebaulicher Entwürfe teilnehmen- Der Reichsminister versprach größt 
mögliche Unterstützung des Rheinlands, z. B. in Ausstellungstagen, und 
sicherte eine Förderung der Künstlerschaft, besonders auch in bezug 
auf Steuerfreiheit (Luzussteuer für Kunstwerke), zu. Viel bemerkt wurde 
eine Äußerung des Reichsministers über die Tätigkeit des Kuastwarts, 
der nach seiner Auffassung ein Vermittler sein solle zwischen den Wünschen 
der Künstlerschaft und Kunstveremigungen und den einzelnen Ressorts. 
Der Minister gab die Gewähr, daß das Rheinland mit einer Kunstpflege 
rechnen könne, die bei den durch die Besetzung gegebenen Schwierig, 
keiten seiner Stellung als Vorposten, deutscher Kultur trotz seines mehr 
und mehr international gefärbten Lebens gerecht werde. Aus den ganzen 
Besprechungen, in denen alle Hauptfragen von kultureller Bedeutung gründ 
lich beraten wurden, darf man den Schluß ziehen, daß die Interessen des 
Rheinlands bei der Reichsregierung Verständnis und Förderung finden 
werden. 
H auptversammlung des Bundes deutscher 
ARCHITEKTEN IN WÜRZBURG. Cornelius Gurlitt, 
der neugewählte Bundesvorsitzende, konnte am Begrüßungsabend, an 
dem sich gegen aoo Architekten Deutschlands mit Vertretern der Landes 
und Ortsbehörden im Reichshof zu Würzburg zusammenfanden, darauf 
hinweisen, daß der Tagungsort und seine Vergangenheit allen Bau 
künstlern der Jetztzeit Mahnung und Hoffnung zugleich geben könne. 
Der jetzige Niederbruch Deutschlands könne nur mit dem des Dreißig 
jährigen Krieges verglichen werden. Aber wie die Volkskrsft Deutsch 
lands sich damals schnell erholt und eine vordem nicht geahnte Kultur 
höhe erreicht habe, so dürfe man hoffen, . daß auch jetzt die Sammlung 
aller geistigen und künstlerischen Triebkräfte den Weg zu einer in 
Armut geläuterten deutschen Baukultur finden werde« Diesen Weg zu 
suchen, sei die vornehmste Aufgabe der schaffenden deutschen Künstler. 
Daß das; Wohn-' und Bauelend der 'heutigen' Zeit denj Willen zum 
Schaffen und zur Mitarbeit beim Wiederaufbau im deutschen Architekten 
nicht getötet, ihn vielmehr erst recht zum klaren und zielbewußten 
Wollen entwickelt hat, kam auf der Tagung des B. D. A. deutlich zum 
Ausdruck. Die Baukünstler leiden heute wirtschaftlich aufs schwerste, 
aber die gemeinsame wirtschaftliche Sorge führt sie auch zu gemein 
samer Arbeit zusammen. Aus der Not der Zeit ist der Einheits 
verband der freischaffenden Baukünstler, der Bund Deutscher Architekten 
(B. D. A.) entstanden. Der Wille zum Zusammenschluß stand auch im 
Vordergrund der Aussprache j vereinzelte Sonderbestrebungen der jüngsten 
Vergangenheit sind endgültig aufgegeben. Von den sachlichen Er 
örterungen können die zur Beratung gelangenden Organisations- und 
Verfassungsfragen kaum allgemeines Interesse beanspruchen. Es Sei 
erwähnt, daß der bekannte Dresdener Professor Cornelius Gurlitt zum 
Bundeavorsitzenden, der Stuttgarter Professor Elsässer und der hanno 
versche Architekt Kröger zu Beisitzern im Vorstande erwählt wurden. 
Die Mitgliederzahl des Bundes ist nach dem Geschäftsbericht auf etwa 
*500 gestiegen. Es wurde ferner Aufhebung des Bauverbots und 
der Zwangswirtschaft auf dem Baumarkt verlangt und festgestellt, daß 
die hureaukratisebe amtliche Geschäftsführung bei der Gewährung der 
Baokoetcnübcrtcuruugsgelder ein gut Teil zur Verelendung des Wohnungs 
wesen beigetragen habe. 
D as Preisgericht in dem WETTBEWERB FÜR DIE BE 
BAUUNG DER GROSSEN SANDSCHOLLE IN NO- 
WAWES (ein 50 Hektar großes, bisheriges forstfiskalisches, von der 
Gemeinde erworbenes Gelände) mit Kleinhaussiedlungen hat unter den 
eingegangenen S7 Entwürfen folgende Preise zuerkannt: Drei II. Preise- 
voii je 2500 Mk. den Architekten Heinrich L. Dietz in Potsdam, Prof. 
Heinrich Straumer-Berün, Karl Derleder-Staaken und Edmund Deute in 
Britz; drei in. Preise von je 1500 JÜk. den Architekten Albert Rieder- 
Wilmersdorf, Jürgen Bachmann-Lichterfelde, Willi Welz-Wilmersdorf. 
Zum Ankauf wurden empfohlen die Entwürfe der Architekten Gregor 
Kosenbauer-Potsdam und Adolf Rading-Breslau. . 
D ER BEZIRKSTAG DES LANDESBEZIRKS RHEIN 
LAND (RECHTSRHEINISCH) UND WESTFALEN DES 
BUNDES DEUTSCHER ARCHITEKTEN fand am 8. August 
in Dortmund statt. Er war außerordentlich zahlreich besucht. Nach einer- 
Begrüßung der Gäste durch den Ersten Vorsitzenden, Architekten Wühlet, 
Düsseldorf, fand ein Vortrag des Regierungsbaumeisters Blecken, Essen, 
von der Treuhandgesellschaft für Bergwohnstätten stau, der auf die Be 
deutung der Zusammenarbeit zwischen Siedlungabehörde und Privat- 
-architekten hinwies. Nachmittags fand im alten Rathause die Bezirks-. 
Versammlung statt, an der etwa 180 Architekten teilnahmen. Die Tages-, 
ordnung befaßte sich u. a. mit Berufsfragen. Die Architekten Deutsch 
lands sind bis auf wenige vereinigt im Bunde Deutscher Architekten, der 
sich in . 14 Landesbezirken über ganz Deutschland erstreckt und zurzeit 
etwa 3000 Mitglieder umfaßt. Der Einheitsgedanke kam auch in Dort 
mund stark zum Ausdruck. Es wurde betont, daß mehr als bisher der 
Architekt am öffentlichen Leben teilzunehmen hat, und daß er mehr als 
bisher in allen Fragen von Kunst und Kultur zu hören ist. Aus der Ver-, 
Sammlung heraus wurde gefordert, daß die Privatarchitekten zur Be-, 
arbeitung öffentlicher Bauten herangezogen werden. Einen großen Teü 
der Besprechung nahmen die Siedlungsfragen ein. Werden doch in ab-, 
sehbarer Zeit die Siedlungen zum größten Teil das Arbeitsgebiet de» 
Architekten sein. Auch hier wurde betont, daß der Privatarchitekt Muster 
gültiges auf diesem Gebiet geleistet hat. Nach Schluß der Tagesordnung 
fand unter Führung Dortmunder Architekten eine Besichtigung des Wett 
bewerbes „Bergmannssiedlungen« in der Kunst-und Gewerbeschule statt, 
der von der Stadt Dortmund ausgeschrieben war. 
D IE AUFSTELLUNG VON GENERAL-BAÜLINIEN- 
PLÄNEN wünscht eine Entschließung, die das bayrische Staats 
ministerium des Innern an die Regierungen, die Bezirksverwaltungs 
behörden sowie die Stadt- und Getnelnderäte gerichtet hat. Die Ent- 
Schließung geht von dem Gedanken aus, daß es gerade in der gegen 
wärtigen Zeit,' in der infolge bedauerlicher Umstände die Bautätigkeit fast
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.