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Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Adikes spezialis durchsetzte, nach der 50 °/ 0 des ein 
geworfenen Baulandes zu Grünflächen und Aufschließung 
abgetrennt werden können. Von den im Ganzen ein 
geworfenen 360 ha kommen demnach auf Bauland 150 ha, 
auf Straßen- und Grünflächen zusammen 210 ha. Damit 
die Eigentümer in ihrer Rente nicht geschädigt werden, 
sollen gleichzeitig die Grundstücke in höhere Bauklassen 
heraufgesetzt werden. Die gestellte Aufgabe verlangt einen 
das ganze Gebiet der Länge nach durchziehenden Grün 
gürtel mit einem zwischen Aachener und Dürener Straße 
gegen den Stadtwald abzweigenden Querarm. 
Der Schumachersche Entwurf teilt — wie aus 
Abb. 16, der Gegenüberstellung der Grünflächen, hervor 
geht — den Grüngürtel in 3 Längsstreifen: eine Hauptfläche 
von etwa 150 m Breite, die Kanalstraße und einen unter 
brochenen äußeren Streifen. Er zersplittert die Gesamt 
fläche in viele nur lose zusammenhängende Einzelteile. Die 
große Hauptfläche wird überdies mehrfach durch mitten 
hineingestellte öffentliche Gebäude auseinandergerissen. 
Schumacher begründet diese Zersplitterung damit, daß es 
bei der vorliegenden Aufgabe darauf ankäme „geschlossene 
Raumeindrücke“ zu erzielen. 
Die Verbindung zum Stadtwald ist ungenügend; vom 
Aachener Torplatz ist sie getrennt durch eine tiefe Passage. 
In ihrem weiteren Verlauf ist sie zweimal in unübersicht 
licher Weise rechtwinklig abgeeckt und eingeschnürt. Beim 
Stadtwaldgürtel hört sie vollständig auf. Auf die Notwen 
digkeit einer angemessenen Einmündung in den Stadtwald 
ist im Entwurf nicht hingewiesen. 
Eine merkwürdige Erscheinung im Schumacherschen 
Entwurf ist die Symmetrie in allen Teilen. Schumacher 
verzichtet auf das künstlerisch wirksamste Mittel, den 
Gegensatz des Innen und Außen und macht den Anblick 
gegen die Altstadt symmetrisch mit dem Anblick gegen die 
Neustadt. Er führt damit eine Achse ein, die in fort 
währenden Abknickungen um die Peripherie der Stadt 
herumläuft, eine Achse, die dem Wachstum des Stadt 
organismus völlig gegen den Strich geht. Abknickungen 
und Biegungen der Konturen, die bei freier Behandlung des 
Zwischenraumes von größtem Reiz sind, werden bei der 
gewaltsamen Symmetrie zu Verlegenheiten und Ver 
zerrungen. Die Symmetrie der Wände verlangt einheit 
liche Fassadengestaltung der symmetrischen Teile. Eine 
solche Einheit darf nur bei wenigen Hauptpunkten höchste 
Steigerung sein — auch in Paris ist nur eine place Vendome — 
sie darf nicht zur billigen Regel werden. Die Folge für 
die Ausführung wäre, daß w ,'io der Kölner Architekten vor 
die ertötende Aufgabe gestellt würden, das einmal ange 
fangene Fassadenschema dem laufenden Meter nach zu 
verlängern. 
Dem symmetrischen Schema zuliebe wurden wichtige 
Verkehrsdiagonalen, wie die Herkulesstraße und Niehler- 
straße, rechtwinklig abgebogen. 
Die Absicht des Gegenvorschlags ist nach den 
vorhergehenden Ausführungen über Alt-Wien und den 
Kölner Idealplan ohne weiteres verständlich. Bei stärkster 
Konzentration der Freifläche kann ein Teil von dem 
verwirklicht werden, was in den vorher beschriebenen 
Fällen als Ideal aufgestellt wurde. 
Die großen Verkehrsstraßen sollen ungehindert den 
Gürtel durchschneiden, der Blick soll nicht durch seitliche 
Kulissen sofort wieder Jaufgehalten werden. Der Abstand 
zwischen den. großen Radialstraßen ist so bedeutend 
(zwischen Aachener und Venloer und zwischen Dürener 
und Zülpicher Straße je etwa 900 m) daß die dazwischen 
liegenden Einzelteile jeder für sich lebensfähig sind. Gegen 
Staub und Lärm sollen die an die Hauptverkehrsstraßen 
grenzenden Teile der Grünflächen durch niedere Brüstungs 
mauern, mehrfache Heckenpflanzung und Baumreihen, 
jedoch so, daß über die Hecken hinweg und unter den 
Baumkronen hindurch noch der Blick offen bleibt, ge 
schützt werden. Die Kanalstraße, die zugleich den äußeren 
Rand der Grünfläche bildet, wird wenig und nur an ver 
einzelten Stellen Verkehr haben. Sie wird mit mehrfachen 
Baumreihen und breiten Fußwegen zur Promenadenstraße 
ausgebüdet. Alle Diagonalstraßen wurden belassen. Gerade 
bei der Vereinigung dieser Diagonalstraßen mit den Haupt 
radien, so bei Herkules- und Subbelrather Straße und bei 
Neußer und Niehler Straße, entstehen stark betonte Gelenk 
punkte, die mit umfangreichen Gebäuden mit großer Höhen 
entwicklung die ganze Länge rhythmisch gliedern. 
Der natürliche Hauptpunkt der Anlage ist der Aachener 
Torplatz. Dort ist Raum für einen großen Bahnhof mit 
vorgelagerten Hotels. Beiderseits erweitern sich die vorbei 
führenden Straßen zu Verkehrsplätzen. Der eigentliche 
Droschkenwarteplatz könnte in dem Vorhof des Bahnhofs 
liegen. Die Terminus-Hotels haben unmittelbare Verbindung 
mit dem Bahnsteig. 
Bei den Wohnblöcken wird nach Möglichkeit sowohl 
eine äußere wie innere Baulinie festgesetzt. Die Abstände 
sind überall sehr geräumig. Eine große Anzahl von Blöcken 
öffnet sich gegen die Grünfläche, so daß möglichst viele 
Anwohner des Genusses der großen Freifläche teilhaftig 
werden, 
Die Flächenberechnung ergibt folgende Zahlen: 
die zusammenhängenden Grünflächen ein 
schließlich der Kanalstraße und derjenigen 
Teile der Radialstraßen, die in die Grün 
fläche fallen, betragen 145 ha 
die übrigen Straßen 45 „ 
es verbleiben somit an Bauland .... 170 „ 
360 ha. 
‘ Das Bauland ist mit 170 ha immer noch 20 ha größer 
als es das Gesetz verlangt. Dafür können in größerem 
Umfange Baustellen mit 40 statt 50% Bebauung eingeführt 
werden. 
Die Grünflächen. 
Das Beispiel Alt-Wien zeigt im Grüngürtel nur Wiesen 
mit Alleen als Tummelplatz für Spieler und Reiter, gegen 
den Prater zu übergehend in Parkanlagen. 
Der Grüngürtel der vorliegenden Bearbeitung ist in 
seinen Einzelheiten etwas weitergehend spezialisiert. Die 
höchste Steigerung der Ausbildung findet sich zwischen 
Dürener und Aachener Straße, dem natürlichen Zentrum, 
aus dessen Mitte der Radialarm zum Stadtwald führt. Hier 
sind vielfache Baumreihen, Musikpavillon, Kaffeebetrieb unter 
den Bäumen vor den Hotelbauten, geschnittene Hecken, 
breite Blumenstreifen und in der Mitte ein großes Wasser 
bassin mit Springbrunnen gedacht. Der Wasserspiegel 
liegt völlig eben mit dem umgebenden Gelände. 
Auf weitere Wasserflächen und Wasserläufe, die unter 
einander in Verbindung stehend das ganze Gebiet durch-
	        
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