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Volume H. 3/4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

OER STÄDTEBAU 
Die weiteren auf der Tagesordnung vorgesehenen Vorträge betrafen 
NEUZEITLICHE BAUWEISEN. So sprach Architekt Issel- 
Hildesheim über „Schalenbau und Hohlbau u und erläuterte an Hand 
einer großen Anzahl Lichtbilder die hauptsächlichsten Arten dieser Spar 
bauweisen. Es handelt sich um drei verschiedene Gruppen, und zwar 
Haken- und Winkelsteine, solche aus Einzelstücken mit Hohlraum und 
um geschlossene Hohlbauten, Die große Zahl der Sparbauweisen lege 
beredtes Zeugnis ab von dem lebendigen Geist der deutschen Technik, 
die rastlos nach weiteren Mitteln forsche und die letzten Endes zu einem 
wirtschaftlichen Aufbau des Reiches fuhren müsse. Anschließend sprach 
Oberlehrer B rci tfuß-Hildesheim über die Wärmeeinwirkung und den 
Wetterschutz der Hohlbauten und führte aus, daß der fruchtbare Ent 
wicklungsgedanke zweifellos ein weiterer Ansporn zur erfolgreichen Ver 
besserung der verschiedenen Methoden sein werde. Zu dem Thema: 
„Lehmbau und Stampfbau“ sprach Architekt Ewers-HUdesheim, der 
ebenfalls an Hand einer größeren Anzahl Lichtbilder die verschiedenen 
Lehmbau-Methoden den Zuhörern in Wort und Bild vor Augen führte. 
Der Lehm sei das einzige Ersatzbaumittel, das vollkommen unabhängig 
von der Kohle sei. Es handelt sich zunächst um Lehmstampfbau, Lehm- 
patzenbau, Lehmziegelbau, Lehmdrahtbau und Stabpisebau. Der Lehmbau 
sei durchaus vollgültig, denn es handle sich um altbewährte Methoden, 
die auch inbezug auf Haltbarkeit, Feuersicherheit volle Gewähr bieten. 
Erforderlich ist allerdings eine schärfere Beobachtung der Bauten. Der 
Redner empfahl, mit den verschiedenen Methoden eingehende Versuche 
anzustellen und die dabei gemachten Erfahrungen der Allgemeinheit im 
allgemeinen Interesse zur Verfügung zu stellen. 
Es schloß sich eine längere Aussprache an, in der eine größere 
Dezentralisation bei der Bewirtschaftung der Baustoffe gefordert wurde. 
Ferner wurde gewünscht, daß bei der Kohlenbelieferung die Ziegeleien 
für die Herstellung mit Dachdeckungsmaterial bevorzugt werden. Nachdem 
sich dann noch Professor Lewandowski eingehend über die Entstehung 
seiner Methode des Stabpisebaues geäußert hatte, wurde aus der Ver 
sammlung auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die den Lehmbauten in 
bezug auf angemessene Beleihung und auch inbezug auf die Feuer 
versicherung bereitet würden. Es wurde direkt als Unsinn bezeichnet, 
für die Lehmbauten eine höhere Gefahrenklasse in Anrechnung zu bringen 
als für Fachwerkbauten; der Vorstand der Tagung wird deshalb eine 
entsprechende Eingabe an die Landschaftliche Brandkasse richten. Der 
größte Teil der Teilnehmer begab sich am Nachmittag unter Führung 
des Senators Kattentidt mittels Extrawagens der hannoverschen Straßen 
bahn zur Besichtigung der Kleinhaussiedlung in Laatzen bei Hannover, 
während der Rest der Teilnehmer unter Führung des Oberlehrers Breitfuß 
und Baurats Senf eine Anzahl Sehenswürdigkeiten unserer Stadt, wie: 
Rathaus, Knochenhaueramtshaus, Dom und Michaeliskirche besichtigten, 
INE KÖLNER ARCHITEKTEN-GILDE. In letzter Zeit 
wurde eine rege Werbetätigkeit für die Gründung einer Arbeits 
gemeinschaft der Kölner Architekten entfaltet. In einer Versamm 
lung im Hahnenbräu berichtete der Vorstand des vorbereitenden Arbeits 
ausschusses Uber die Ziele und Bestrebungen der neuen Organisation, 
die vor allem ihren Mitgliedern Arbeit und Aufträge verschaffen, daneben 
aber auch Verbesserungen der Gebührenordnung des Wettbewerbswesens 
und durch Ausstellungen eine engere Fühlungnahme zwischen Künstler 
schaft und Bürgerschaft anstreben will. Ein ständiger Ausschuß für 
öffentliche Arbeiten soll bei Stadtverwaltung und Behörden die Forderung 
vertreten, daß in Zukunft jeder Wettbewerb allen Architekten offenstebcn 
soll. Die endgültige Gründung der Gilde und die Wahl des Vorstandes 
wurde der vorgerückten Zeit wegen einer späteren Versammlung über 
tragen. 
P^ÖRDERUNG UND PFLEGE DER KUNST DURCH 
“ DEN STAAT. Zur Ausführung künstlerischer Arbeiten hat das 
bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus in letzter Zeit 
aus dem staatlichen Fond zur Förderung und Pflege der Kunst durch 
den Staat mehrere Zuschüsse bewilligt. Es kommen in Frage die Schaf* 
fung eines Deckengemäldes in der kath. St. Antoniuskirche in Ingolstadt 
(12000 Mk.), die Deckenbemalung der Pfarr- und Wallfahrtskirche ln 
Gößweinstein (50000 Mk.), die malerische Ausschmückung der Dominikus- 
kirche in Kaufbeuren (hierfür stehen einschließlich eines staatlichen Zu 
schusses 20000 Mk, zur Verfügung), die Errichtung eines Brunnens in 
Schrobenhausen (hierfür stehen mit einem staatlichen Zuschüsse 30000 Mk. 
zur Verfügung), die Herstellung eines Kruzifixes in der kath. Pfarrkirche 
zu Kindsbach in der Pfalz (13500 Mk.); ferner befindet sich ein Vorschlag 
Uber die künstlerische Ausschmückung der südlichen Rathausfront in 
Weiden i. O. in Vorbereitung. Für die sämtlichen geplanten Arbeiten 
werden Wettbewerbe öfientlich ausgeschrieben, an denen sich alle in 
Bayern lebenden deutschen Künstler beteiligen können. Die Preisaus 
schreiben werden von den beteiligten Gemeinden und Kirchenverwaltungen 
in einzelnen Tageszeitungen sowie ln der Seemannschen Zeitschrift 
„Werkstatt der Kunst“, nnd soweit es sich um Ausschmückung von 
Kirchen handelt, in der Münchener Zeitschrift „Christliche Kunst“ be 
kannt gegeben werden. 
Tn Berlin ist ein „VEREIN FÜR GEMEINNÜTZIGE EIN- 
KÜCHENWIRTSCHAFT“ begründet worden. Unter Leitung des 
Architekten Robert Adolph will der Verein für Einführung des Groß 
haushalts und Schaffung von Einküchensiedlungen tätig wirken, 
gemeinnützige Organisationen, die diesen Zweck verfolgen, gründen und 
fördern und bei bestehenden Siedlungsunternehmen sowie bei öffent 
lichen Körperschaften für den Gedanken der EinkUchenwlrtschaft werben. 
Seinen Mitgliedern wird der Verein Vorzugsberechtigung für die Wohnungen 
entstehender Einküchenhaueanlagen sichern. Anfragen und Meldungen 
sind an den genannten Geschäftsführer Charlottenburg, Tegeler Weg 5, 
zu richten. 
er sächsisch-weimarische Landtag hat den Etat für das STAAT 
LICHE BAUHAUS IN WEIMAR genehmigt. Der Etat ist 
um 12000 Mk. zugunsten der Hochschule für Malerei verringert worden, 
und der jährliche Beitrag der Staatskasse beträgt 206460 Mk. 
ERUFUNG VON ARCHITEKTEN INS WIEDERAUF 
BAUMINISTERIUM. Der neue Erste Vorsitzende des Bundes 
Deutscher Architekten, Geh.-Rat Cornelius Garlitt, hat in einer Eingabe 
an den Reichskanzler den Wunsch begründet, daß Architekten in geeig 
nete leitende Stellungen des Wiederaufbauministeriums berufen werden. 
Nicht nur als Baukünstler und Treuhänder, insbesondere auch zum 
Organisieren der Bauarbeiten, die zur Lösung der Ansprüche des Friedens 
vertrags gestellt werden. 
MITTEILUNGEN DER SCHRIFTLEITUNG. 
Herr Professor Harry Maaß legt mit Hinsicht auf seine in Heft 1/2 
des Städtebaus. Jahrgang 1920, veröffentlichten Arbeiten Wert auf folgende 
Feststellungen: Bei Tafel 6, Entwürfe Harry Maaß-Lübeck. Abbildung a 
zeigt Verhältnisse, wie sie seit vielen Jahrzehnten ln Lübeck bestehen 
und wie sie durch die Wallanlagen gegeben waren. Abbildung b besteht 
bis auf den Schulgarten und Anzuchtsgarten. Kleine Gärten, Spielplatz 
und Baumschule waren vorhanden, letztere sind in der Amtsperiode des 
jetzigen Gartendirektors Barth in Charlottenburg entstanden. Die beiden 
Abbildungen & auf Tafel 8 und a auf Tafel 9 gelten lediglich als Bei 
spiele, die zeigen sollen, wie etwas aus den gegebenen Verhältnissen mit 
den einfachsten Mitteln enstanden und ausgenutzt worden ist. 
Durch ein bedauerliches Versehen ist in Heft 1/2, Jahrgang 1920 
des „Städtebau“, bei der Arbeit: „Denkschrift betr. eine Ergänzung des 
Gesetzentwurfes zur Bildung eines Stadtkreises Groß-Berlin u der Name 
des Verfassers, des Herrn Architekten Martin Mächler - Berlin, 
nicht beigedruckt. 
Die Unterlagen aller ausgeschriebenen Wettbewerbe liegen im Geschäftslokale der Verlagshandlung Emst Wasmuth, A.-G., Berlin W., Markgrafen- 
:-: Straße 31, zur Einsichtnahme für die Interessenten aus. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: H. de Fries, Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W„ Markgrafenstraße 31. — Inseraten- 
annahme Werbedienst G. m. b. H„ Berlin W„ LUtzowstraß* 102—104. — Gedruckt bei Herrosd Ä Ziemsen, G, m, b, H., Wittenberg.
	        
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