Path:
Volume Literatur-Bericht No. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
l 
sicht. Kaum waren die Russen, die das Land grausam allen 
Kriegsregeln spottend zerstört hatten, vertrieben, da ging 
man auch schon an den Wiederaufbau. Verfasser zeigt, wie 
hierbei moderne städtebauliche Grundsätze zur Geltung ge 
kommen sind und auf 29 beigegebenen Bildern ist erkennbar, 
wie auch künstlerischer Geschmack bei aller Einfachheit und 
Schlichtheit der Architektur Ausdruck gefunden hat. Bei 
allem Jammer und Weh bedeutet das in Ostpreußen Ge 
schaffene einen Lichtblick und wird dazu beitragen, die 
schöne Provinz enger an das deutsche Vaterland zu ketten. 
Das Erbbaurecht. Verordnung vom 15. Januar 
1919, unter Benutzung des amtlichen Materials, bearbeitet 
von Staatssekretär Scheidt und Geh. Regierungs 
rat Gl aß. Carl Heymanns Verlag. 15 Mk., geb. 20 Mk. 
Das Buch bildet einen sehr ausführlichen Kommentar der 
bezeichneten Verordnung, der als maßgebend angesehen 
werden muß, da er auf amtlichen Materialien beruht. Es 
kommt hinzu, daß die beiden Verfasser als hervorragende 
Fachleute auf dem Gebiete des Wohnungs- und Siedlungs- 
wesens gelten. Das Erbbaurecht ist zwar ein schon älteres 
Rechtsinstitut, es ist aber durch die Verordnung, die eine 
wesentliche Erweiterung der im BGB. gegebenen Vor 
schriften über das Erbbaurecht darstellt, auf eine völlig neue 
Grundlage gestellt, wobei den vielen aus der Erfahrung her 
aus erwachsenen Wünschen zum größten Teil Rechnung ge 
tragen ist. Es bietet aber in seiner rechtlichen und wirt 
schaftlichen Wirkung sowohl als bei der praktischen Hand 
habung gerade infolge der Neuheit der Verordnung sehr 
häufig Anlaß zu Zweifeln. Dabei ist es ein Rechtsgebiet, 
auf dem sehr leicht Fehler und eine irrige Auslegung mög 
lich sind, die den Interessenten unter Umständen außer 
ordentlichen Schaden sowohl in finanzieller als auch in 
sozialer Beziehung zufügen können. Eine authentische Aus 
legung des Rechts war deshalb dringend notwendig. Die 
ausführlichen und klaren Darlegungen der Verfasser geben 
die zur richtigen Anwendung des Rechts notwendige Grund 
lage, die auch der weiteren Fortentwicklung des noch sehr 
ausdehnungsfähigen Rechtsinstituts zugute kommen werden. 
Wer sich theoretisch oder praktisch mit demselben befassen 
will oder muß, wird gut tun, sich dieser reichen Quelle der 
Aufklärung zu bedienen. Als Anhang sind unter anderem bei 
gegeben, eine Darstellung der grundbuchlichen Eintragungen 
über das Erbbaurecht sowie einige Muster zu Erbbauver 
trägen. 
Muthesius, Herrn. Kann ich auch jetzt noch mein 
Haus bauen? 170 Seiten Preis geb, 10 Mk., München. 
F, Bruckmann, Akt.-Ges. Das Buch befaßt sich mit der 
Erbauung bürgerlicher Landhäuser, es zeichnet sich ebenso, 
wie andere Schriften des Verfassers, durch klare und sach 
liche. auf großer praktischer Erfahrung beruhender Dar 
stellungsweise aus. Die gegenwärtig herrschende außer 
ordentliche Teuerung auf dem Baumarkt und die Lage der 
wirtschaftlichen Verhältnisse beschränkt den Kreis der Inter 
essenten, die heute in der Lage sind, sich ein Landhaus zu 
bauen, allerdings erheblich, so daß die Aufgabe, die sich der 
Verfasser gestellt hat, nicht leicht war. Er hat sie aber in 
den Grenzen des Möglichen gut gelöst. Eine Anzahl Ab 
bildungen zeigen in Grundrissen und Ansichten praktische 
Beispiele ausgeführter und zur Ausführung bestimmter 
Bauten. 
Wohnungsmangel. Seine Bekämpfung in Theorie 
und Praxis mit Kommentar zum Reichs-Wohnungsmangel 
gesetz und Nebenverordnungen. Für die Praxis dargestellt 
und kommentiert von Magistratsassessor G. Brumby, 
Erster Vorsitzender des Einigungsamts Neukölln. — 1920. 
Preis fest gebunden 16 Mk. Industrieverlag Spaeth & Linde, 
Berlin C 2. 
Verfasser ist der Erste Vorsitzende des Einigungsamts 
Neukölln. Die Erfahrungen, die er in diesem Amte gemacht 
hat, lassen ihn zur Auslegung und kritischen Beleuchtung 
der auf die Bekämpfung des Wohnungsmangels und Miet 
wuchers gerichteten Vorschriften gesetzlicher und verwal 
tungsrechtlicher Natur besonders geeignet erscheinen. Die 
Aufgabe, die er sich gestellt, hat er sehr gut gelöst. Er be 
leuchtet die Materie sowohl vom rechtlichen, als auch vom 
sozialen Standpunkte aus in erschöpfender Weise. Die 
Arbeit dürfte auf dem Gebiete des Wohnungsmangelrechts 
für jedermann eine willkommene Grundlage zur Unterrich 
tung bieten, sie dürfte auch die Vorschriften gesetzlicher und 
verwaltungsrechtlicher Art lückenlos umfassen. Das ein 
schlägige Nebenrecht (preuß. Wohnungsgesetz, Mietwucher- 
und Flüchtlingsverordnung, Siedlungs-, Heimstätten-, So 
zialisierungsgesetz usw.) ist mitverarbeitet und der praktische 
Wert des Buches durch Muster und Beispiele erhöht. Neben 
her werden die sozialpolitischen und sozialwirtschaftl'ichen 
Probleme und die Reformvorschläge der bekannten Woh 
nungspolitiker bzw. -theoretiker in gedrängter Form dar 
gestellt. 
Naturbauweisen. Ein Ratgeber für Siedler und 
Baulustige von Alfons Anker. Deutsche Landbuch 
handlung, Berlin SW n. 7,50 Mk. 
Die Schrift ist im Aufträge des Reichsverbandes zur 
Förderung sparsamer Bauweise und in Verbindung mit dem 
Deutschen Verein für ländliche Wohlfahrts- und Heimat- 
pflege bearbeitet. Sie ist vollständig auf den praktischen 
Gebrauch eingestellt, ihr Wert hat damit wesentlich ge 
wonnen. Es werden alle Möglichkeiten der Sparsamkeit 
beim Kleinwohnungsbau erörtert, die Naturbauweisen so 
wie die Sparbauweisen und Sparbaustoffe werden im ein 
zelnen durchsprochen. Dem Lehmbau in seinen verschie 
denen Verwendungsarten wird eine besonders eingehende 
Darstellung gewidmet. Auch die Fragen der rechtlichen 
Vorbereitung der Bauten (Baupolizei), der grundbuchlichen 
Angelegenheiten, der Geldbeschaffung, Rentabilität und die 
Kostenfrage werden behandelt. Zahlreich eingestreute Zeich 
nungen vervollständigen die technischen Textausführungen. 
Die Schrift ,,A Itbewährte heimatliche Bau 
weisen“, herausgegeben von Dr. - Ing. Lindner unter 
Mitarbeit von D r. -1 n g. Mäkelt, Reg.-Baumeister 
Jobst und Architekt Steinmetz (Deutsche Landbuch- 
handlung, Berlin. 7,50 Mk.) beschäftigt sich ebenfalls mit 
den Ersatzbauweisen, allerdings in mehr theoretischer Art. 
Auch hier liegt der Schwerpunkt in einer Besprechung des 
Lehmbaues, daneben wird noch der Kalksandstampfbau be 
handelt und die Bedachung mit Ersatzstoffen. Beigegeben 
sind eine Anzahl bildlicher Darstellungen, u. ä. Beispiele 
heimatlicher Bauweisen in älterer Zeit. Jobst bringt noch 
einen Plan zu einem in Lehm auszuführenden Wohnhause 
nebst Stall. Im Anhang sind eine Anzahl Gutachten über 
Lehmhäuser in gesundheitlicher Beziehung mitgeteilt, die 
zwar im allgemeinen den Lehmbau als einwandfrei be 
zeichnen, in einigen Fällen aber gewisse Vorbehalte, nament 
lich hinsichtlich der Fähigkeit der Lehmwände zur langen 
Festhaltung von Feuchtigkeit machen. 
HERROSC & Z1EMSEN G. M. B. H., WITTENBERG
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.