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Volume Literatur-Bericht No. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Darstellungen und die dazu gegebenen kurzen Erläute 
rungen lassen ohne weiteres den erfahrenen Praktiker er 
kennen, Er weiß jeden Raum bis aufs äußerste auszunutzen, 
alles Überflüssige zu vermeiden und erzielt damit Grund 
risse, die bei aller Knappheit des Raumes gute Wohnungs 
möglichkeiten bieten, wie auch seine Fassadengestaltung des 
künstlerischen Ausdrucks nicht entbehren. Die Schrift wird 
jedem Interessenten reiche Belehrung und Anregung bieten. 
Kartothek für Wohnungspflege, Woh 
nungsaufsicht, Schlafstellenkontrolleund 
Wohnungsnachweis. Im Auftrag des Rheinischen 
Vereins für Kleinwohnungswesen bearbeitet von Marga 
rethe von Gottberg. 
Die Verfasserin hat sich ©ingehend und sorgfältig mit 
der Materie beschäftigt, und es ist ihr infolgedessen trotz 
der großen Schwierigkeiten der Aufgabe gelungen, etwas 
wirklich Gutes und Brauchbares zu schaffen. Jedes Woh 
nungsamt, und wenn es noch so klein ist, bedarf einer über 
sichtlichen Registrierung der ihrer Bearbeitung und Auf 
sicht unterstellten Gebäude und Wohnungen; besitzt es eine 
solche nicht, so wird ihm die Arbeit erschwert und nahezu 
unmöglich gemacht, jedenfalls ist sie ohne eine solche Regi 
strierung nicht mit wünschenswerter Gründlichkeit und 
Sorgfalt zu leisten. 
Leider stehen heute viele Wohnungsämter auf dem 
Standpunkte, daß Wohnungspflege und Wohnungsaufsicht 
unter den gegenwärtigen Verhältnissen gar nicht durchführ 
bar seien, sehr mit Unrecht, sie sind heute nötiger als je, um 
in der allgemeinen Unordnung doch noch wenigstens einiger 
maßen Ordnung in den Wohnungen zu halten, damit hier 
nicht schließlich alles drüber und drunter geht, um endlich 
auch das Bestehende nach Möglichkeit zu schützen und zu 
erhalten. Der Rheinische Verein ist eine derjenigen Organi 
sationen, die das schon längst eingesehen haben, und er ist 
demgemäß schon immer in Wort und Schrift für schärfere 
Handhabung von Wohnungspflege usw. eingetreten. Es ist 
ihm als ein Verdienst anzurechnen, daß er trotz der hohen 
Herstellungskosten bei seinen beschränkten Mitteln die vor 
liegende Schrift herausgegeben, und daß er für dieselbe eine 
so vortreffliche Bearbeiterin gefunden hat. Unter den vielen 
literarischen Neuerscheinungen auf dem Gebiete des Woh 
nungswesens ist dies wieder einmal eine der Praxis gewid 
mete Arbeit, die eine entsprechende Würdigung infolge ihrer 
Brauchbarkeit durchaus verdient. Ihre Anschaffung sei 
allen Interessenten, insbesondere den Wohnungsämtern, aufs 
beste empfohlen. 
Ponfick-Glaß. Das Reichssiedlungs 
gesetz nebst den Ausführungsbestimmungen (Heymanns 
Verlag, 8 Mk. und Aufschläge). 
Die beiden Verfasser, von welchen ersterer im Reichs 
arbeitsministerium das ländliche Siedlungswesen, letzterer 
das städtische Wohnungswesen bearbeitet, kann man als die 
berufensten Erklärer des wichtigen und für die Entwicklung 
unseres Siedlungswesens bedeutungsvollen Siedlungsgesetzes 
bezeichnen. Die Neuheit des Gesetzes bringt es mit sich, 
daß über dasselbe noch sehr viel Unklarheit und große Mei 
nungsverschiedenheiten bestehen. Der vorliegende Kom 
mentar wird deshalb allen Behörden und Personen, die sich 
mit dem Gesetze befassen, ein willkommener Führer sein. 
Sozialisierung desBau - und Wohnungs 
wesens. Von A. Ellinger, Hamburg. Verlag Fritz 
Paeplow. 
Die Schrift stellt keine Utopien auf, wie sie in den 
Köpfen mancher Leute mit Sozialisierungsplänen spuken. 
Rein nüchtern wird die Frage behandelt, und der Verfasser, 
der zur Sozialdemokratischen Partei gehört, schont bei seinen 
kritischen Betrachtungen auch keineswegs die eigenen Par 
teigenossen. Er gibt zu, daß die Sozialdemokratie auf die 
Überführung ihrer Ziele in die Praxis nicht vorbereitet war 
und daß auch jetzt die Ansichten darüber, worin die Soziali 
sierung zu bestehen habe, sehr verschieden sind. Einen groß 
zügigen Sozialisierungsplan kann auch er nicht entwickeln, 
ein. politischer Umsturz lasse sich wohl in kurzer Zelt voll 
ziehen, aber die Überführung der Wirtschaft in ein anderes 
System, eben das sozialistische, könne nur allmählich er 
folgen und müsse langsam aus der bisherigen Wirtschafts 
weise herauawachsen. Die Schwierigkeiten, die einer Sozia 
lisierung des Baugewerbes im besonderen entgegenstehen, 
werden von dem Verfasser durchaus richtig gewürdigt. 
Zwar sucht er die aus langer Erfahrung herausgewachsene 
Einsicht, daß Staat, und Gemeinden in der Regel erheblich 
teurer bauen, als das Privatunternehmertum, zu widerlegen, 
indem er darauf hinweist, daß hierbei bisher zu sehr bureau- 
kratisiert worden sei und das kaufmännische Organisations 
talent gefehlt habe. Indessen wirken seine diesbezüglichen 
Ausführungen keineswegs überzeugend, und sie können das 
auch nicht, weil man sich auch bei den Behörden bisher schon 
immer sehr bemüht hat, in den staatlichen und gemeind 
lichen Betrieben möglichst wirtschaftlich zu arbeiten. Die 
jetzige Schwäche in der Durchführung einer rationellen Bau 
tätigkeit liegt zu einem erheblichen Teile an dem Rück 
gänge der Arbeitsleistung, und alle Bestrebungen, die eine 
Gesundung im Baugewerbe zum Ziele haben, müssen auf 
eine Änderung in dieser Beziehung gerichtet sein. Das be 
tont auch Ellinger, und er weist dabei hin auf das Beispiel 
Sowjetrußlands, dessen Führer sich sogar genötigt sahen, die 
Akkordarbeit wieder einzuführen. 
Der Verfasser bespricht in zustimmendem Sinne die 
Vorschläge von Kampffmeyer, die nicht nur eine Sozialisie 
rung des Bauwesens, sondern auch eine solche des gesamten 
Hausbesitzes erstreben und diejenigen von Wagner, der sich 
auf die Sozialisierung des Baubetriebes beschränkt. Sodann 
kommt er zu einer Darstellung der bereits vorhandenen ver 
gesellschafteten Baubetriebe, wie die „Bauhütte“ in Berlin 
und die verschiedenen Betriebs- und Arbeitsgenossenschaften. 
Alle diese Unternehmungen sind noch neu, so daß irgend 
welche Erfahrungen, die ein Urteil über ihren praktischen 
Wert ermöglichen, noch nicht vorliegen. Immerhin dürfte 
Ellinger recht haben, wenn er diese Gründungen als den 
ersten wichtigen Schritt zu einer Umformung des Bau 
betriebes zu einem zweckmäßigen und für die Gesamtheit 
nützlichen Wirtschaftszweig ansieht. Das wird auch von 
solchen Leuten zugegeben werden können, die einen anderen 
politischen Standpunkt vertreten als Ellinger. Die Schrift 
verdient die Aufmerksamkeit aller Kreise, die sich ernsthaft 
mit dem Problem einer gesunden Umgestaltung unserer 
Bauwirtschaft befassen. 
In den gleichen Gedanken bewegt sich Ellingers 
zweite Schrift „Sozialisierungsströmungen im 
Baugewerbe“, Heft VI der Veröffentlichungen der 
sächsischen Landesstelle für Gemeinwirtschaft (Verlag von 
Lukas Jaensch, Dresden, 1920- 3 Mk.). 
Er bekräftigt wiederum den Standpunkt, daß die Ver 
staatlichung oder Kommunalisierung des Baubetriebes so
	        
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