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Volume Tafeln Tafel 31

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 17.1920 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Gaswerke erstellt. Ein Wettbewerb unter den Privatarchi 
tekten Münchens für den Ergänzungsbau dieser Anlage, der 
sich vom Unteranger um die Ecke herum mit der Längs 
front an der Blumenstraße bis zum Anschluß an die Kloster 
schule erstrecken soll, hat kürzlich in der breiteren Öffent 
lichkeit Aufmerksamkeit und Beachtung gefunden 1 ). Die 
durch diesen Wettbewerb wieder aufgenommene planmäßige 
Umgestaltung des Angerviertels zusammen mit der Erörte 
rung einiger weiterer städtebaulicher Fragen, die weiter 
unten gestreift werden, und mit dem Umstand, daß die 
Räume des historischen Stadtmuseums schon lange nicht 
mehr für die immer umfangreicher gewordenen städtischen 
Sammlungen ausreichten, gab Veranlassung zur Fertigung 
der Entwürfe von Baurat Professor Dr.-Iog. Hans Grässel, 
die hier besprochen werden sollen. 
Der Plan Professor Grässels geht von zwei Grundlagen 
aus, einer baulichen und einer städtebaulichen. Die erstere 
besteht darin, daß die vorher beschriebenen Gebäude am 
Jakobsplatz, soweit sie aus älterer Zeit stammen, nicht nur 
zueinander eine gute Lage besitzen, sondern auch in ihrer 
äußeren Erscheinung einen harmonischen Eindruck hinter 
lassen, ja daß sie teilweise — wie oben in Einzelheiten an 
gedeutet wurde — im Äußern wie im Innern selbst gewisser 
maßen Museumsstücke darstellen, die aus Gründen der 
Denkmalpflege und des Heimatschutzes der Nachwelt un 
bedingt in dieser Form erhalten werden sollten. Dadurch 
kam Grässel auf den Gedanken, diese Gebäude in ihrer 
Gesamtheit nicht nur zu der erforderlichen Erweiterung 
des historischen Stadtmuseums zu benutzen, sondern auch 
durch die Heranziehung anderer Sammlungen eine groß 
zügige Museumsanlage zu schaffen, die durch die darüber- 
liegende geschichtliche Stimmung zweifellos eine bedeutende 
Wirkung ausüben würde. Wie die Anlage im einzelnen 
geplant ist, ergibt sich aus Tafel 3. Zunächst sollen durch 
die Zusammenfassung der beiden alten Gebäude Jakobs 
platz Nr. 1 und 2 unter Erhaltung des Äußeren und unter 
Mitverwendung der unveränderten alten gotischen Hallen im 
Innern die erforderlichen Räumlichkeiten für die städtischen 
kulturgeschichtlichen Sammlungen (das bisherige historische 
Museum) geschaffen werden. Dabei wäre gleichzeitig an 
einen Ausbau des bisherigen historischen Museums zu einem 
großangelegten Orts- und Heimatmuseum zu denken, das 
nicht durch das vorhandene große Nationalmuseura er 
setzt werden kann, da dieses andere — bayerische, nicht 
Münchener — Aufgaben zu lösen hat. Das bisher für Ver 
waltungszwecke benutzte ehemalige Feuerhaus an der West 
seite ist für die Unterbringung des städtischen Archivs, das 
sich jetzt an anderer Stelle befindet, und für die für das 
Museum erforderlichen Verwaltungsräume gedacht. Durch 
einen Um- bzw. Neubau des in seiner Baumasse zu er 
haltenden Seidenhauses sollen endlich zusammenhängende 
Räume zur Ausstellung der im Besitz der .Stadtgemeinde 
befindlichen Gemälde gewonnen werden, die zurzeit über 
eine große Zahl von städtischen Gebäuden zerstreut sind. 
Die Verwirklichung dieses Gedankens wäre um so mehr 
zu begrüßen, als es überhaupt erstaunlich ist, daß München 
noch nicht (wie z. B. Wien für seine Wiener Maler) eine 
Bildergalerie für seine Münchener Meister besitzt. Die Ver 
bindung sämtlicher Sammlungs- und Verwaltungsräume 
*) Vgl. Zentralblatt der Bauvcrwaltung, Jahrgang igzo, Nr. ag, S. 171 
und Süddeutsche Bauzeitung, Nr. ioff. 
untereinander wird durch Gänge auf zwei Straßenüber 
führungen erreicht. Durch die Anlage von offenen Hallen 
im Anschluß an die Gemäldegalerie (das jetzige Seidenhaus), 
die zur Aufstellung von Bildwerken dienen sollen, und die 
Fortführung dieser Hallen bis zum Verwaltungsgebäude 
würde zwischen den Hallen und den einzelnen Gebäuden 
ein kleiner und ein großer Museumshof entstehen, in deren 
stille Beschaulichkeit die Klosterkirche von St. Jakob hinein 
sieht, um dem Ganzen einen städtebaulich äußerst wirkungs 
vollen Abschluß zu geben (vgl, die Perspektive auf Tafel 4). 
So entstünde in nächster Nähe der alten Klosterniederlassung 
eine stille Museumsstadt, etwas verwandt jenen berühmten 
Museumsstätten, dem Musee Cluny in Paris, das aus einer 
alten Klosteranlage, und dem Germanischen Natiorialmuseum 
in Nürnberg, das aus einem Karthäuserkloster hervorge 
gangen ist. Damit wäre aber gleichzeitig auch ein bedeut 
samer städtebaulicher Gewinn erzielt, die Erhaltung des 
Charakters des ganzen Stadtviertels, Derartige stille Stadt 
viertel finden sich öfters in Großstädten in unmittelbarer 
Nähe lebhafter Verkehrsstrassen (z. B. selbst in Berlin in 
nächster Nähe der Friedrichstraße und Leipziger Straße). 
Ihre Erhaltung ist auch erwünscht, schon um das Stadt 
bild nicht zu gleichmäßig und schablonenmäßig zu gestalten. 
In erhöhtem Maße trifft dies für München zu, das alles 
dazu tun sollte, um sich seine Eigenart zu erhalten, damit 
es nicht wie andere Städte dem „Allerweltsgroßstadtcharakter“ 
verfällt. 
Die Pläne Professor Grässels beschränken sich nun 
nicht auf die im Vorstehenden geschilderten Entwürfe zu 
einem Münchener Heimatmuseum und die damit zusammen 
hängende Umgestaltung des St. Jakobsplatzes, sondern sie 
greifen noch eine Reihe anderer brennender städtebaulicher 
Fragen auf, um diese einer Lösung näherzubringen. So 
besteht in München der Plan, die im Zuge der Cornelius 
brücke über den Gärtnerplatz herkommende Corneliusstraße 
(vgl, Tafel 2), die zurzeit an der Müllerstraße ihr Ende findet, 
durch einen Durchbruch zwischen Müller- und Blumen 
straße bis zum Jakobsplatz durchzuführen und ihr noch 
eine Verlängerung über die Sendlinger Straße hinaus bis zum 
Altheimereck bzw. zur Brunnstraße zu geben. Eine der 
artige Ausführung würde allerdings dem Grässelschen Plan 
im Wege stehen, da die Zuleitung des Verkehrs auf und 
über den Jakobsplatz die Zerstörung des bisherigen Cha 
rakters dieses Platzes mit sich brächte. Auch würde der 
neue Straßenzug in seiner Verlängerung die verkehrsreiche, 
sehr wenig breite Sendlinger Straße an einer sehr ungünstigen 
Stelle überqueren. Grässel schlägt deshalb eine andere 
Lösung vor, durch welche die erstrebte Verkehrsverbindung 
zu erreichen wäre, ohne daß das geschlossene Platz- und 
Straßenbild am Jakobsplatz und um den Jakobsplatz Jierum 
eine Beeinträchtigung erleiden müsste, und zwar will er 
imZuge der Reichenbach brücke die Frauenhofer Straße durch 
einen Durchbruch bis zur Blumenstraße verlängern. Da 
durch würde die Frauenhofer Straße zu einer bedeutenden 
Verkehrsstraße, da sie im Gegensatz zur Corneliusstraße 
auch ein bedeutendes Verkehrshinteriand mit dem Anschluß 
an wichtige Landstraßen (Tegernseer Landstraße, Tölzer 
Straße) besitzt und den ganzen Stadtteil Giesing mit dem 
Innern der Stadt und gegen den Hauptbahnhof zu verbinden 
hätte. In der Tat würde die Frauenhofer Straße, da sie 
nach dem Durchbruch an der Blumenstraße auf den großen 
Ringstraßenzug stößt, der sich um die innere Stadt legt,
	        
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