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Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 16.1919 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Abb. 22. Bebauungsplan. 
quelle besitzt* zweifellos brauchbarer als ein Raum, der 
an trüben Tagen zur Hälfte düster ist. 
Aus diesem folgerichtig entstandenen Grundriß ergab 
sich ebenso folgerichtig das Pultdach. Es ergibt nach der 
einen Seite hin eine gut wirkende Dachfläche, nach der 
anderen Seite ein durch Holz- oder Schieferverschalung, 
in Verbindung mit Baum- und Spalierwirkung durchaus 
nicht unmalerisches Bild. Eine Dachkammer läßt sich 
nun ohne jeden Ausbau des Daches ermöglichen, und die 
Treppe und damit der ganze Grundriß kann in der denkbar 
einfachsten Weise durchgeführt werden. So unmöglich 
künstlerisch das Pultdach beim Einzel- oder Gruppenhaus 
ist, beim lückenlos geschlossenen Block mit ganz ge 
ringer Bautiefe ist es zweifellos auch architektonisch das 
gegebene. Seine wirtschaftlichen Vorteile aber liegen auf 
der Hand: wesentliche Ersparnisse an Spengler-Arbeit (nur 
einseitige Dachrinnen und Abfallrohre), vor allem aber 
kein Dachausbau und keine immerwährenden Dachaus 
besserungen infolge eindringender Feuchtigkeit. 
Dieser eine Punkt allein rechtfertigt die Anlage des 
Pultdaches, abgesehen von den direkten Ersparnissen, die 
damit erzielt werden. 
Um auch den weitgehendsten gesundheitlichen An 
forderungen zu genügen, wurde Bedacht darauf genommen, 
daß jedes Haus Querlüftung erhielt. Reste des sogenannten 
Kreuzgrundrisses sind auch bei den Ecklösungen nicht 
mehr vorhanden. 
Ein weiteres Ziel wurde darin gesehen, alle mit dem 
Wasserverbrauch zusammenhängenden Räume mit dem 
Stall unter ein Dach zu bringen; bei fast drei Viertel aller 
Einfamilien-Häuschen sind Bad, Waschkessel, Spülnische 
und Abort in einem Anbau vereinigt, dem als Kopf der Stall 
mit Heuboden vorgelagert ist. Das Bad ist als etwas ver 
senkte Zementgußwanne gedacht, welche direkt durch den 
daneben befindlichen etwas erhöhten Waschkessel ge 
speist wird. Der Raum genügt trotz seiner Knappheit 
allen berechtigten Anforderungen, zumal in der Höhe, 
der Dachraum hinzu genommen, und dadurch eine 
Entlüftung nach oben geschaffen werden kann. 
Zu den oberen Räumen gelangt man entweder direkt 
vom Windfang aus oder durch die Wohnküche. Beide 
Lösungen dürften ihre Berechtigung haben. Im Ober 
geschoß können bei jedem Typ alle drei Zimmer 
eigenen Zugang bekommen, natürlich unter Opferung 
von 1—U/s Qm für Flur. Die Dachkammer ist durch 
eines der Zimmer zu erreichen. 
Inbezug auf die Zwei-Familienhäuser wäre zu be 
merken, daß zur Erdgeschoßwohnung das hintere 
Gartenland gehört; vor dem Hause liegt der Garten der 
Obergeschoßwohnung. Die Waschküche hat für jede 
Partei direkten Ausgang zum betreffenden Garten. 
Die Lage des Gemeinschaftshauses ergibt sich 
architektonisch ziemlich selbstverständlich an der an 
genommenen Stelle. Aus Ersparnisgründen wurde davon 
abgesehen, den Saal bzw. den Kinderhort ebenerdig zu 
legen; bei der geringen angenommenen Höhe für das 
Erdgeschoß von 2,50 m ist der Weg für die Kinder nicht 
allzu umständlich, und künstlerisch ist der durch die 
Saalanlage im Obergeschoß sich ergebende Höhepunkt 
an einer städtebaulich gegebenen Stelle, gegenüber 
dem notwendig flachen Charakter des Ganzen, sehr 
wünschenswert.“ 
Abb. 21. Vogelschaubild. 
in denen übrigens nur gelegentlich gefeuert wird (Schlaf 
zimmer und gute Stube), ist in keiner Weise schlechter als 
bei den auch heute noch beliebten Doppelhäusern mit drei 
Außenwänden oder sonst oft genug vorkommenden Eck 
zimmern und wesentlich günstiger als bei den allgemein 
üblichen Wohnungen in einem ausgebauten Dachstock. 
Als Hauptvorzug aber eines Zimmers mit Fenstern nach 
zwei verschiedenen Richtungen muß angeführt werden — was 
bei einer ländlichen Siedlung von ausschlaggebender Be 
deutung sein müßte —, daß es auf alle Fälle Sonne bekommt, 
mag es liegen wie es wolle; und Sonne bedeutet für einen 
Raum Leben und damit auch Behaglichkeit. Weiterhin ist 
ein Zimmer, das an beiden Enden eine natürliche Licht
	        
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