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Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 16.1919 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Ganz wörtlich ist natürlich die hier aufgestellte Forderung nicht zu 
nehmen, sonst hieße es uns gewissermaßen ln den Urzustand zurück- 
führen. Einigen Kalk, einigen Zement, einiges Ziegelsteinmaterial wird 
der Staat bei sparsamer Koblenverwendung immerhin zulassen; und wenn 
nun das geschieht, so ergeben sich doch unter Verwendung von Schlacke usw. 
schon recht ansehnliche Reihen neuer technischer Möglichkeiten für sied- 
lerisches Bauen. Die Hauptbetonung wird allerdings auf den Lehmbau 
gelegt, der nach den Anleitungen dieses Buches sehr brauchbar, selbst für 
vornehme Häuser erscheint. Der gestampfte und mit Säuren behandelte 
Lehm weist tatsächlich die Festigkeit gebrannten Ziegelmaterials auf! 
Typisierung und vereinfachte, nichtsdestoweniger materialgerechte 
schöne Formen ersetzen Überhaupt allen überflüssigen gedankenlosen Luxus 
MITTEILUNGEN. 
M ünchner (oberbayrischer) architekten- 
UND INGENIEURVEREIN (E. V.). Der Vorstand des 
Vereins hat sich an den Reicbsminister Dr. Oeßler (Berlin) gewandt mit 
der Bitte um Mitteilung, wie die Mitglieder des Vereins, die sich an 
dem Wiederaufbau der zerstörten Gebiete beteiligen wollen, sich zur Er 
langung von Stellungen und Aufträgen melden können. Darauf hat der 
Reichskommissar zur Ausführung von Aufbauarbeiten in den zerstörten 
Gebieten geantwortet: „Auf Ihr an den Herrn Minister Dr. GeBler vom 
38. v. Mts. gerichtetes Schreiben teile ich Ihnen mit, daß ich selbst 
verständlich gern bereit bin, die Mitglieder Ihres Vereins bei Besetzung 
von Stellen für den Wiederaufbau zu beschäftigen. Gegenwärtig ist dazu 
allerdings noch keine Gelegenheit, und bitte ich, Ihre Mitglieder davon in 
Kenntnis zu setzen. Im allgemeinen werden nach meiner Ansicht Architekten 
nur Jo ganz geringem Umfange am Aufbau beteiligt werden, da die Fran 
zosen deutsche Architekten und Unternehmer ablehnen, da sie für diese 
zeichnerischen und Entwurfsarbeiten, die nur nach ihren Ideen gemacht 
werden sollen, selbst genügend Kräfte besitzen. Es ist deshalb durchaus 
wichtig, daß Ihre Herren Mitglieder sich nicht zu großen Hoffnungen in 
dieser Richtung hingeben.“ 
U ntertunnelung Jerusalems. Ein großartiger i n - 
genieurplan für Palästina, der auch die Untertunnelung Jerusalems 
einschließt, ist von einem norwegischen Ingenieur, Albert Hiorth, aus 
gearbeitet worden; er verfolgt das Ziel, das Mittelländische Meer und das 
Tote Meer durch große Kräftestationen miteinander zu verbinden. Der 
Plan sieht einen Tunnel von etwa 60 km vor, der unter Jerusalem durch 
geht, um Wasser zu dem tieferen Ende des Jordantales und zum Toten 
Meere zu führen, wo eine Kraftstation Licht und Kraft für das ganze Land 
bringen soll. 
er Präsident des INSTITUTS DER BRITISCHEN ARCHI 
TEKTEN hat mit Zustimmung des Foreign Office einen Aufruf 
des Wiener Ingenieur- und Architektenvereines folgendermaßen erwidert: 
„Obwohl wir die gerechte Strenge der Friedensbedingungen erfassen, 
würden wir Ihrem Appell größeres Gewicht beilegen, wenn Ihre Gesell 
schaft während des Krieges irgendwelche Schritte unternommen hätte, um 
die infame Zerstörung jener Architekturwerke, deren ungeheuren Wert für 
die Welt Ihre Gesellschaft zu würdigen durchaus kompetent war, durch 
die Verbündeten Ihres Landes zu verhindern oder öffentlich dagegen zu 
protestieren. Nichtsdestoweniger möchten wir hoffen, daß die Ihrem Lande 
auferlegten Bedingungen sich als nicht so vernichtend zeigen werden, 
wie es Ihre Entschließung befürchtet, und daß wir nach der Unterzeichnung 
des Friedens iri der Lage sein werden, die Beziehungen mit Ihrer Gesell 
schaft zur gemeinsamen Förderung der Kunst der Architektur wieder auf- 
zunehmen.“ 
olgender amtlicher Bericht wird von dem Pariser Cöngffes de la 
navigation (BINNENSCHIFFAHRTSKONGRESS) Über den 
Abschluß seiner Arbeiten micgeceilt; z. Der Kongreß hält seinen Antrag 
bezüglich der Dringlichkeit der Gründung des Kanals du Nord-Est auf 
recht. 2. Es wird vorgeschlagen: a) die Schleusen des RHEIN-MARNE- 
KANALS und der Kohlenkanäle der SAAR zu verdoppeln und auf der 
früherer Zeiten; in solchen Anregungen war Oeheimrat Seeßelberg übrigens 
Schon vor dem Kriege anregend vorgegangen, z, B. durch das Buch 
„Das flache Dach im Heimatbüde“. Das neue Buch des Reichsverbandes 
gibt nun auch manches Material für Grundrißbildung und Hausform. 
Die richtige ästhetische Anpassung der letzteren an die Naturbaustoffe 
muß jedoch noch der Zukunft Vorbehalten bleiben; der Verfasser hat mit 
Recht darauf hingewiesen, daß der Siedlungsbau durchaus auch in Zukunft 
mit Hilfe des Architekten durehgefUhrt werden muß. Andererseits aber 
kann sich nach den in der Schrift gegebenen Anleitungen der Siedler 
selbst genügend am Hausbau betätigen, um Ersparnisse zu erzielen. 
Otto Micbelsen, Architekt. 
ganzen Länge dieser Kanäle elektrischen Betrieb einzu führen; b) die 
MOSEL zwischen Metz und dem Unterland Diedenhofens zu kanalisieren 
und Nebenarme der Ome und Fentsch zu bauen. Die Mosel muß so 
ausgebaut werden, daß Rheinschiffe von xaoo t darauf verkehren können. 
Auch die Nebenarme zur Orne und Fentsch müssen in ihren Anfängen 
solche Schiffe fassen können und in ihrem weiteren Laufe Schiffe bis zu 
600 t; c) der Ornekanal muß bis zum Kanal der Chlers erweitert werden 
können. Die Aufmerksamkeit der Behörde wird auf die Wichtigkeit eines 
Kanals gelenkt, der bis Longuyon ginge, sowie auf die Bedeutung einer 
durch diesen Kanal herzustellenden Verbindung der Mosel mit dem Kanal 
der Chiers, entsprechend den Vorschlägen der luxemburgischen Dele 
gierten. 3. Eine wirtschaftliche Untersuchung soll später Uber alle übrig- 
bleibenden Wege eingeleitet werden, wobei alle Interessenten ihre Be 
dürfnisse und Wünsche angeben sollen. Gleichzeitig soll die Tonnage 
angegeben werden, die auf den normalen Wasserwegen für die betreffende 
Industrie transportiert werden soll. 
TÄDTISCHE KLEINWOHNUNGSBAUTEN IN GERA- 
REUSS. Zur Linderung der hier immer schärfer auftretenden 
Wohnungsnot ist neben der Bautätigkeit des Gemeinnützigen Bauvereins 
und der Baugenossenschaft Tür Beamte und Arbeiter neuerdings auch die 
Erstellung von Wohnungen in stadteigener Regie nötig geworden. Die 
städtischen Kollegien waren schon im Juni d. J. auf Grund einer vom 
Stadtbaurat Luthardt unter Mitwirkung von Regierungsbaumeister Kerz 
verfaßten Wohnungsbaudenkschrift der Ausführung städtischer Wohnungs 
bauvorhaben nähergetreten. Nachdem die Bauvorhaben zunächst wegen 
unzulänglicher Reicbszuschüsse zurückgestellt wurden, haben nunmehr 
die städtischen Kollegien beschlossen, die Bauten wenigstens zum Teil, 
d. h. zunächst 16 Kleinwohnungshäuser, meist Vierfamüienhäuser, an der 
Straße 66 auszufUbren. Die Qesamtkoaten sind neuerdings auf Uber 
2 \' t MU1. Mk. veranschlagt, wovon nur der staatsantelUge Zuschuß un 
gekürzt ln Aussicht gestellt, während der Relchszuschuß in Ermangelung 
weiterer Mittel bedauerlicherweise auf nur ijoooo Mk. bemessen worden 
ist. Die Vorbereitungen sind so weit gediehen, daß mit der Ausführung 
sofort begonnen werden kann. 
D as Münchener Wohnungsamt und seine 
TÄTIGKEIT IM GESCHÄFTSJAHR 1918/19. Einen 
außerordentlich interessanten Bericht Uber die Tätigkeit des Münchener 
Wohnungsamtes vom 1. April 1918 bis 1. April igig, den der Direktor 
des Amtes, Regierungsbaumeister Dr.-Ing. A. Gut erstattet hat, Hegt in 
einer 43 Seiten starken Schrift im Druck vor. Der Bericht enthält An 
gaben Über den Umfang der Wohnungsnot in München (es fehlen 
11331 Wohnungen aller Größenklassen, darunter 8407 Kleinwohnungen), 
sowie Uber die Beschaffung von Wohngelegenhelten zur Steuerung der 
Wohnungsnot, ln diesem Abschnitt sind wohl olle Maßnahmen zu finden, 
die überhaupt zur Bekämpfung diesem Notstandes irgendwo ergriffen 
worden sind. Was zur Beschaffung von Wohngelegenhelten zur vorüber 
gehenden Unterbringung Wohnungsloser, sowie zur Unterbringung auf 
längere Zeitdauer und zur dauernden Unterbringung geschehen ist, wird 
ausführlich und vor allem durch Beigabe genauer Tabellen geschildert.
	        
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