Path:
Volume H. 1/2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 16.1919 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
23 
provisorische Teile eingeschaltet werden, indem die Straßen 
bahn vorerst durch die Hirschauerstraße nach Norden ge 
leitet und in Schwabing mit Hilfe der schon vorhandenen, 
dem Zwecke anzupassenden Straßen ein Anschluß zur 
Ungererstraße gesucht-wird. 
Der neue Vorschlag, der aus der neuesten Stadtentwick 
lung herauswuchs, beachtet nebenbei auch noch zwei andere 
Wünsche: sobald durch die Presse bekannt geworden ist, 
daß die Stadtverwaltung die seit Jahren geplante Verkehrs- 
Straße durch den Englischen Garten als Notstandsarbeit zur 
Steuerung der Arbeitslosigkeit ausführen will, erhoben die 
Anwohner der Maria-Josefa- und Martius-Straße Einspruch 
gegen die Führung der Verkehrsstraße nach dem bisherigen 
Projekt mit der Begründung, daß die an den genannten 
Straßen entstandenen Wohnlagen dieses Viertel nur mit 
Rücksicht auf die durch die Nähe des Englischen Gartens 
gegebene Ruhe, abseits des Verkehrs, gewählt hätten. Stich 
haltig ist diese Entgegnung freilich nicht, da das Straßen 
projekt schon seit mehr als 15 Jahren der Allgemeinheit be 
kannt ist; die Baulinien sind seit dieser Zeit auf die Füh 
rung der Trasse zur Martius- und Maria-Josefa-Straße zu 
geschnitten, Gleichzeitig mit dem erwähnten Einspruch 
wurde den städtischen Behörden auch der Wunsch der 
Arbeiter einer an der Hirschauer StrafhT’ liegenden Fabrik 
vorgebracht, die die Straßenbahn an ihrer Betriebsstätte vor 
beigeführt wünschten. Beide Anträge zielten darauf ab, an 
Stelle der bisherigen Trasse, eine weiter nördlich gelegene 
zu wählen. Und auch die Vereine für Heimatschutz und 
MITTEILUNGEN. 
U NTER DEM NAMEN „SIEDELUNGSWERK NÜRN 
BERG“ hat der Bayerische Staat mit dem Kreise Mittelfranken 
und der Stadtverwaltung Nürnberg einen Zweckverband geschlossen, der 
die Aufgabe bat, zwei großzügige Siedelungsanlagen bei Nürnberg zur 
Ausführung zu bringen; Dadurch, daß dem Zweckverband durch eine 
Verordnung des Gesamtministeriums des Freistaates Bayern die Eigen 
schaft einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes verliehen wurde, ist das 
Unternehmen von vornherein allen kapitalistischen Bestrebungen entrückt 
und seine Durchführung in wahrhaft sozialem Geiste gesichert. Das 
Unternehmen ist seinerzeit vom Kommando des 11L Armeekorps in Nürn 
berg aufgegriffen und in etwas zu selbständiger Weise in Angriff genommen 
worden. Durch die Bildung des Zwcckvcrbandes ist es jetzt auf festere 
Füße gestellt, so daß nunmehr mit seiner Verwirklichung gerechnet werden 
kann, sobald die erforderlichen Baumaterialien zu beschaffen sind. Wie 
umfangreich die Planung ist, ergibt sich daraus, daß es sich bei der 
ersten der beiden beabsichtigten Siedelungen um eine Gartenstadt von 
rund 1000 Wohnstätten handelt, von denen jede einen Garten von etwa 
500 qm erhalten soll, während die zweite Siedelung Platz für rund 
400 Familien schaffen soll, wobei das zu jedem Anwesen gehörige Nutz 
land sogar 1 Tagwerk umfassen soll. Die erste Anlage ist in unmittel 
barer Nähe Nürnbergs, beim Dorfe Ziegelstein, die zweite etwas weiter 
entfernt am Walddistrikt Buchenbühl (beim Paulusstein) an der Bahn 
nach Heroldsberg gedacht. Die HolzfäÜungsarbeiten auf dem dem Staat 
gehörigen Grund und Boden sind bereits ziemlich weit gediehen, während 
der beschleunigten Durchführung der Bauarbeiten der Mangel an Bau 
stoffen empfindlich Im Wege steht, Dr, Gut, 
n Görlitz ist die GÖRLITZER BAU - GEMEINSCHAFT 
(QOEBAG), Obermarkt za, mit einem Stammkapital von a 000000 Mk. 
in gemischt-wirtschaftlicher Form unter Haftung der Stadt Görlitz ge 
gründet worden. 
Der Zweck der Gemeinschaft ist, den Bau von Häusern mit ge 
sunden, zweckmäßig eingerichteten Wohnungen unter Bevorzugung des 
Naturpflege erhoben Einwendungen gegen das bisherige 
Straßenprojekt und sprachen sich dahin aus, daß eine Straße 
südlich des Kleinhesseloher Sees eine Störung der Ruhe und 
des Englischen Gartens bringen würde, was unbedingt ver 
mieden werden soll; auch von dieser Seite aus wurde die 
Führung der Straße nördlich des Kleinhesseloher Sees in 
Vorschlag gebracht. 
Innerhalb der Stadtverwaltung ist selbstverständlich 
der große Wert des Englischen Gartens nach jeder Richtung 
erkannt, genau wie in den Kreisen, die ihn nunmehr zu 
schützen sich bemühen; die Stadtverwaltung beachtet auch 
die von Interessentengruppen eingebrachten Forderungen, 
wenn damit nicht allgemeine Interessen gefährdet sind. 
Die Vorarbeiten beweisen, daß sich die Stadtgemeinde den 
Schutz des Englischen Gartens schon zu einer Zeit ernst 
lich hat angelegen sein lassen, zu der sich noch keine der 
nun auf den Plan erscheinenden Gruppen mit der Frage 
beschäftigte, so daß die Gewähr als gegeben erachtet werden 
muß, daß das Endergebnis der Verhandlungen eine Lösung 
ist, die den mehrfachen Wünschen entsprechen wird; die 
städtischen Behörden und die Verwaltung des Englischen 
Gartens gehen darin einig. Ethische Werte zu schützen, ist 
nun eine, wichtigere Aufgabe als je geworden, besonders 
wichtig in einer Zeit, wo der- Ausblick auf die Zukunft er 
kennen laßt, daß eiserne Unabwendbarkeit alle Kreise zur 
Einschränkung in materiellen Genüssen und Wünschen 
zwingt. 
Kleinwohnungsbaues zu fördern und alle Kräfte, welche dem Zwecke 
dienen können, zu vereinigen. Neben dem Ankauf und Aufschluß von 
Baugelände und Abgabe zum Eigentum oder Erbpacht, der Beratung und 
Unterstützung von Baulustigen in allen Baufragen, soll besonders 
der Ankauf von Baustoffen und Bauteilen im großen und Abgabe im 
kleinen, die Prüfung und Anwendung von geeigneten Bauverfahren zur 
sparsamen Bauweise und der Ankauf und Betrieb von Unternehmungen, 
und Fabriken zur Herstellung von Baustoffen durchgeführt werden. 
ALKBEWIRTSCHAFTUNG. Die Vcrlustprcise infolge Über 
erzeugung haben viele Jahre vor dem Kriege die Kalkwerke der 
wichtigen Erzeugungsgebiete zu Verkaufsvereinigungen zueammengeführt. 
Die stockende Bautätigkeit tat das ihrige, um nicht lebensfähige Kalkwerke 
zur Betriebseinstellung zu zwingen. Betrieben, die in der Hoffnung auf 
bessere Zeiten unter Opfern aufrecht erhalten wurden, gab schließlich der 
Krieg den Todesstoß. So sind überall im Lande ihrem Schicksal über 
lassen gebliebene Kalköfen anzutreffen, deren Baufälligkeit schon von 
weitem auffällt. Die von der Reichsregierung verfügte Kalkbewirtschaftung 
durch den Deutschen Kalk-Bund hat neue Hoffnungen erweckt. In den 
baufälligen, verlassenen Kalköfen regt es sich. Man glaubt, daß der Kalk- 
Bund schon für Kohlen' sorgen wird. Keine Hoffnung kann trügerischer 
sein als diese. Auf Jahre hinaus ist mit einem Kohlenmangel zu rechnen. 
Sparsame Wirtschaft ist vaterländische Pflicht. Die allgemeine Teuerung 
verlangt wirtschaftlichste Ausnutzung der Betriebe, Einen vorbildlichen 
Schritt auf diesem Wege hat bereits der Verein deutscher Kisenhütten- 
leute durch Schaffung einer Überwachungsstelle für Brennstoff- und 
Energiewirtschaft auf Eisenwerken getan. Auch vom Deutschen Kalk- 
Bunde aus kann nur eine Kohlenzuweisung vom Standpunkte der Brenn- 
-stoffersparnis in Betracht kommen. Darum werden peinliche Betriebs 
statistiken geführt, durch die der Kalk-Bund die wirtschaftlichsten Betriebe 
zu ermitteln sucht. Solange die Kohlennot kaum den dringendsten Kalk 
bedarf zu decken vermag, kann Jteine Kohlenvergeudung getrieben werden. 
Wie in der Ziegelindustrie läßt sich auch in der Kalkindustrie di* B<-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.