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Volume Literatur-Bericht No. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 16.1919 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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wertvolle Anregungen zu geben. Mit Recht hebt er hervor» 
daß für öffentliche Gebäude die größte Sparsamkeit am 
Platze ist, es dagegen Zweizimmerwohnungen in Zukunft 
nicht mehr geben darf. Seine Mitteilungen über die Ver 
wendung ungebrannter Formsteine sind überzeugend. Er 
weist darauf hin, daß z. B. fast ganz Babylon, Paläste, Tem 
pel und Privathäuser, Umfassungsmauern usw., aus un 
gebranntem Lehmstein, teilweise bis zu den untersten Fun 
damenten hinunter, gebaut waren. Auch Ägypter, Griechen 
und Römer haben den Lehmstein verwendet, der Bau mit 
ungebrannten Steinen ist auf der ganzen Erde verbreitet ge 
wesen und hochgeschätzt worden. In weiteren Ausführun 
gen beschäftigt sich Siebold mit dem Mörtel, mit der Mög 
lichkeit von Ersparnissen beim Zusammenmauern, mit der 
Frage der höchsten Vervollkommnung der Bausteine zum 
Mauern zwecks höchster Erleichterung des Zusammen 
baues. Er verweist hierbei insbesondere noch auf den 
Schwemmstein, den er nach eigenen 27jährigen Erfahrungen 
bei den verschiedensten ein- und mehrstöckigen Häusern für 
den besten Stein Deutschlands zum Wohnhausbau erklärt. 
Sehr beachtenswert sind seine Ausführungen über die Ver 
einigung der möglichst unvorbereiteten Baustoffe an Ort 
und Stelle in einem einheitlichen Arbeitsvorgang zu einer 
fertigen Wand. Er hält eine Umschulung unserer Bauweise 
bezüglich des Mauerwerks nach folgenden klar heraustreten 
den Richtlinien für notwendig: 
1. Beseitigung des gebrannten Ziegelsteins als Haupt 
bestandteil des Mauerwerks. 
Bei Beihaltung der jetzigen Art des Mauerwerks: 
2. Höchste Vereinfachung in der Vorbereitung der Bau 
stoffe durch Herstellung von ungebrannten Steinen 
aller Art aus den jeweilig zur Verfügung stehenden 
natürlichen Baustoffen und Abfällen durch Trocken 
pressen oder ähnliche Verfahren und Vereinfachung 
des Mörtels, 
3. Höchste Vorbereitung der Baustoffe durch ihre Ver 
einigung zu großzelligen Steinen oder Mauerteüen. 
4. Die Vereinigung der jeweilig vorhandenen natür 
lichen Baustoffe möglichst unvorbereitet zu einer 
Wand durch einen einheitlichen Arbeitsvorgang: den 
Guß- und Stampfbau. 
Die Abschaffung der Baupolizei für den 
Wohnhausbau. Von Karl Siebold. Verlag des 
Deutschen Vereins Arbeiterheim in Bethel. 
Ganz so radikal wie die Überschrift sind die Vorschläge 
Siebolds nicht. Daß die Baupolizei oftmals versagt hat und 
keineswegs immer eine Förderin zweckmäßiger Bauweise 
war, ist bekannt. Auch die Schematisierung, die Gleichstel 
lung von Groß- und Kleinhaua hinsichtlich Feuersicherheit 
und Standfestigkeit, sind wesentliche Fehler einer früheren 
baupolizeilichen Verwaltung; aber das hat sich alles inzwi 
schen erheblich zum Besseren gewandelt, und die neuesten 
ministeriellen Erlasse über Förderung des Kleinwohnungs 
baues und Gewährung von Erleichterungen für den Mittel 
und Kleinhausbau kommen jenen Wünschen in weitgehend 
stem Maße entgegen. Siebold ist indessen mit diesen Er 
lassen noch nicht zufrieden, er wünscht hinsichtlich des ein- 
und zweistöckigen Wohnhauses völlige Befreiung des Archi 
tekten von baupolizeilichen Vorschriften und will die volle 
Verantwortlichkeit des Bauleiters durchgeführt wissen. Die 
berufliche Durchbildung der Architekten müsse dement 
sprechend vertieft werden. Mit der Baupolizei müßten 
gleichzeitig die Bauberatungsstellen verschwinden, welche 
stellenweise zu einer Plage des Publikums geworden seien. 
Die Erschließung baureifen Geländes dagegen müsse allein 
in die Hand der städtischen Verwaltung bzw, der Baupolizei 
gelegt werden. Er nähert sich schließlich bodenreforme- 
rischen Forderungen, wenn er die Überführung des Bodens 
in Gemeinbesitz an allen Stellen verlangt, wo er für Wohn- 
und Arbeitszwecke notwendig ist. Sein weiteres Verlangen 
eines allgemeinen Verbots des Hochbauens für Wohnzwecke 
geht aber doch wohl zu weit. Es sind aber im großen und 
ganzen recht gesunde Gedanken und Anschauungen, die 
Siebold entwickelt. 
Kommunales Jahrbuch. Herausgegeben von 
Dr. H. Lindemann, Bürgermeister a. D., Dr. R. 
Schwander, Dr. A. Südekum. Verlag Fischer, 
Jena, Preis brosch. 35 Mk., geb. 30 Mk. 
Das Buch bildet ein glänzendes Zeugnis für die Tätig 
keit der städtischen Selbstverwaltung, es gibt ein reiches 
Bild von dem vielgestaltigen Schaffen der Städteverwaltun 
gen während des Krieges. Es ist nicht zu viel gesagt, daß 
ohne diese fruchtbare Mitarbeit der Städte das deutsche Volk 
nicht imstande gewesen wäre, den Krieg gegen eine Welt 
von Feinden mehr als vier Jahre lang zu führen. Der Inhalt 
des Buches bringt aber auch eine große Anzahl Anregungen, 
die für die Zukunft unseres Volkes von großer Bedeutung 
sind. Die Fülle des behandelten Stoffes kann hier auch 
nicht annähernd wiedergegeben werden; es ist aber alles 
beste Auslese, wie denn auch die Mitarbeiter zu den besten 
Köpfen gehören. Nur einzelne Kapitel seien hier erwähnt, 
so die Leistungen der Gemeinden auf Grund des Kriegs 
leistungsgesetzes, die Fürsorge für die Familien der Kriegs 
teilnehmer, Kriegsbeschädigtenfürsorge, Fürsorge für Er 
werbslose, Städtebau und Wohnungswesen, die Fürsorge für 
die Ernährung, Finanz- und Steuerwesen, die Tätigkeit der 
Frauen in der kommunalen Kriegsfürsorge während des 
Krieges. Das Buch bietet ein bedeutendes Material zum 
Studium praktischer Volkswirtschaft und Sozialpolitik, alle 
Theorie ist abgestreift, nüchtern treten uns die Tatsachen 
vor Augen, und doch oder vielmehr gerade dadurch zeigen 
sie uris ein fundamentales Werk deutscher Verwaltung und 
deutschen Volkslebens. Sein Inhalt, der übrigens zum Teil 
nicht die ganze Kriegszeit umfaßt, bietet nicht nur unserer 
Kommunalwirtschaft, sondern auch der Staatswirtschaft 
wertvollen Stoff für eine fruchtbare, aufbauende Tätigkeit. 
Der Normenausschuß der Deutschen In 
dustrie hat als Septemberausgabe ein Heft erscheinen 
lassen, das eine Zusammensetzung der Organe des Aus 
schusses enthält. Es ist dem Ausschuß in'der kurzen Zeit 
seines Bestehens gelungen, die weitesten Kreise zur Mit 
arbeit heranzuziehen. Die von ihm aufgestellten Normen 
gehen nicht aus Beratungen willkürlich zusammengesetzter 
Ausschüsse hervor, sie sind vielmehr das Ergebnis der un 
mittelbaren Mitarbeit aller Kreise der schaffenden Praxis. 
Seine Bestrebungen, die höchste Wirtschaftlichkeit und 
praktischste Gestaltung bei den Industrieerzeugnissen zum 
Ziele haben, kommen in hohem Maße der-Allgemeinheit zu 
gute und verdienen allseitige Unterstützung. Die Druck 
schrift ist gegen Erstattung der Selbstkosten von 1,50 Mk. 
von der Geschäftsstelle des Normenausschusses, Berlin 
NW. 7, Sommerstr, 4a, zu beziehen. 
Wagner, Die Sozialisierung der Bau 
betriebe. Preis 4 Mk. Karl Heymanns Verlag.
	        
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