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Volume Literatur-Bericht No. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 16.1919 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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(14,1846 qm). Für Groß-Berlin ausschließlich zweier kleiner 
Vororte wird der Gesamtimmobiliarwert auf 18—19 Mil 
liarden Mark angegeben. Was die Beleihungstätigkeit der 
Hypothekenbanken anbelangt, so wurde u. a. ermittelt, daß 
Anfang 1915 29 Banken 13420 Beleihungsobjekte mit 
2374,40 Mill. Mk. Beleihungskapital in Groß-Berlin ver- 
zeichneten. Von 9 Banken waren Angaben nicht zu er 
langen. 
Wohnungsnot und Mieterelend ist eine von 
Viktor Noack herausgegebene Schrift betitelt (Verlag 
Ernst Wasmuth-Berlin). Die Schrift beschrärlkt sich auf 
eine knappe Darstellung der gegenwärtigen Zustände im 
Wohnungswesen, besonders in Groß-Berlin, und auf eine 
Aufzählung der bisherigen gesetzgeberischen und organisa 
torischen Maßnahmen. Eine Anzahl photographischer Auf 
nahmen schlechter Wohnungen und guter Siedelungsanlagen 
bilden ein tatsächliches Material zur Veranschaulichung der 
gegebenen Verhältnisse. Gerade die knappe Darstellungs 
weise macht es leicht, mit Hilfe der Schrift einen Überblick 
über den Stand der Wohnungsfrage zu gewinnen. 
Vom Düre.rbund sind zwei neue Flugschriften im 
Verlage Callwey, München, herausgegeben. Die eine davon, 
„Der Wohnungsbau nach dem Kriege“, enthält Aufsätze von 
H ö g g und Schult z'), Sie sind anscheinend zu einer Zeit 
geschrieben, zu der der traurige Ausgang des Krieges noch 
nicht zu erkennen, war. Neues bieten sie nicht. Daß wir, 
wie Högg empfiehlt, heute unter Beiseitesetzung vieler Be 
denken nur darauf sehen müssen, schnellstens Wohnungen zu 
bauen, ist eine Forderung, die längst Allgemeingut geworden 
ist. Auch was Schultz wünscht, ist schon längst in die 
Praxis umgesetzt. Welche Leute die Reichshilfe zur Förde 
rung des Wohnungsbaues als Armenunterstützung angesehen 
haben möchten, ist mir nicht bekannt, jedenfalls ist bei der 
Gewährung der Reichshilfe hiervon keine Rede. Die Mei 
nung, daß die Bauten jetzt das Doppelte oder Dreifache als 
vor dem Kriege kosten würden, ist leider durch die Tat 
sachen überholt. Bekanntlich ist das Bauen heute um das “ 
Drei- bis Fünffache und noch mehr teurer als-vor dem Kriege. 
Die Schrift von Ernst Kühn „Ubergangs- 
Heimstätten-Siedelung“ (Zellenbau) 2 ) bietet da 
gegen viel Beachtenswertes. Der Verfasser entwickelt prak 
tischen Sinn, der ohne große Umschweife Wirklichkeitswerte 
schaffen will. Er empfiehlt Übergangsbauten einfachster 
Art aus Holz, die auf eine Zeit von etwa 10—20 Jahren das 
Bedürfnis decken, sowie der Produktion und Siedlung völlig 
freie Entwicklung gewähren. Neben Holz empfiehlt er die 
Verwendung von natürlichen Steinen, Lehm, Sand oder 
Kohlenschlacken. Im einzelnen schildert er, wie das Wohn- 
bedürfnis für Arbeiter, Handwerker, Landwirte usw. zu be 
friedigen ist. Er gibt auch die für die Wärmehaltung der 
Wohnungen notwendigen Anregungen. Eine Anzahl von 
Zeichnungen mit knapp gehaltenen Erläuterungen bilden 
eine wertvolle Ergänzung seiner Anregungen. Es sollte, 
wenn es nicht schon geschehen ist, dem Verfasser von den 
maßgebenden staatlichen Behörden Gelegenheit gegeben 
werden, seine Vorschläge praktisch durchzuführen. Die 
kleine Schrift verdient durchaus die Beachtung derjenigen, 
denen es mit dem Siedlungsgedanken ernst ist. 
’) Preis 0,40 Mk. 
*) Preis 1,50 Mk. 
Der Frage der Beschaffung geschmackvoller Klein 
wohnungsmöbel sind Musterblätter gewidmet, die Dipl.-Ing, 
Kurzrock, Hannover ausgearbeitet hat (Verlag 
Langenhagen, Hannover). Mit Recht hebt der Verfasser in 
einem Vorwort hervor, daß die Veredelung der gewerblichen 
Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Hand 
werk gerade jetzt besonders geboten erscheint. Es besteht 
jetzt mehr als je die Gefahr, daß infolge der starken Nach 
frage nach Möbeln sich die Pfuscharbeit mehr als je breit 
macht. Auf 54 Tafeln gibt Verfasser Entwürfe zu Klein 
wohnungsmöbeln wieder, die sowohl in der Formgebung recht 
geschmackvoll erscheinen, als auch eine günstige den Be 
dürfnissen entsprechende Raumausnutzung bieten. Die 
zeichnerische Darstellung von Einzelheiten erhöht den Wert 
des Buches für den praktischen Gebrauch. Auch der ein 
fachste Tischler dürfte imstande sein, nach diesen Entwürfen 
zu arbeiten. Die Sammlung sei hiermit bestens empfohlen. 
Unter dem Titel „Wohnungsnot und Heim 
stättengesetz“ macht der badische Landeswohnungsrat 
Dr. Hans Kampffmeyer Vorschläge hinsichtlich der 
Sozialisierung des Hausbesitzes. (Schriften zur Wohnungs 
frage, herausgegeben vom Badischen und Württembergischen 
Landeswohnungsverein, Heft 6. Verlag der G. Braunschen 
Hofbuchdruckerei in Karlsruhe. Preis 90 Pf.) Verfasser 
tritt mit großzügigen Vorschlägen zur Sozialisierung des 
Hausbesitzes hervor. Er will sämtliche Mieter und Besitzer 
von Miethäusern, die über 20 Jahre alten Untermieter, so 
wie die Besitzer von Eigenhäusern mit einem Mietwerte von 
mehr als 1000 Mk. innerhalb gewisser Bezirke zu Zwangs 
genossenschaften zusammenschließen. Die Mietwohnungen 
sowie alle für den Wohnungsbau und für die ländliche Siede- 
lung notwendigen Grundstücke werden in die Verwaltung 
dieser Verbände, die öffentlich-rechtlichen Charakter haben 
sollen, überführt. Ausgenommen sind ländliche Grund 
stücke, landwirtschaftlich benutzte Bodenflächen, soweit sie 
nicht als Bau- oder Siedlungsland benötigt werden, gewerb 
liche Betriebsgebäude und damit verbundene Dienstwoh 
nungen und Wohnungen der Betriebsinhaber. Die Verbände 
erhalten das Recht der Enteignung, sie sollen hiervon jedoch 
in den ersten zwei Jahren, keinen Gebrauch machen, um sich 
nicht mit zu großem Risiko zu belasten. Außer im Wege 
der Enteignung und der Übernahme der Verwaltung kann 
die Vergesellschaftung durch freihändigen Ankauf oder Aus 
übung des ihnen allgemein zustehenden Vorkaufsrechts er 
folgen. 
Als Entschädigung erhalten die Hausbesitzer die Mieten, 
welche am 1. Juli 1914 gezahlt wurden, abzüglich eines Be 
trages für Instandhaltung und Betriebsunkosten und einer 
Umlage für Mietausfälle, Lasten, die den Verband treffen. 
Der Hausbesitzer hat also aus dem ihm überwiesenen Be 
trage nichts weiter zu zahlen, als die Hypothekenzinsen und 
etwaige, ihn persönlich treffende Steuern. 
Der Verband erhebt von den Mietern außer seinen 
Selbstkosten einen Zuschlag zum Ausgleich der höheren 
Aufwendungen für Neubauten, Sanierungen und für Miet 
nachlässe an kinderreiche Familien. 
Jedes Mitglied hat so viel Heimstättenanteile zu je 
100 Mk. zu übernehmen, daß durch sie mindestens die Hälfte 
des jährlichen Mietwertes ihrer Wohnung gedeckt wird. Die 
Anteile sind unverzinslich. Je nach der Vermögenslage der 
Mitglieder sind die Anteile gleich voll oder durch monatliche 
Teilzahlung einzuzahlen.
	        
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