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Volume H. 9/12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 16.1919 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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im 18. Jahrhundert aus dem Umbau des alten Marktplatzes 
entstanden. Ein 130 m auf 50 m großes Rechteck, bietet er 
hauptsächlich wegen seiner guten Größenverhältnisse, der 
gleichmäßigen Hohe seiner Häuser und der guten Einfüh 
rung der wenigen Straßen einen vorzüglichen Eindruck, der 
noch erhöht wird durch das Hereinschneiden des in seiner 
Längsachse stehenden Beifrieds. 
Ein lauschiger Platz ist im ältesten Teile der Stadt in 
dem Place St. Ame dadurch entstanden, daß die Kathedrale 
der Revolution zum Opfer fiel und an ihrer Stelle ein Kreis 
von Bäumen gepflanzt wurde. Als nach dem Fallen der 
Mauern die Stadt sich ausdehnen konnte, wurde auch der 
als Viehmarkt benutzte Place du Badet rechteckig ab 
geschlossen; er ist für die niedrigen Häuser, die ihn um 
stehen, reichlich weitläufig; angenehm wirkt sein Abschluß 
durch die seiner Südostseite entlang geführte Allee mit dem 
dahinterliegenden Park. 
Die übrigen Platzanlagen der Stadt bieten keine be 
sonderen künstlerischen Momente; meist sind sie entstanden 
durch Zurücktreten der Straße vor einem größeren Gebäude, 
wie bei der Kirche St. Jaques und dem Justizpalaste, oder 
sie sind lediglich weitere oder erweiterte Straßen wie die 
Plätze Carnot, Maugin, St. Vaast; auch die Petite place und 
die neuerdings entstandene Place Thiers stellen nur Aus 
bauchungen der Straße bei der Zusammenmündung ver 
schiedener Straßen dar. 
Nach der Besitznahme Douais erließ die Regierung 
Ludwigs XIV. Verordnungen, welche auf eine möglichst 
gleichartige Ausgestaltung der einzelnen Straßenfronten hin 
zielten; die vielen gleichen und gleich hohen Häuser, die 
segmentförmigen Fensterabschlüsse sind unmittelbare Folgen 
dieser Vorschriften. Ihrer strengen Durchführung ist auch 
hauptsächlich die Umwandlung des Stadtcharakters von 
einer flandrischen Handels- in eine französische Provinz 
stadt zuzuschreiben. 
Ein kleiner Unterschied der Erscheinung zeigt sich 
lediglich in dem verschiedenen Charakter der mehr inner 
halb des mittelalterlichen Mauergürtels gelegenen Geschäfts 
stadt und der an der Peripherie, besonders der Rue 
d’Esquerchin, Rue de Morel und Quai du commerce liegen 
den Viertel der vornehmen Welt. 
Das große Viertel zwischen Rue des Wetz und Rue 
Morel nehmen fast ganz militärische und wissenschaftliche 
Institute ein, die alle in ganz regelmäßiger Form aufgeführt 
sind. Die neuen Straßen, die kurz vor Aufgabe des Festungs 
charakters besonders im Norden (Rue de l’Abbaye des Pr£s) 
angelegt wurden, und auch die wenigen Villenviertel, die 
nach Auflassung der Mauern entstanden, bieten wenig 
Beachtenswertes. 
Die Stadt hat schon im älteren und noch mehr im 
neueren Teile eine außerordentlich weiträumige Bebauung, 
ausgedehnte Gärten hinter den geschlossenen Häuserfronten 
und meist nur ein- bis zweistöckige Gebäude; sie bedeckt 
ein für ihre Einwohnerzahl (ca. 35000) unverhältnismäßig 
großes Gelände. Das neugewonnene Bauland nach Aufgabe 
des Festungscharakters wurde fast ausschließlich zur An 
siedlung von Industrie und für Kleinwohnungsbauten benutzt; 
nur im Südosten wurden die neuangelegten Boulevards, die 
allenthalben an den Platz der Mauern traten, spärlich mit 
Villen und Vorstadtpalästen besetzt. 
Je ein kleiner Teil des Geländes an den Boulevards im 
Süden und Norden wurde zu gärtnerischen Anlagen ver 
wandt, die bei dem Fehlen von öffentlichen Gärten in der 
Stadt ein dringendes Bedürfnis waren. Der im Anschluß 
an den Place du Barlet geschaffene Südpark bietet in seinem 
erhöhten rückwärtigen Teil einen köstlichen Überblick auf 
die Türme der Stadt. 
Wenig glücklich ist die Einführung des Bahnhofsver 
kehrs in das Straßennetz gelöst. Der Ankommende betritt 
zwar nach Verlassen des Bahnhofes einen in seinen Ver 
hältnissen guten viereckigen Platz, wird aber dann an Seiten- 
und Rückmauern vorbei im Winkelzuge zur Place Carnot 
geführt, von dem aus er erst den Eintritt in die Stadt ge 
winnt. Die einzige Möglichkeit, durch die Rue de la Station 
in die Stadt zu gelangen, erfordert schon bei nahen Zielen 
umständliche Umwege. Da der Bahnhof innerhalb noch der 
Umwallung gesetzt wurde, ist auch hier wie in Arras die 
Anlage einer Bahnhofsstraße erspart worden. 
DER BEBAUUNGSPLAN FÜR DAS GEBIET 
ZWISCHEN DEM WEINHEIMER WEG UND DER 
SPINNEREISTRASSE IM STADTTEIL SANDHOFEN 
AUF DER GEMARKUNG MANNHEIM. 
Von Stadtbauinspektor EHLGÖTZ, Vorstand der Abteilung Stadterweiterung in Mannheim. Hierzu die Tafeln 56—58. 
Für das Gebiet zwischen Weinheimer Weg und Spin 
nereistraße hatte Sandhofen noch kurz vor der Eingemein 
dung in die Gemarkung Mannheim Bau- und Straßenfluchten 
durch den Bezirksrat feststellen lassen. Diese Bau- und 
Straßenfluchten können für die Erschließung dieses Gebiets 
nicht beibehalten werden, da der Plan dem örtlichen Be 
dürfnis nicht genügend Rechnung trägt, auch städtebau- 
künstlerischen Bedingungen für einen neuen Ortsteil wider 
spricht. Der frühere Plan soll deshalb durch den neuen Be 
bauungsplan (Tafel 56) ersetzt werden. Bei dem Entwurf 
des Bebauungsplanes war zunächst für eine günstige Ver 
teilung des Verkehrs der Spinnereistraße Sorge zu tragen. 
Die Spinnereistraße wird im künftigen Ortsbauplan von 
Sandhofen die Bedeutung einer Hauptverkehrsstraße be 
kommen. Die Straßen im ausgebauten Ortsteil weisen alle 
verhältnismäßig geringe Breitenabmessungen auf. Es 
wurde deshalb erstrebt, allen Verkehr, der nicht nach Sand 
hofen selbst bestimmt ist, von dem heutigen Ortsteil fernzu 
halten. Dies soll in der Weise erreicht werden, daß von 
einem Verkehrsplatz der Spinnereistraße (Js) je ein Ver 
kehrszweig nach Norden und nach Süden abzweigt, der die 
Verbindung mit den auf der Ostseite und Südseite von Sand-
	        
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