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Volume H. 9/10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

15. Jahrgang 
1918 
Doppelheft 9/10 
96) 
JDTEBAU. 
«EORflNDCTVON 
MDnflT^CnRIPT 1 
FÜR DIE KÜNSTLERISCHE AUSGESTALTUNG DER*! 
STÄDTE NACH IHREN WIRTSCHAFTLICHEN, 
GESUNDHEITLICHEN UND SOZIALEN GRUNDSÄTZEN 
MIT EINSCHLUSS DER LÄNDLICHEN SIEDELUNGSANLAGEN UND DES KLEINWOHNUNGSBAÜES 
INHALTSVERZEICHNIS: Der Gardeducorps-Platz ln Cassel. Von Stadtbauinspektor Labes in Cassel. Dazu Tafeln 47—54* — Städtebaukunst und 
Baupolizei« Von Franz A. Landwehr, Berlin-Schlachtensee. — Bergarbeiterwohnungen in Oberschlesien. Von A. Kind, Architekt, Hindenburg (Ober- 
Schlesien). Dazu Tafeln 55—59. — Praktisches für den Gemüsegarten des Selbstversorgers. Von Emil Gienapp, Hamburg. — Eingebaute oder frei 
gelegte Kirchen? Geschichtliche und künstlerische Probleme. Von Dr. Fritz Hoeber, Frankfurt (Main). — Neue Bücher und Schriften.' — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Scbriftleitung verboten. 
DER GARDEDUCORPS-PLATZ IN CASSEL. 
Von Stadtbauinspektor LABES in Cassel. 
Der Gardeducorps-Platz: in Cassel wird nach dem Krieg 
eine städtebauliche Wiedergeburt erleben. Jahrzehntelang 
vernachlässigt, schien er dem Schicksal, zu einem drei 
eckigen, künstlerisch bedeutungslosen Verlegenheitsplatz 
zusammenzuschmelzen, verfallen zu sein. 
Noch Im Jahre 1800 besaß er die alte, gute Gestalt, die 
ihm Cassels berühmter Baumeister Simon Louis Du Ry 
gegeben hatte (Abb. 1 im Text). Du Ry erbaute im Jahre 
1768 auf der Nordseite die zweigeschossige langgestreckte 
Gardeducorps-Kaserne in Rokokoform und ihr gegenüber, 
durch einen breiten, freien Platz getrennt, drei zweigeschossige 
Pavillons in symmetrischer Anordnung und in engen künst 
lerischen Beziehungen zur Kaserne. Hohe Gartenmauern 
und die Baumkronen der regelmäßig angelegten Gärten 
verbanden die Pavillons zu einer geschlossenen, langen 
Platzwand, die ein feines Gegenstück zu der Kaserne 
bildete. Im Osten schloß die Häuserreihe der Wilhelm- 
Straße den Platz ab. Im Westen dagegen weitete sich der 
Platz und erhielt seine Abgrenzung gegen die Vorstadt 
gärten durch die Stadtmauer und gegen die schräg ein- 
fallende alte Wilhelmshöher Allee (jetzt Köhigstor genannt) 
durch niedrige Torbauten in klassizistischen Formen (siehe 
Textbild 2). Symmetrisch zur schrägen Stellung der 
mit Säulenvorhallen und reichen Giebeln geschmückten 
Tore war in der Axe der alten Wilhelmshöher Allee eine 
achteckige Pferdeschwemme mit ringsum gestellten Bäumen 
angelegt worden. Um 1790- wurde hier an der Südseite, an 
die sich Gärten anschlossen, noch ein freistehendes ein 
geschossiges Gebäude, die sogenannte Reithalle, errichtet. 
Was war aus dieser schönen Platzanlage im 19. Jahr 
hundert geworden? Zuerst fiel die achteckige Teichanlage 
mit ihrer grünen Umgrenzung. Sie mußte einem Anbau an 
die Gardeducorps-Kaserne, der im Jahre 1821 hergestellt 
wurde, weichen und wurde dicht an die westliche Stadt 
mauer herangeschoben (Abb. 3 im Text). Dann wurde 
die westliche Häuserreihe der Fünffensterstraße bis dicht 
an die Reithalle heran vorgerückt und dadurch die Wirkung 
der Reithalle als freistehenden Bau verdorben. Dasselbe 
geschah mit dem westlichsten der drei Pavillonbauten, an 
den die Häuser der östlichen Häuserreihe der Fünffenster 
straße in schräger Flucht angelehnt wurden. Damit war 
der vornehme Charakter des Platzes arg beeinträchtigt, wie 
der Plan um 1850 zeigt. Um diese Zeit hatte das plan 
mäßige städtebauliche Schaffen offenbar schon nachgelassen. 
Die zugrunde liegende Gesamtidee für den Platz scheint 
verloren gegangen zu sein, denn dem auflretenden Einzel 
bedürfnis, wie der Befriedigung der Beschaffung von Bau 
plätzen für die sich dehnende Oberneustadt wird ohne
	        
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