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Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Ausschnitt aus dem Plan der Stadt Hamm. M. i : 5000. 
turstück der drei anderen Platzwände in die Erscheinung, 
Da ein weitergehender Einfluß auf die Frontgestaltung des 
Empfangsgebäudes nicht besteht, diese Empfangsgebäude 
auch in ihrem Aufbau meist eine starke Auflösung zeigen, 
ist die Wiederkehr dieses Säulenmotivs vor der vierten 
Platzwand im Interesse einer einheitlichen Platz 
wirkung sehr erwünscht. Für feste Grünanlagen 
kommt ein Platz dieser Größe noch nicht in 
betracht. Eine Anwendung von lebendem Grün 
kann aber in der Weise geschehen, daß in 
tragbare Kasten oder Terrakotten gepflanzter 
Baum- und Blumenschmuck vor den Platz 
wänden zur Aufstellung gelangt. 
Gegenüber einem aufgelösten Empfangs 
gebäude und dem Einschneiden von vier Straßen 
zügen müssen sich die drei anderen Schauseiten 
des Platzes möglichst ruhig und groß geben. Das 
wirksame Motiv des-Säulenganges muß am Platze 
das herrschende bleiben; auch wegen der Gefahr 
der Verwässerung mußte der Säulengang von 
den eigentlichen Straßen ferngehalten werden. 
Eine ungenügende Belichtung der hinter dem 
Säulengang gelegenen Räume ist nicht zu be 
fürchten, da der Gang bei 3,50 m Thfe eine lichte 
Höhe von 6,20 m besitzt. Gerade das Zurück 
schieben der Ladenfensterflucht von der Bau 
front ermöglicht erst eine vollständige Auflösung 
dieser Kolonnadenrückwand in Glas und schmale 
Pfeiler und damit eine vorteilhafte Belichtung der 
Ladenräume. 
Die Hauptgesimslage ist mit rund 19,50 m 
angenommen. Bei der Einsicht in die Luden 
dorffstraße ist angedeutet, daß sich die Entwick 
lung dieser Straßenfronten wieder unabhängig 
von den Platzfronten geben kann. 
An ihrem anderen Ende stößt die Hinden- 
burgstraße auf den Zug des Kaiser-Wilhelm- 
Ringes. Der an dieser Stelle vom Stadtbauamt 
vorgesehene Platz mit geschlossener Bauweise 
wurde in festere Form gebracht. Ein in den 
Platz einspringender 40 m breiter Baublock kann durch 
einheitliche Bebauung einen hervorragenden Punkt im Zuge 
des Kaiser-Wilhelm-Ringes abgeben; dem Platze selbst 
würde er bei Zurückhaltung der anderen Platzseiten die 
bestimmende künstlerische Note verleihen. 
VOM WESEN DER ARCHITEKTUR. (Siehe auch die literarische 
Zeitschrift „Schweizerland“.) 
Von HANS BERNOULLI, Basel (3 Teile). 
Die Architektur ist eine jener großen uns 
umgebenden Mächte, die dunkel auf uns ein 
wirken durch die Gewalt ihres Daseins und 
doch so fremd und unbekannt bleiben. Viel 
leicht vermag diese Betrachtungsweise Augen 
zu öffnen, die vom täglich gewohnten Anblick 
stumpf geworden sind. Der Verfasser. 
I. 
Programmarchitektur und abstrakte Kunst. 
Die Sonderstellung der Baukunst unter den bildenden 
Künsten leitet sich her von der Rolle, die in der Architektur 
das Bauprogramm spielt. Die Kenntnis des Programmes 
gibt einen ganz besonderen Maßstab für die Beurteilung der 
Reife und Schönheit einer Architektur — man wird etwas 
vom Wesentlichen der architektonischen Kunst kennen 
lernen/ wenn man bei einem Bau dem Grad der Durch 
dringung von Programm und Architektur nachgeht. Das 
weite Gebiet der architektonischen Kunst läßt sich geradezu 
einteilen in einen Bezirk der Programmarchitektur und ein 
Gebiet, wo die freie, abstrakte Kunst waltet, dazwischen 
Strecken mit Übergangserscheinungen der verschieden 
sten Art. 
Der Programmarchitektur eignet eine gewisse Durch 
sichtigkeit: als ein dünner Schleier nur erscheint die Archi 
tektur dem Bauprogramm übergeworfen, das fertige Gebäude 
läßt noch deutlich die Summe der Wünsche des Bauherrn 
erkennen. Man wird dem Gebäude von außen her ansehen, 
wo seine Haupträume liegen, wo Treppenhaus, wo Neben
	        
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