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Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
spaßhaft finden, daß öffentlichen Straßen und Plätzen 
noch immer jeder, reden und sich benehmen darf, wie er will, 
so ist das Gegebene doch viel, daß es bei weiser und sinn 
gemäßer Auslegung des Gesetzes eine für die Schönheit der 
Stadt- und Straßenbilder besorgte Baupolizeibehörde in 
stand setzt, auf das nützlichste zu wirken; und zwar ist auch 
hier wieder die allgemeine Bestimmung wertvoll, die sich 
in Ziffer 4 mit den Worten „sowie die einheitliche Gestaltung 
des Straßenbildes“ eingeschlichen hat. Es wird zum Beispiel 
bei der Vorlage der Bauzeichnungen für die Außenflächen 
der Wohngebäude auch eine Zeichnung verlangt werden 
können, die den Flächenentwurf zusammen mit den an 
grenzenden, bereits vorhandenen Außenflächen — also der 
Nebenhäuser — zeigt. Denn nur vor einem derartigen Bilde 
kann, die Frage entschieden werden, ob sich der Neubau dem 
künstlerischen Eindruck des Straßenbildes einfügt. Das 
selbe kann übrigens auch für Fabrikbauten und Geschäfts 
häuser vorgeschrieben werden, denn seine Sorge für die 
„einheitliche Wirkung des Straßenbildes“ hat das Gesetz 
nicht auf Wohnstraßen beschränkt, jedenfalls nicht auf die 
Straßen, in denen neben Wohngebäuden auch Fabriken und 
Handelshäuser stehen. 
Schließlich enthält das Gesetz in dem § 3 des Artikels IV 
die Bestimmung, daß durch die Bauordnung dafür gesorgt 
werden soll, daß überall dort, wo die offene Bauweise üblich 
und wirtschaftlich durchführbar ist, die Errichtung von 
Wohnhäusern mit freistehenden Brandgiebeln verhindert 
wird. Die in dieser Bestimmung zum Ausdruck kommende 
CHRONIK. 
IE BAUTÄTIGKEIT IN DEUTSCHEN STÄDTEN. Die 
letzten Ermittlungen des Reichsstatistischen Amts über die Bau 
tätigkeit in deutschen Städten, die sich auf das zweite Vierteljahr 1918 
beziehen, lassen ein weiteres Sinken der Sautätigkeit erkennen. 33 Groß 
städte und 15 Mittelstädte haben Zahlen eingesandt. An erster Stelle 
stehen unter den Großstädten Köln, Nürnberg und Essen, unter den 
Mittelstädten Görlitz und Fürth. In Köln wurden im zweiten Vierteljahr 
55 neue Gebäude, davon 30 Wohngebäude, errichtet, in Essen 40, davon 
39 Wohngebäude, in Nürnberg 55, davon nur t Wohnhäuser, in Bremen 
29 und 34. Die meisten Neubauten sind Fabrikbauten gewesen, so in 
Augsburg 26 Bauten, in Düsseldorf 33, in Hamburg 31 und in Mülheim 
(Ruhr) 20, während Wohngebäude in diesen Städten gar nicht errichtet 
wurden. In Schöneberg, Bochum, Srfurt, Magdeburg und Saarbrücken 
hat im 2. Vierteljahr 1918 überhaupt keinerlei Bautätigkeit geherrscht. 
Die meisten Wohnungen wurden hergestefit in Essen mit 191, in Bremen 
mit 146, in Kiel mit 50, in Köln mit 40, in Nürnberg mit 33. Den 
höchsten Zuwachs gegenüber dem 1. April rgi8 festgestellten Wohnungs- 
bcstande weisen Bremen mit 0,23 ° 0 und Essen mit 0,19 °/o auf; es folgen 
dann in weitem Abstande Kiel mit 0,08, Augsburg mit 0,06 und Mül 
heim (Ruhr) mit 0,03 Von den Gemeinden mit 50—100000 Ein 
wohnern hatten Osnabrück 11 und Buer (Westf,) 3 neue Wohngebäude 
zu verzeichnen, während in den übrigen Mittelstädten nur Industriebauten 
errichtet wurden. In Steglitz, Freiburg (Br.), Linden bei Hannover, 
Recklinghausen und Zwickau hat im zweiten Vierteljahr keinerlei Bau 
tätigkeit stattgefunden. Wie das Verhältnis der neuerrichteten Wohnungen 
zu den neuen Wohnungshäusern erkennen läßt, sind überwiegend Klein 
häuser errichtet worden. 
H ochofen - Schwemmstein- und kunstbims- 
VERTRIEBSGESELLSCHAFT m. b, H. (Patent Schol). 
Zur Herstellung und Verwendung von Baustoffen sollen Kohlen erspart, 
fehlende Arbeiter durch geeignete Maschinen ersetzt, unbenutzte Boden 
Fürsorge für die Schönheit der Straßenbilder ist recht löb 
lich, und man kann sich über die Absicht, die der Gesetz 
geber zeigt, die freistehenden Brandgiebel tunlichst aus 
zumerzen, nur freuen. Auch Ist zu hoffen, daß aus dieser, 
für die offene Bauweise erlassene Sondervorschrift nicht 
etwa geschlossen wird, daß es in der geschlossenen Bauweise 
nun gestattet ist, die rohen Giebel ungestraft über die Nach 
barhäuser in die Höhe zu schicken. Hier würde die Ziffer 4 
von Artikel IV, § 1, zur Anwendung zu kommen haben, nach 
der für diese Giebel Bestimmungen über Verputz, Anstrich 
und Ausfugung zu erlassen sind, soweit diese Giebel nicht 
überhaupt der einheitlichen Gestaltung des Straßenbildes 
abträglich sind. 
Die Bestimmungen des Wohnungsgesetzes ergänzen 
also in mannigfacher Weise das Gesetz über die Verunstal 
tung, indem sie einerseits durch Fortfall der Voraussetzung 
besonderer künstlerischer Bedeutung bei dem Stadt- oder 
Straßenbild den Schutz vor Verschandelung einem viel 
größeren Kreis städtebaulicher Situationen gewähren, und 
zum anderen durch baupolizeiliche Sondervorschriften die 
Anwendung des Verunstaltungsgesetzes oder des auf seiner 
Grundlage erlassenen Ortsstatutes und die Durchführung 
der erforderlichen Maßnahme erleichtern. Möchten die 
Polizeibehörden von den zur Behütung der schönen Städte 
gegebenen Möglichkeiten einen nicht gar zu sparsamen aber 
weisen Gebrauch machen, der die künstlerische Eigenart der 
Schaffenden nicht bindet, aber auch das Leben der über 
kommenen Stadt- und Straßenbilder nicht tötet. 
schätze baustofflich verwertet, Frachten erspart, Bauten schnell und solide 
errichtet, gute, gesunde, Kälte, Hitze und Feuchtigkeit abhaltende Woh 
nungen hergestellt werden. 
Diese Anforderungen erfüllt u. a. der aus flüssiger Hochofenschlacke 
und anderen künstlichen Schmelzen in Verbindung mit Weißkalk ber- 
gestellte Hochofen-Schwemmstein, der in seinem Äußern, im Gewicht und 
in seinen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und technischen Eigenschaften 
dem „Rheinischen Schwemmstein aus dem Neuwieder Becken“ entspricht, 
diesem gegenüber aber sich durch eine größere Druckfestigkeit von über 
29 kg auf 1 qcm auszeichnet. 
Die nach Patenten der Gesellschaft bearbeiteten Schlacken eignen sich 
zur Massenherstellung der Steine in selbsttätigen Pressen, so daß der 
Stein jedesmal scharfkantig aus der Presse kommt und ein Stein genau 
dem anderen gleicht. Schwankungen in den Maßverhältnissen sind bei 
dem Hochofen-Schwemmstein ausgeschlossen. Dadurch, daß auf den im 
Deutschen Reiche verstreut liegenden Hochofenwerken Schwemmstein- 
fabriken errichtet werden, sollen große Frachten erspart und fast überall 
die Erbauung von Häusern mit Schwemmsteinen ermöglicht werden. 
Die Hochofen-Schwemmsteine gestatten dank ihres beliebig groß 
herzustellenden Formates und der dadurch zu erzielenden Ersparnis an 
Mörtel und Arbeitslohn eine schnelle Bauweise. Die Häuser sind infolge 
der großen Porigkeit der Steine sofort trocken und bezugfähig. 
ONATSKURSE ÜBER GRUNDLAGEN DES SIEDE- 
LUNGSWESENS kündigt das Archiv für Siedelungswesen, 
Berlin NW 6, Luisenstr. 27128 (Leiter Regierungsbaumeister Langen) an. 
Es sollen durch Vorträge, Besprechungen und s selbständige Studien 
die Sammlungen des Archivs zur Vorbereitung für die praktischen Auf 
gaben des Siedelungstechnikers nutzbar gemacht werden. Besonders be 
rücksichtigt werden Statistiken, Planunterlagen, Siedelungspläne für länd 
liche Besiedelung, halbländliche Arbeitersiedlungen, Kriegerheimstätten, 
Qeneralbesiedelungspläne für Stadt und Land, Planberatung. Besonderer
	        
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