Path:
Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
64 
geübt werden. Auf einem Kiesplatze vor dem ünterkunft- 
und Wachhäuschen sollen auch Turnübungen an Geräten 
vorgenommen werden. 
Dieser Spielplatz, rings von üppigem Baumgrün um 
geben, bietet einen herrlichen Anblick, er wird durch die 
Schönheit seiner Lage, durch seine erhabene Schlichtheit, 
die angestrebten Zwecke nach keiner Richtung hin verfehlen. 
Die Spieler wird es anfeuern zu wackerem Kampfe, und die 
Zuschauer werden mit Freuden in der gesunden Freiheit den 
Gang der Spiele verfolgen und ohne Ermatten bis zur Ent 
scheidung verharren, mit Freude im Herzen für das edle 
Spiel. 
Wenn derartige Spielplätze der Bevölkerungszahl ent 
sprechend groß genug und gut verteilt in allen Stadtteilen 
der Großstädte entstehen, so wird schon durch diese die 
Liebe zu den Leibesübungen immer weitere Kreise ziehen 
und dazu beitragen, daß eine Begeisterung durch die Herzen 
der Spieler geht, die sie anfeuert zum gegenseitigen Wett 
eifern, zur Stählung ihres eigenen Körpers. So wird eine 
starke Schar heranwachsen, die dann mit Zuversicht als 
Deutsche im Stadion erscheint, sich mit den Auserlesenen 
anderer Staaten messen und Lorbeeren ernten kann. 
Seit kurzer Zeit gibt es auch ein „Deutsches Stadion“. 
Es befindet sich in der Reichshauptstadt, inmitten der 
Grunewald-Rennbahn an der Heerstraße (vgl. Tafel 36 b 1 ) 
Ein solches Stadion soll vornehmlich zur Auskämpfung 
größerer Wettübungen sein. Bei den Vorführungen werden 
viele Zuschauer zugegen sein, daher muß auf die Anordnung 
geräumiger Tribünen ein Hauptwert gelegt werden. Man 
vergleiche die Grundrißskizze des „Deutschen Stadions“ im 
Gegensatz zu dem Spielplatz in Lübeck. Aber auch großen 
Scharen von ausübenden Wettkämpfern muß ein schnelles 
und leichtes Kommen und Gehen ermöglicht werden, deshalb 
müssen die Zuführungswege günstig angeordnet sein. So 
macht das Stadion den Eindruck eines Amphitheaters, wie 
sie die alten Griechen und Römer hatten und ist auch eigent 
lich nichts anderes, als ein Theater zur Auskämpfung der 
Leibesübungen. 
Andere Städte des Auslandes, es seien nur Paris, Stock 
holm und Athen genannt, hatten schon früher die Not 
wendigkeit solcher Schauplätze erkannt und Stadions ge 
baut. Das „Deutsche Stadion“ ähnelt im Aufbau dem 
Athener, denn es ist vertieft dem Gelände eingeordnet und 
seine Tribünen auf den Abböschungen des Geländes ge 
schickt eingebaut; hingegen sind die Tribünen des Pariser 
und Stockholmer Stadions Hochbauten. Die Platzverteilung 
J ) Von dieser Anlage hat der „Städtebau“ 1910 zwei Schaubilder des 
Entwurfs von March gebracht. Tafel 40 11, a und b. D. S. 
für die verschiedenen Spiele ist beim „Deutschen Stadion“ 
so einfach wie zweckmäßig. Die Mitte nimmt ein geräu 
miger Fußballplatz ein, an den sich zu beiden Seiten Turn 
plätze anschließen, die mit dem Fußballplatz zusammen dem 
ganzen Stadion eine langgestreckte, kurzseits abgerundete 
Form geben. Rings um diese Plätze führen eine Laufbahn 
und eine Radrennbahn. Die Ausübender* können durch die 
günstige Anordnung der Bahnen auf der ausgedehnten etwa 
200 m langen geraden Strecke ihre Kräfte viel besser ent 
falten, als auf kürzeren Geradstrecken; es ist deshalb, wenn 
möglich, eine langgestreckte Form bei den vereinigten Sport 
plätzen immer anzuraten. Dicht neben der Radrennbahn 
steigen die Reihen der Zuschauerplätze empor, die nur an 
der Nordseite des Stadions, wo noch eine etwa 100 m lange 
Schwimmbahn angeordnet ist, der Breite dieses Beckens ent 
sprechend zurückrücken. Zu beiden Seiten der Schwimm 
bahn sind die Zugangswege der Wettkämpfer zum Stadion, 
gegenüber im südlichen Teil der Anlage sind die besseren 
Plätze mit den Kaisersitzen in der Mitte. 
Ein in allen seinen Teilen wohlerwogenes Gesamtbau 
werk ist das „Deutsche Stadion“ nach dem Entwürfe des 
Geh. Baurats Otto March erstanden und im Jahre 1913 fest 
lich eingeweiht worden. In August Rebers Verlag, Char 
lottenburg, ist eine Denkschrift mit vielen Abbildungen über 
das Deutsche Stadion erschienen, in der Zweck und Ziele 
dieses edlen Bauwerkes geschildert sind. 
Sicherlich ein großer Schritt, möge es der Anfang sein 
an dem Ausbau dieser edlen Sache. Mögen die Parkanlagen 
dem Sport und dem Spiel dienen, dann wird der zukünftige 
„Deutsche Volkspark“ das werden, was damals zur Zeit des 
ersten Aufblühens der Städte die Freiweiden vor den Stadt 
toren waren, nämlich das Gemeingut eines jeden Stadt 
bewohners. 
Nun zum Schluß; Verschiedene Vorkämpfer der deut 
schen Parkpolitik wollen für uns Neues aus Amerika em 
pfehlen. Dies vermeintliche Neue hatten wir schon früher 
und auch jetzt noch vorbildlich; nur das eine hat der Ameri 
kaner dem Deutschen voraus, er ist gründlicher ih der folge 
rechten Durchführung guter Gedanken. So konnte der 
Parkzweckverband von Groß-Boston entstehen. Doch wie 
vorerwähnt, es muß bei uns die Zeit erst vollkommen über 
wunden, das richtige Verständnis für die neubelebten 
Gartenbestrebungen von jedem einen Laien vorhanden sein 
und das Sport- und Spielwesen eine den letzten Jahren ent 
sprechende Fortentwicklung nehmen, dann werden sicher 
lich dem Bedürfnis entsprechend Sportplätze und Spiel 
flächen entstehen, hinreichend, um einem jeden nach Frei 
heit und Stählung des Körpers verlangenden Menschenkinde 
genügend Raum zur Ausübung seiner Gymnastik zu ge 
währen. 
BLUMENSCHMUCK IM BAUERNGARTEN. 
Von EMIL GIENAPP, Hamburg. 
Wie der äußere Baucharakter, das verwendete Material 
und die innere Gliederung der Wohn- und Wirtschaftsräume 
des Bauernhauses dem Wesen und der Eigenart dörflicher 
Wohnkultur angepaßt sind, so ist auch der Bauerngarten 
und sein Blumenschmuck von typischem Aussehen und 
zweckmäßiger Auswahl, um Haus und Garten zu einem har 
monischen Ganzen im Sinne heimatlicher Wohnkultur zu 
vereinigen. Insbesondere gilt dies von bäuerlichen Be 
sitzungen im niederdeutschen Wohngebiete. Die hier als 
Gartenschmuck gepflegten Blütenpflanzen sind nicht nur
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.