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Volume H. 5/6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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setzt. An der Landgrafenstraße sind ferner freistehende 
Mietshäuser entstanden, deren Wohnungen stets gut ver 
mietet sind. Im übrigen ist der Fehler des Bebauungsplanes, 
der selbst Öffentliche Gebäude in das Innere der Baublöcke 
gedrängt hat (Kirche, Synagoge, Schulen), durch die Aus 
nutzung des Blockinnem zu gesuchten Wohngelegenheiten 
(Wohnhöfen) bestmöglich ausgeglichen worden. Es bleibt 
zu bedauern, daß einige Entwürfe über solche geschätzten 
und hochbezahlten Wohnoasen kaltblütig haben hinweg 
gehen können. 
Und,4rittens war es für die Planung nicht gleichgültig, 
ob der Umbau höheren Anforderungen des allgemeinen 
Wohles zu genügen und deshalb eine Beleihung oder gar Zu 
buße aus öffentlichen Mitteln (z, B. für neue Straßen- und 
Platzanlagen) zu gewärtigen habe, oder ob er lediglich der 
privatwirtschaftlichen Unternehmung unter gewissen bau 
polizeilichen Bedingungen überlassen werden solle. Einige 
Entwürfe haben unter Wahrung des gesundheitlichen Stand 
punktes den Nachweis der Wirtschaftlichkeit zu erbringen 
versucht, andere aber wohl in der Annahme, daß dann der 
wirtschaftliche Erfolg sich von selber einstellen müsse, mög 
lichst den üblichen Berliner Grundriß beibehalten und wieder 
andere zwar beachtenswerte Verbesserungsvorschläge ge 
macht, deren Kosten jedoch dem lieben Gott anheimgestellt. 
21 Entwürfe waren eingegangen. In Anbetracht der 
schwierigen Aufgabe und der Zeitverhältnisse eine stattliche 
Zahl, die allerdings wohl noch größer hätte sein können, 
wenn sich auf diesem Gebiete bewanderte Architekten von 
Ruf nicht dem Notstandswettbewerbe femgehalten haben 
würden. Von diesen Entwürfen sind vier mit 2500 Mk., zwei 
mit 2000 Mk. und einer mit rooo Mk. preisgekrönt worden. 
Einige Lösungen dieser Entwürfe sind auf den Tafeln 27 bis 
32 dargestellt. Darin soll aber kein Urteil über die anderen 
weniger vom Glück Begünstigten enthalten sein; denn auch 
unter diesen befinden sich noch durchaus achtbare Leistun 
gen, wie die Lagepläne von Nr, 2: „100 Zimmer“, Nr. 3: 
„Lotte“, Nr. 6: „Wohnidyll“, ferner die ganzen Entwürfe 
Nr. 15: „Neues Leben“ und Nr. 20: „An der Zeitwende“. 
Einem der fleißigsten Teilnehmer am Wettbewerbe, der auf 
einen seiner Entwürfe auch einen Preis von 2500 Mk. er 
halten hat, haben es offenbar die beiden romanischen Häuser 
an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche angetan. Es würde 
sicherlich kein Unglück sein, wenn die Ausstellungshallen 
am Zoologischen Garten wieder verschwänden, doch an ihre 
Stelle eine Reihe romanischer Häuser zu setzen, wäre hart 
für Berlin; da darf man wohl sagen, schade um die schönen 
Zeichnungen! 
Zu Nr. 1 „Wohninsel“ des Architekten Alfred Lowitzki 
— siehe Tafel 27 — hat das Preisgericht gesagt, der Drei 
ecksblock am Lützowplatze, begrenzt von der Lützowstraßc, 
der Dömbergstraße und dem Lützowufer, sei gut gewählt; 
Verfasser habe anstatt der vorhandenen sieben kleinen Höfe 
einen großen Binnenhof geschaffen, wodurch die Wohnlich 
keit des Baublockes sicherlich sehr gehoben würde. Dazu 
möge gleich die Kritik zu Nr. 12 „Ohne sichtbare 
Giebelwände“ — siche Tafel 38 — des Regierungs 
baumeisters a. D. Walter Koeppen gesetzt werden: Zu 
loben sei der Vorschlag, nur die schlechten Häuser durch 
Neubauten zu ersetzen und die besseren durch Umbau den 
heutigen Ansprüchen anzupassen. Der Verfasser habe dabei 
mit Recht besonderen Wert darauf gelegt, daß bei der neuen 
Bebauung die jetzt so wirr durcheinander stehenden Brand 
giebel vermieden werden (im Baublock zwischen Schill- und 
Landgrafenstraße bzw, zwischen Kurfürsten- und Wich- 
mannstraße). — In der Tat sind in beiden Entwürfen Vor 
schläge enthalten, die bei Erlaß zweckentsprechender Bau 
vorschriften für die einzelnen Baublöcke der Privatunter 
nehmung vielleicht die Möglichkeit zu ihrer Verwirklichung 
geben würden. • . ■ 
Bei den anderen Entwürfen, mit Ausnahme von Nr. 21 
„Soll und Haben“, des einzigen, der sich auf die Darstellung 
der wirtschaftlichen Möglichkeiten beschränkt hat, ist die 
Erwerbung fast der ganzen Blöcke in einer Hand unerläß 
liche Voraussetzung. Das Preisgericht sagt zu Nr. 4 
„Kriegsjunge“ — siehe Tafel 29 — des Regierungsbau 
meisters Th. Karl Brodführer und des Architekten Mathias 
Bardenheuer, der Gedanke, den Sportpalast an der Pots 
damer Straße mit Innenstraßen zu umgeben und diese mit 
den Außenstraßen des Baublockes zu verbinden, sei als 
glücklich zu bezeichnen. — Vorbehaltlich der Prüfung in- 
bezug auf den Geldpunkt erscheint dieser Vorschlag noch 
am ersten zu verwirklichen. 
Zu Nr. 14 „Willst was Gutes bauen, Mußt’ aufs Ganze 
schauen“ des Architekten Hermann Jansen: Die Baublöcke 
zwischen der Potsdamer und der Mansteinstraße anderweitig 
aufzuteilen sowie die neuen Blöcke fast durchweg nur mit 
Vorderhäusern zu besetzen und in ihrem Inneren Garten 
höfe zu schaffen, erscheine günstig. Dabei sei die Anlage 
eines freien Platzes vor* 1 dem Bahnhof Großgörschenstraße 
sowie eines Spielplatzes im Zuge der Säulenhallen des 
Kleistparkes als wesentliche Verbesserung zu begrüßen. — 
Die damit vorgeschlagene Unterdrückung der Culmstraße 
verdient besondere Anerkennung; liefert sie doch den besten 
Beweis für die Überflüssigkeit mancher öffentlichen Straße, 
die übrigens in vielen Fällen dadurch zu verbessern ginge, 
daß ihre Fahrbahn soweit wie möglich in Grünanlagen um 
gewandelt würde. Ob die Öffnung der Innenanlagen in der 
Axe der ins Leere auslaufenden Säulenhallen der früheren 
Königsbrücke gerade als glücklich anzusehen ist, mag dahin 
gestellt bleiben. 
Ferner zu 18 „Einfamilienhausgedanken“ — siehe 
Tafeln 30 und 31 — des Architekten Alfred Lorenz: Die Ab 
sicht, wohlhabenden Leuten Gelegenheit zu bieten, in der 
Nähe ihrer Geschäfte sich in Eigenhäusem behaglich einzu 
richten, verdiene Anerkennung. Mit Vorteil habe der Ver 
fasser seine Gedanken auf die Bebauung des Blockes zwi 
schen Lützow- und Steglitzer Straße gerichtet, indem er im 
Inneren des Blockes einen größeren Platz nebst Wohn 
straßen schufen wolle, die mit den Außenstraßen zweck 
mäßig in Verbindung gebracht werden sollen. Fraglich sei 
allerdings, ob das Einfamilienstockwerkshaus sich in Berlin 
einbürgern würde, doch könnten daraus auch Zweifamilien 
häuser hergerichtet werden. — Der Zweifel mag berechtigt 
sein; immerhin gibt die Beliebtheit der mit Einfamilien 
häusern verschiedener Art besetzten Wohnhöfe dieser 
Gegend zu denken. Allerdings müßte der Grundriß mehr den 
im Westen Deutschlands nach vielhundertjähriger Erfahrung 
erprobten Haustypen angepaßt werden, um das tägliche 
Treppensteigen möglichst zu vermindern. Zweifamilien 
häuser ähnlicher Art befinden sich meines Wissens schon im 
Hansaviertel. 
Endlich zu 16 „Zu bauen verstehen, heißt Wert erhöhen“ 
— siehe Tafeln 31, 32 u. Textbild 1 — des Architekten Her 
mann Jansen: Anzuerkennen sei die Durchführung der Rand-
	        
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