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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Gipsdielen hergestelit werden. Die der Dachhaut zugekehr- 
t?n Zimmer* und Kammerwände sind mit hochgestellten 
Schwemmsteinen oder 7 cm starken Bimsbetondielen aus 
zukleiden. 
Der vorspringende Sockel fallt weg. Gestockter Vor 
satzbeton oder gar sauber gefugte Klinkerblendung, wie ich 
sie 1912 bei der Ausführung von 81 Kleinwohnungen in der 
Nürnberger Rangierbahnhof-Kolonie ausgiebigst verwendet 
habe, sieht zwar schön aus und kann sicher Anspruch auf 
Solidität und Dauerhaftigkeit machen; aber in der Zeit der 
Not und der Verarmung müssen wir eben anders bauen, 
als wir es in den Jahren der Wohlhabenheit und der Fülle 
gewohnt waren. 
Unsere heute allgemein beliebte Kaminausführung muß 
entschieden als zu umständlich und platzverschwendend 
bezeichnet werden. Ich habe zwar keine Aktien aufSchofers 
Verbundrauch- und Lüftungskamme, aber ich kenne sie 
als vorzüglich in ihren Eigenschaften, billiger und prak 
tischer als die gemauerten, und finde namentlich die merkliche 
Raumersparnis für Kleinwohnungen recht begrüßenswert. 
Bezüglich der Verwendung von Hausteinen an den 
Fassaden sagen die Verbandsgrundsätze: „Werden dem Her 
kommen in der Gegend gemäß einzelne Bauteile wie Sockel, 
Fensterbänke usw. aus Hausteinen hergestellt, so kommt 
stets nur Material aus der Umgebung inbetracht. Für Stufen 
ist besonders gut gebundenes Material zu wählen; Granit 
soll nur dort verwendet werden, wo er heimisch ist.“ Hier 
zu möchte ich folgendes bemerken: Nachdem wir einen 
Sockel beim Einfamilienhaus aus konstruktiven Gründen 
entbehren können, Fensterbänke aber sehr zweckmäßig 
mittels Backsteinrollschicht hersteilen, sonstige Gesimse, 
Bänder, Risalite und Lisenen, soweit derartige Bauteile beim 
Kleinhaus überhaupt in Frage kommen, sich aber selbst in 
Gegenden, wo sie in unmittelbarer Nähe gewonnen werden, 
wie etwa hier in Hof für Stufen der Selber und Kirchen- 
lamitzer Granit, oder in Nürnberg der rote Mögeldorfer, 
der helle Fürther und der ockergelbe Seugaster Sandstein, 
um ein Mehrfaches teuerer stellen als in Backstein-, Putz 
oder Betonausführung, so möchte ich nach meinen bei der 
Nürnberger Rangierbahnhof-Kolonie gemachten diesbezüg 
lichen ungünstigen Erfahrungen unbedingt von der Ver- 
wt nduiig von Natursteinen beim Kleinhaus überhaupt abraten. 
Überlagsträger über Fenster- und Türöffnungen sind, 
wie auch die Verbandsgrundsätze sagen, zu vermeiden; die 
dafür empfohlenen gemauerten scheitrechten Bögen werden 
wohl zweckmäßig durch die vorzüglich bewährte, äußerst 
einfache Konstruktion der Eisenbetonperfektstürze ersetzt. 
Das Hauptgesims des Kleinhauses wird gebildet aus der 
am Kniestockende vorgekragten Flach- und Rollschicht, 
die sich ununterbrochen auf die ganze Hauslänge erstrecken 
kann, da wir die kostspieligen Gesimsstichbalken weglassen 
und die Dachsparren unmittelbar auf die Längsschwelle des 
Kniestockes aufsetzen. Das Ziehen von gegliederten Haupt- 
gesimaen verteuert den Putz und wird daher am besten ganz 
unterlassen. 
Der Dachstuhl muß so einfach als möglich konstruiert 
und die Holzdimensionen auf ein Mindestmaß zurückgeführt 
werden. Ersteres geschieht zweckmäßig einmal dadurch, 
daß die Zwischenpfette ohne Ständer oder Liegestuhlstrebe 
von einer Trennungsmauer zur andern, also in etwa 5,20 m 
Lichtweite frei geführt wird, wodurch die Hauptdachlast 
auf diese 1 Stein starken Wände abgeleitet wird; ferner auch 
dadurch, daß man alle nicht unbedingt nötigen Dachaus 
bauten wegläßt, also eine möglichst glatte Dachhaut an 
strebt. Die Holzdimensionierung richtet sich ganz nach dem 
Gewicht der Dachhaut; diese wird aus dem heimischen 
Dachdeckungsmaterial gebildet. Daß bei Verwendung von 
Biberschwänzen ganz allgemein Doppeldeckung erforderlich 
ist, wie die Verbandsgrundsätze behaupten, möchte ich in 
Zweifel ziehen, da mir die Dächer meiner Heimatgegend 
bei allerdings nur mittelmäßig rauhem Klima in einfacher 
Biberschwanzdeckung mit Schindelverwendüng als gut halt 
bar und undurchlässig in Erinnerung sind. Für die hie 
sige Gegend würde ich natürlich von der Doppeldeckung 
nicht abgehen. Kehlen suchen wir tunlichst zu vermeiden. 
Ihre Herstellung geschieht möglichst ohne Blech, andern 
falls mit Nocken. Soweit die Dachhaut zugleich die Wände 
der Zimmer zu bilden hat, empfiehlt sich das Einbringen 
von Pappstreifen zwischen die Ziegeldeckung; das Auskieiden 
der Sparrenzwischenräume mit Bimsbetondielen zwecks 
Kälte- und Wärmeschutz ist hier kaum zu umgehen. 
Schiefer- wie Ziegeldeckung muß entschieden als eine 
für das Kleinhaus verhältnismäßig komplizierte und teuere 
Bedachung angesprochen werden. Vielleicht ließe sich bei 
den Ziegeln noch eine Verringerung der Stärke und des 
Wasseraufnahmevermögens erreichen! Zu bedauern ist, 
daß die Tümelith-Deckung nach so vielversprechenden An 
fängen gänzlich versagt hat; nach zweckentsprechender 
Verbesserung von deren Eindeckungsart, namentlich unter 
Vermeidung einer Vollschalung, und, Abänderung der Farb 
tönung würde ich die Tümelith-Dachung wegen ihrer Leich 
tigkeit und Widerstandsfähigkeit als die für das Kleinhaus 
geradezu vorausbestimmte Sparsamkeitslösung begrüßen. 
Schneefanggitter sind nur über den Eingangstüren, und 
auch hier nur in Form hochgestellter gehobelter Schmal- 
bretler vonnöten. 
Auf Blitzableiter wird im allgemeinen verzichtet werden 
können. Wo sie nötig sind, sind sie nach den neueren ver 
einfachten Systemen (Ruppel, Findeisen) unter Verwendung 
der Rinnen, Abfallrohre und sonstiger Metallteile usw. als 
Ableitung herzustellen. 
Als Abortgruben für Aborte im Einfamilienhaus sind 
die gewöhnlichen zementverputzten Betongruben beizube 
halten; in ländlicher Umgebung kann behufs Verwertung 
der Abfallstoffe im Gartenbau Tonneneinrichtung inbetracht 
gezogen werden. 
Auch der Dünger der Kleintierstallungen läßt sich, in 
kleinen Gruben an der Rückseite der Stallung vorerst unter 
gebracht, für die Gartenpflege ausnutzeh; Daß die Aus 
führung der Stallungen in einfachster Form zu geschehen 
hat, braucht nicht besonders betont zu werden. 
Soviel über den Rohbau des Kleinhauses, von dem ich 
wenigstens für die nach Kriegsende sofort in Massen zu 
erstellenden Kleinwohnungen unbedingt verlange, daß er 
wegen Zeit- und Geldersparnis 
1. ohne jede Wand- und Deckenschalung; 
2. unter tunlichster Ausschaltung von Bauholz, das nicht 
bloß sehr teuer, sondern, was noch weit schlimmer 
ist, nicht ausgetrocknet, also für den Hausbau viel 
fach unbrauchbar sein wird; 
3. in der Hauptsache mit örtlichen billigsten Stoffen und 
einfachsten Konstruktionen hergestelit wird. 
Dabei muß der Rohbau so rasch wie nur möglich 
ausgetrocknet sein, um die Wohnungen schnell beziehbar
	        
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