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Volume H. 2/3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Häuser aufzuräumen oder abzustützen waren. Das städtische 
und Privatinteresse ging jedoch bei den Aufräumungs 
arbeiten überein, so daß die Stadt mit eigens dafür bereit- 
gestellten Mitteln durch Anlage von Feldbahnen, Hilfe 
leistung der Feuerwehr usw. auch dem Privatmann helfend 
zur Seite stehen konnte. Auch sind für die Beschaffung von 
Rohstoffen gemeinnützige Einrichtungen geplant. Aber 
noch waren ja die neuen Parzellen nicht aufgelassen und 
abgesteckt. Es galt die hierzu erforderliche Zeit zu nutzen 
und die Baupläne zu entwerfen und durchzuarbeiten. War 
es schon zum Zwecke der Umlegung notwendig gewesen, 
Grundrisse für die einzelnen Parzellen im Einvernehmen 
mit den Eigentümern aufzustellen, um diesen die zweck 
mäßige Bebaubarkeit nachzuweisen und die Grundstücks- 
werte abschätzen zu können, so war es ein kleines, diese 
Grundrisse zu regelrechten Bauplänen zu erweitern, sobald 
Baulust sich zeigte. Privatarchitekten waren am Ort nicht 
vorhanden, oder wenn sic vorhanden waren, erblickten sie 
in der Anfertigung von Entwürfen für die ärmeren Abge 
brannten kein Geschäft. Außerdem waren Unternehmer und 
Architekten, solange die Bauvorschriften noch nicht ver 
öffentlicht waren, gar nicht recht in der Lage, Pläne im 
Sinne der Bauvorschrift aufzustellen. So erwies es sich als 
zweckmäßig und notwendig, eine geregelte Bauberatung mit 
dem Zusammenlegungsausschusse zu verbinden. Gesuch 
steilem wurden daher kostenlos Vorentwürfe in i: 200 aus 
gearbeitet. Im Sommer 1917 waren es etwa 15 Baulustige, 
im Herbst mehrte sich die Zahl rasch auf ca. 30 für den 
inneren Stadtbezirk. 
Selbstverständlich wurde mit Rücksicht auf die Zeit der 
Not bei den Fassaden auf größte Sparsamkeit und Einfach 
heit gesehen, zumal ja an dem Wiederaufbau mit staat 
lichem Darlehn gebaut wird und mit dem Geld sehr 
hausgehalten werden muß. Unter anderem hatte auch 
die Stadt ein Bauprogramm für ein neues Rathaus aufge 
stellt, so daß ich auch hierfür einen Vorentwurf auf st eilen 
durfte. Zur Unterbringung der geforderten Räume war bei 
vier Geschossen eine bebaute Fläche von etwa 3000 qm er 
forderlich. Ich ordnete die Räume um einen quadratischen 
Hof, um den sich im Erdgeschoß die Wagenräume und Ställe 
der städtischen Feuerwehr gruppieren. Das Hauptgeschoß 
mit Kassenraum usw. liegt im ersten Stock, im zweiten Stock 
der Magistrat und die Sitzungssäle, im dritten Stock das 
Bauamt und die Polizei. Das Gebäude nimmt den Raum 
ein, den vor dem Brand das Rathaus mit den angeglieder- 
derten Geschäftshäusern eingenommen hatte. Den Turm 
hielt ich im Charakter des früheren Turmes, wie wir in 
Textbild 8 der Nr. 1 d. J. gesehen hatten. Er ist annähernd 
auf dieselbe Stelle gestellt. Der Plan stellt lediglich einen 
Vorentwurf zur Klärung des Bauprogramms dar, das dann 
die Grundlage zu einem auszuschreibenden Wettbewerbe 
bilden soll. Das Raumprogramm hat sich inzwischen ver 
ändert. Dies Projekt sollte ferner den Nachweis erbringen, 
daß es selbst bei einem verhältnismäßig üppigen Raum 
programm möglich ist, die Baumasse des Rathauses wieder 
wie früher auf den Ring zu stellen, denn anderenfalls hätte 
die Stadt sich in einem der Baublocks am Ring Gelände 
sichern müssen. 
So sind nun im ganzen sämtliche bautechnische Fragen 
auf dem Papier durchgearbeitet und so weit gelöst," daß der 
Wiederaufbau einsetzen kann. Ein zweckmäßiger Stadtplan, 
eine ihm angepaßte Bauordnung, eine klare Eigentums 
regelung und außerdem eine Anzahl Vorentwürfe für die 
Baulustigen sind vorhanden. Alles ist einheitlich vom 
städtebaulich und wirtschaftlichen Gesichtspunkt nach 
bestem Können verarbeitet unter Berücksichtigung der ge 
schichtlichen Entwicklung der alten Stadt. Es ist zu hoffen, 
daß die papieme Arbeit in Stein zur Wirklichkeit wird und 
eine schönere Stadt aus den Ruinen ersteht, als sie gewesen 
war. Hierzu ist es vor allem notwendig, daß die Architekten 
und Unternehmer sich Selbstzucht auferlegen und im 
schlichten Handwerksgeist bauen, nicht aber durch An 
häufung mißverstandener Architekturmotive das Stadtbild 
verunzieren und damit den besten Teil der geleisteten Vor 
arbeit zunichte machen. 
WETTBEWERB für die neue friedhofsAnlage mit 
KREMATORIUM BEI MAGDEBURG. 
Vom Geheimen Baurat PETERS, Stadtbaurat in Magdeburg. 
Der vor einiger Zeit entschiedene Wettbewerb ist von 
deutschen Architekten und Gartenküostlern überaus reich 
lich beschickt worden mit rund 100 Entwürfen und etwa 1500 
Plänen, Zeichnungen, Aquarellbildern und Modellen. Trotz 
dieser auffallend großen, nur aus den besonderen Verhält 
nissen der Fachgenossen während des Weltkriegs zu er 
klärenden Beteiligung ist es dem Preisgericht doch nicht 
möglich gewesen, einen I. Preis zu erteilen; dafür sind 
zwei II. Preise von je 4000 Mk. und zwei III. Preise von 
je 3000 Mk. zuerkannt worden; außerdem sind noch 
vier Entwürfe angekauft, während programmäßig nur der 
Ankauf von zwei in Aussicht gestellt war. Ein zur Aus 
führung unmittelbar geeigneter Entwurf ist nicht erzielt 
worden, dagegen ist aber doch eine grundsätzliche Klärung 
erfolgt und eine Reihe von beachtenswerten Anregungen 
geboten, so daß der Zweck der Ausschreibung — es han 
delte sich übrigens auch nur um einen Ideen-Wettbewerb 
— erfreulicherweise als erfüllt zu erachten ist. 
Als Lage für die neue, sehr umfangreiche Friedhofs 
anlage von 33 ha Flächenraum im Süden der Stadt Magde 
burg ist ein ziemlich stark ansteigendes Gelände gewählt 
das gegenwärtig noch gänzlich unbewachsen daliegt. Auf 
der etwa 30 m sich erhebenden Höhe mit prächtiger Aus 
sicht auf die Elbe soll in beherrschender Lage die Auf 
bahrungshalle mit Einäscherungsanlage errichtet werden, 
zw$r nicht auf dem höchsten Punkte des Abhangs selbst, 
vielleicht auf zwei Drittel der Höhe, was dem Bewerber ganz 
überlassen blieb. Der bis zu dem Friedhofsplan sich be 
reits erstreckende vorläufige Entwurf des Generalbebauungs 
plans bot die nötigen Anhaltspunkte für die Anordnung der 
Zufahrten, Eingänge, Aufteilung der angrenzenden Bau 
blöcke, ließ aber den nötigen Spielraum für etwa wünschens
	        
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