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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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jüngeren Datums ist der Bau der russischen Kathedrale an 
der Ausmündung der Warschauer Straße, der die Nieder 
legung eines Teiles des Blockes 3 mit sich brachte; Die im 
abgebildeten Plan hell gehaltenen Blockteile sind im August 
1914 niedergebrannt. Es waren dies im Stadtinnem rund 
200 Häuser. Die schwarzgehaltenen Gebäude sind die 
öffentlichen Gebäude. Die Halbdunkel gehaltenen sind die 
vom Brand verschont gebliebenen Bürgerhäuser. Abt», i, 
k, 1 der Tafeln 7 und 8 zeigen einige Straßenbilder. 
NeuerBebauungsplan: Ehe der Aufbau in An 
griff genommen werden sollte, beschloß die Stadt im Ein 
vernehmen mit der Verwaltung, einen neuen Bebauungsplan 
für Kalisch aufzustellen und schrieb zu diesem Zweck einen 
Wettbewerb unter den Warschauer Architekten aus. Der 
Zweck der Ausschreibung war nicht nur der, die Baufluchten 
der Innenstadt zu regeln, sondern hauptsächlich der, einen 
Stadterweiterungsplan für das Gelände zwischen dem Bahn 
hof und der Altstadt zu erhalten. Dies Außengelände war 
den am Wettbewerb beteiligten Architekten zur freien Pla 
nung überlassen. Für die Umgestaltung der Innenstadt, die 
uns hier angeht, waren jedoch folgende bestimmte Pro 
grammforderungen aufgestellt (siehe Abb. c, Tafel 5): 
Block ii, 19, 25, 31, 34, 35 und 36 sollten ganz fallen. 
Die schon im Dreiviertelkreis die Prosna entlangführende 
Uferstraße (Rybna) sollte als vollständige breite Ringstraße 
mit Anlagen durchgeführt werden, um eine neue Zufahrt 
zum östlich gelegenen Park zu schaffen, weswegen auch 
größere Teile von Block 3, 7 und ein erheblicher Teil von 
Block 30 zu Straßenland verwandt werden mußten. In den 
Hauptverkehrsstraßen sollte der Bau einer elektrischen Bahn 
vorgesehen werden, deren genaue Führung noch nicht be 
stimmt war. 
Durch diese grundlegenden Programmforderungen 
konnten die Warschauer Architekten naturgemäß nur noch 
wenig eigene Gedanken in ihren Plänen verbringen, so daß die 
16 eingelaufenen Preisarbeiten hinsichtlich der Altstadt 
sämtlich fast gleichmäßig ausfielen und keine Förderung 
brachten. Es kam hinzu, daß eine sorgfältige Durcharbeitung 
eines Bebauungsplanes daran scheitern mußte, daß in Er 
mangelung genauer Katasterpläne ein ungenauer älterer 
Stadtplan im Maßstab 1; 2500 als alleinige Unterlage für das 
Preisausschreiben ausgegeben war, — Das Kopfbild im Text 
(Abb. 7) ist eines der Schaubüder aus den eingegangenen 
Wettbewerbsentwürfen (Entwurf des Architekten von Kali- 
nowski). Das Ergebnis des Wettbewerbes wurde von der 
Stadt auf Grund eines inzwischen aufgemessenen Kataster 
planes zu einem Bebauungsplan bearbeitet, der in Abb. d, 
Tafel 6 dargestellt ist. 
Zunächst sind die Breslauer und die Sukieniczastraße 
auf 18 m, die Gerbarska auf 15 m verbreitert, nur um allen 
drei Straßen die Möglichkeit zur Führung einer Straßenbahn 
zu geben.’ Die Marktplatzwände sollten auf drei Seiten zu 
rückgeschoben werden, um den Platz zu erweitern. Die 
einseitig offene Rybnastraße sollte zu einer 25 m breiten 
Parkstraße unter Aufopferung des bisher dort gelegenen 
Häuserblocks verbreitert werden. Die bisher vierseitig um 
schlossenen Stadtplätze, der Roßmarkt und der Platz an der 
Franziskanerkirche, wären dadurch auf der unteren Seite 
geöffnet worden. Beide hätten dann eher einer langen 
Straßenerweiterung als einem Platz geglichen. Die früher 
geschlossene Häuserreihe an der Rybnastraße, die beim Ein 
tritt in die Stadt dem Flußufer folgte, wäre einem aufge- | 
lösten und unzusammenhängenden Gemisch von Häuser 
gruppen und Straßenöffnungen gewichen. Auch an den 
anderen Stellen des Flusses sollte die Uferstraße übermäßig 
verbreitert werden auf Kosten der Häuserblocks. Im Gegen 
satz dazu beließ man im Innern der Stadt die schmalen 
Gassen bei 5 bis 6 m Breite, obwohl man eine vierstöckige 
Bauweise statt der bisher zweistöckigen einführen wollte. 
Obwohl der Plan behördlicherseits schon genehmigt 
war, als ich nach Kalisch kam, nahm ich mir eine nochmalige 
Durcharbeitung vor, deren Notwendigkeit ich mit folgender 
Kritik begründen möchte: Welches war der Zweck über 
haupt, eine Veränderung des Stadtplanes vorzunehraen; 
lediglich doch nur, um Verkehrsverbesserungen zu bringen! 
tDazu Gesamtplan der Stadt vom Jahre 1915, h, Tafel 7.) 
1. Die bisherigen Straßenbreiten hatten dem Verkehr bis 
her völlig genügt, nur waren die Fußsteige sehr schmal. 
Gewisse Straßenverbreiterungen waren daher notwendig, 
doch nicht in dem Maße, wie sie auf dem Plan vorge 
sehen waren. 
2. Einer Straßenbahn sollte die Möglichkeit gegeben 
werden, vom Bahnhof zum Stadtinnem zu fahren; hier 
für genügt die Verbreiterung einer der drei Durch 
gangsstraßen. 
3. Es sollte eine Ringstraße geschaffen werden, die den 
Spaziergängern gestatten sollte, am Fluß entlang zum 
Park zu gelangen, Neue Parkanlagen von 25 m Breite 
waren dazu nicht notwendig, da doch der erwähnte 
große Park unmittelbar an die Stadt angrenzt. Diese 
Forderung, Verbindung mit dem Park herzustellen, war 
sehr gut zu erfüllen, ohne daß die beiden Stadtplätze, 
der Roßmarkt und der Platz an der Franziskanerkirche, 
geöffnet wurden. Das Einziehen der Ogrodowastraße 
war ferner geradezu eine Verkehrsverschlechterung, da 
vor der in ihrer Flucht liegenden Prosnabrücke ein reger 
Wagenverkehr in die Stadt einführt, der nunmehr unter 
bunden oder erschwert worden wäre. 
Im ganzen genommen waren ferner mit Durchführung 
des städtischen Planes im Verhältnis zum Erreichten ganz 
unverhältnismäßig hohe Kosten verbunden, deren Ver 
minderung anzustreben, eine Überarbeitung lohnte. Durch 
Aufstellung eines im Wege des Vergleiches aufgestellten 
Planes, welchen ich hier außer acht lassen möchte, gelang 
es mir, die Stadtväter zu überzeugen, daß es sich lohne, eine 
nochmalige Überarbeitung vorzunehmen. Als erstes er 
wirkte ich zu dem Zweck einen Beschluß über die endgültige 
Führung der zukünftigen elektrischen Straßenbahn. Man 
entschloß sich, die Sukienicastraße hierfür zu bestimmen, da 
die Bahn hier h am Gericht und am Kreisamt vorbeiführen 
wird. 
Unter Mitarbeit des Warschauer Architektenvereins, der 
mich bei meinen Bestrebungen gegen die Stadt getreulich 
unterstützte, stellte ich dann den folgenden Plan (Abb. e u. f, 
Tafel 6) auf, der die Fehler des städtischdn Planes vermied, 
sich wesentlich dem alten Stadtplan näherte und eine recht 
erhebliche Ersparnis an nutzbarer Fläche erzielte. Dabei 
wurden gegenüber dem Plan von 1914 noch immer starke 
Veränderungen vorgenommen, um die geforderte Verkehrs 
erleichterung zu bringen. 
Den Hauptwert legte ich auf die Erhaltung der ge 
schlossenen Plätze. Der Markt blieb in seinen alten 
Grenzen. Den Roßmarkt rückte ich an die Synagoge, welche 
bisher völlig verbaut war, machte ihn jedoch nicht größer
	        
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