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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 15.1918 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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in der Hauptsache an die Erstellung von billigen Wohnungen 
und an die Verdrängung der Mietskaserne, nicht aber an die 
landwirtschaftliche Nebenbetätigung der Bewohner dachte. 
Wir vergleichen hiermit die Gartenverhältnisse eines Doppel 
hauses. Die Hausbreite betrage etwa 6 m, der Bauwich sei 
etwa 4 m breit und für Zugangszwecke wie als Wäsche 
trockenplatz bereitgehalten. So ergibt sich eine schon 
wesentlich günstigere Gartenfläche, von 10 • 30 ** 300 qm, die 
nicht so sehr im Schatten des Nachbars liegen und für Durch 
fuhren bequem zu erreichen sein würde. 
Gleich günstig liegen die Gartenverhältnisse bei dem in 
der Bildbeilage dargestellten zusammengebauten Vier 
familienhaus, das in anderer Form von Stübben im Hand 
buch „Städtebau“ erwähnt und in früherer Zeit in Bochum, 
Stahlhausen und in Rokittnitz (Oberschi.) ausgeführt wurde. 
(Regierungsbaumeister von Pöllnitz.) 
Wir vergleichen nunmehr die Herstellungskosten, indem 
wir den Kubikinhalt der Mauern überschläglich ermitteln 
und den gleichen Grundriß als Unterlage benutzen. 1 ) 
a) Reihenhaus. 
(5,55 ■ 0,3® ■ ®) • 3,0 = 10,65 cbm 
(6,97 • 0,25)-3,o = 5.2* n 
(5,3 + 3,85 + 0.90 + x,z) • 0,12 • 3,0 = 4,05 „ 
zus. 19,92 cbm Erdgeschoßmauerwerk. 
l j% für Keller, Fundament usw. 9,96 cbm 
39,88 cbm • 25 — 747,00 Mk. 
b) Vierfamilienhaus. 
(5,74+7,22) • 0,32 • 3,00 =ia 12,43 cbm 
(7,22 + 5,30) • —— • 3,0 = 4,71 > 
(5,3 + 3.85 4- 0,9 + 1,2) • 0,12 • 3,0 = 4,05 , 
zus. 21,ig cbm Erdgeschoßmauerwerk. 
+ davon für Keller usw. 10,59 n 
zus. 31,78 cbm je 25 Mk. ■=» 794,50 Mk. 
c) Doppelhaus. 
(5,74 • 2 ) • 6,97) • 0,32 • 3,o = 
(3, 8 5 + 5,3 + o,q6 -J- 1,2) • 0,12 • 3,0 = 
6,97 • 0,25) 
- — 3,0 = 
17,70 cbm 
4,05 , 
2.61 « 
zus. 24,36 cbm Erdgeschoßmauerwerk 
Vs für Keller usw 12,18 „ 
zus. 36,54 cbm • 45 = 913,50 Mk. 
Ferner seien die Kosten der Einzäunungen des Reihen 
hauses, des Doppel- und des Vierfamilienhauses gegenüber 
gestellt. 
Das Reihenhaus macht bei einer Grundstücksfläche von 
2 • 52 3Q -I- 5 74 
345,0 qm eine Umwehrung von ——~~— ! 1 5,74 = 61,00 m 
für ein Haus nötig. 
Bei der Hälfte eines Doppelhauses ergeben sich 
35,4 + 27,79 +9,74 
2 
9,74 = 46,20 m Umwehrung. 
Das Einzelhaus eines Vierfamilienhauses macht hin 
gegen eine Umwehrung von nur 
35,40 + 27,86 
2 
4,00 
- 1 - + 9,74 < 
! 43,37 m nötig. 
Die Kosten der Einzäunung betragen bei Holzstaket- 
ausfuhrung das Meter mit 10 Mk. berechnet: beim Reihen- 
0 Die Preise der Bau- usw. Arbeiten entsprechen den im Frieden 
gezahlten Beträgen. 
haus 610 Mk., beim Doppelhaus 462 Mk., beim Vierfamilien 
haus 433 Mk. 
Nun seien die Straßen- und Kanalkosten verglichen. 
Diese müssen natürlicherweise beim Vierfamilienhause 
gegenüber dem Reihenhause entsprechend der größeren 
Frontlänge und gegenüber dem Doppelhause infolge der 
Mehrlänge der Grundstücksleitungen teurer werden. 
Nimmt man die Straße 5,5 m breit an ohne Gehweg und 
Rinnstein, mit nach der Mitte zu nach innen gerundetem 
Fahrdamm, die Oberfläche mittels Teerung befestigt, so 
werden etwa 4,0-5,0 Mk. für das Meter einzusetzen sein. 
Die Straßenkosten des Reihenhauses betragen: 
= i5 t 78 qm - je 4,0 Mk. = 63,12 Mk. 
Hierzu die Hälfte der Kosten des 5,74 m 
langen Straßenkanals 5,74 • 10 r -= 57,40 „ 
Ferner 4 m Kanal auf dem Grundstück je 5,0 Mk. = 20,00 „ 
Beim Reihenhaus zusammen 140,52 Mk. 
Bei der Hälfte des Doppelhauses betragen die Straßen 
kosten: 9,74 ^ 26,78 qm je 4,0 Mk. = 107,12 Mk. 
Die Kanalkosten 9,74-10= 97,40 „ 
4 m Kanal auf dem Grundstück je 5,0 Mk. = 20,00 „ 
Beim Doppelhaus zusammen 224,52 Mk. 
Bei dem Hausteil eines Vierfamilienhauses ergeben sich 
die Straßenkosten zu: 
9f74 g ‘ 5 - - 26,78 qm je 4,0 Mk. = 107,12 Mk. 
Die Kanalkosten zu 9,74-10— 97,40 „ 
Rund 30 m Kanal auf dem Grundstück je 4,0Mk. = 120,00 „ 
Bei dem Hausteil eines Vierfamilienhauses zus. 324,52 Mk. 
Die Mehrkosten der Kanäle des Doppelhauses und auch 
des Vierfamilienhauses gegenüber denen des Reihenhauses 
werden aber nicht fühlbar werden können, denn besonders 
bei leichter Bodenart werden sich etwa die Hälfte der 
menschlichen Ausscheidungen auf dem eigenen Grund und 
Boden entweder mit Hilfe der Kompostierung, der Ver 
mengung mit tierischem Abfall oder mittels Untergrund 
berieselung verwerten lassen, was bei der ja meist ge 
ringen Gartengröße des Reihenhauses nicht möglich sein 
dürfte. 
Prof. Dr. Thumtn, der Vorsteher der Abteilung für 
Wasserhygiene, berechnet, daß bei leichter Bodenart 
125 qm Gartenfläche für den Kopf vorhanden sein müssen, 
um sämtliche Hausabwässer auf dem eigenen Grundstück 
unterbringen zu können. Dabei ist angenommen, daß 
Wasserspülklosetts und Badeeinrichtungen nicht vorhanden 
sind und daß die menschlichen Abgänge, in Gruben oder 
Tonnen gesammelt, gleichfalls auf dem Grundstück unter 
gebracht werden können. 
Bei einer Bewohnerzahl von 4 bis 5 Köpfen sind nach 
der Annahme von Dr. Thumm also 500 bis 625 qm Garten 
nötig. Die Hälfte der Ausscheidungen auf dem Grundstück 
unterzubringen, ist also bei der angenommenen Garten 
größe von 300 qm und leichten Bodenverhältnissen immer 
möglich. Die verbleibende Hälfte würde abzufahren sein. 
Diesbesagende Vorschriften müßten aufgestellt und befolgt 
werden. 
Die Reihenhaussiedelung hingegen wird man nach 
Möglichkeit von vornherein mit einer geordneten Kanal
	        
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