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Volume H. 8/9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 14.1917 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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berührte Arth von unseren öffters genandten Commissariis 
darzu würcklichen angewiesen worden / deßwegen gleich 
anfänglich / besonderlich aber deß Brands halben / umb daß 
er sein darein verwendtes Vermögen nicht sich und Anderen 
zun* Schaden nur geradwohl in Gefahr stecke/zeitliche Vor 
sehung gethah werde; So befehlen Wir also jeden / der sich 
in einen solchen Bau einlassen wird / sich solemnach und 
vor allem mit guten und vesten Feuer=Mauern gegen seine 
daran stossende Nachbaren so zu verwänden / damit in ent 
stehenden Feuers=Brunsten kein Hauß das andere so leicht 
anstecken / folglich dardurch allseithiger Schad desto mehr 
verhütet werden möge; Inmassen Wir dann auch unsere 
Commissarios, umb darauff/daß solches geschehe/ nebst 
unserem Ober--Rath ein wachtsam= und sorgfältiges Aug zu 
tragen dessen hiemit besonderlich erinnert haben wollen. 
Damit aber und nebst diesem diejenige / so zu bauen Vor 
habens seynd / und auch speciaüter dessen (woran Wir 
wegen deß in hiesiger Unserer Residentz ehevor geschehenen 
Bauens vor andern ein besonderes Mißfallen geschöpffet) 
verständiget seyn mögen / so verbiethen Wir 
Fürs 5te hiemit austrücklieh und indistincte alle und jede 
Ubergebäu / Ercker /Vorsprung und dergleichen / wie auch 
und in specie die bey vorigen Zeiten gegen die offene Gassen 
und Strassen sehr in Schwang gekommene Giebel oder so 
genandte Sattel-Dächer dergestalten ernstlich / daß gleichwie 
diese bißher der gemeinen Stadt nichts als eine Deformität 
gegeben / die letztere aber die Aufführung deren in vorigem 
§ 5 to gemelten Fcuer^Mauern / wo doch solche gegen die 
Dächer bey einem entstehenden Brand mehrmahls am meisten 
vonnöthen seynd / notorite verhinderen / auch und benebst 
wegen Ableitung deß Regen*Wassers durch die darzwischen 
ligende Canäl und Rinnen bey unseren Gerichten! vieles / 
stätes und bescfiwehrliches Klagen machen/daß also und 
dahero Wir auch selbe und zwar nicht allein an allen neuen 
Gehauen nicht mehr zu gedulten / sondern solche nicht weniger 
an alten/wann diese deß bauens bedürffüg/völlig abgebrochen 
und eingerissen zu werden / hiemit auffs nachdrücklichst 
gebiethen und anbefehlen. Und weilen dann auch 
Fürs 6te viele öfftere unnöthige Zwiespalt und Uneinigkeiten 
nicht weniger daher entstanden / daß wann jemand einen 
dergleichen Bau zu fuhren angefangen / daß ein solcher 
denen daran gestossenen Nachbarn / wie er ein-- und anderes 
in, selben einzurichten gewiliet/es weder vorhero eröffnet/ 
noch darüber einen Riß gezeiget; am wenigsten aber/daß 
auch anderer Seithen sich diese bey jenen gemeldet hätten / 
wo sie doch hernachmahls bald über dieses und jenes 
(welchem allem nichts destoweniger / wann nur einer gegen 
den anderen sich bey Zeiten hätte vernehmen lassen wollen / 
leicht und kürtzlich abzuhelffen gewesen wäre) zu ihrem 
beederseitigen Verdruß und Schaden h) ein langwüriges 
Zancken und processiren gerathen. Als ist Unsere gleich- 
massige gnädigst und ernstlich' befehlende Meynung / daß 
demnach und füro / der da zu. bauen Vorhabens ist / gleich 
bey dem Empfang seines von uns approbirten/und ihm© 
darauff von unseren Commissariis vorgedachter Dingen 
zugestellt werden sollenden Abriß /mithin ehe und bevor 
solcher noch was eingerissen / oder zu bauen angefangen / vor 
sie'.als unsere ersternandte Commissarios (welche eben 
darumben künfftig in der Wochen wenigstens einmahl zu 
sammen kommen sollen) nebst seincnNachbarn/uhd anderen/ 
welchen etwann mit daran gelegen / Vorbescheiden / Darauf 
hin dessen Riß ihnen gezeigt / und außgelegt / dann ob und 
was selbe gegen deß anderen vorhabendes Bauen mit Fug 
und Grund einzuwenden hätten / umbständlich vernommen / 
und also ihre Differenzien / wann sie deren einige hätten/ 
entweder zwischen ihnen in der Güte verglichen / oder wo 
diese an ihnen nichts verfangete / sothane ihre Stritt' und 
Irrungen / worüber alsbalden die Stadt-Geschwohrne in ihrer 
Meynung zu vernehmen / durch Richterlichen Spruch erörtert / 
und außgemacht: wo aber sie mehr=berührte Nachbarn solche 
ihre Beschwehrnussen vor ihnen Commissariis nicht an- 
zeigen / und ex post, wann der andere in seinem Bauwesen 
schon begriffen / ererst klagen würden / sie alsdann derent 
wegen simpliciter abgewiesen / und nicht weiters gehört 
werden sollen; Es wäre dann Sach /daß bey dem auffraumen/ 
oder abreissen eines alten Gebäus sich was neues an Tag 
legte / welches sie zuvor nicht hätten wissen / noch sehen 
können. Ober obiges und 
Fürs 7te/so wollen auch anbey auß vorigen und anderen 
Uns hierzu bewegenden Ursachen durchauß nimmer ge 
statten / daß füro bey verkommenden Theilungen ein Hauß 
anderst als von oben biß unten hinauß / umb daß dardurch 
die Übertritt von einem Theil in den anderen von Böden / 
Kellern und Gemächern vermeydet werden / als Senckel» 
Recht geschehe; oder eo ipso zu gewärtigen/ daß auff Er 
fahrung dessen / man nicht nur dergleichen Abtheilungen für 
null und nichtig declariret / darauff eine andere ex officio 
vornehmen/insonderheitlich aber die Geschwohrne / die sich 
solcher wider unser Gebott unternommen/zur wohlverdienten 
Straff ziehen werde. Hingegen und 
Fürs 8te damit aber auch diejenige / welche so fort nach 
unserem gnädigst approbirten Modelle zu gemeiner Stadt 
De cor gegen offene Gassen und Strassen zu bauen/gesonnen/ 
oder in solchem würcklich begriffen / umb dardurch auch 
andere hierzu zu animiren / wissen mögen / was Wir ihnen 
darfür zur Ergötz'ichkeit für eine Gnad angedeyen zu lassen/ 
willens seyen / so geben und verleyhen / Wir hiemit allen 
denen / die also vorberührter massen einen völligen gantzen 
neuen Bau mit Dareinwendung ihrer Kosten in vus publicis 
zu derselben Zierde aufführen/und stellen werden/auff jeden 
solchen Bau eine vollkommene Schatzung« und Steuer« 
Freyheit auff 10. völlige Jahr / welche gleich beym Anfang 
dessen angerechnet werden sollen / denenjenigen aber / die 
etwann ihre alte Häuser nur einsweilen /jedoch nach Auß- 
weiß unseres Modells von vornher bauen/ und das übrige 
davon biß zu ihrer besserer Gelegenheit anstehen lassen 
wollten / verwiegen Wir vorgemalte Schatzung, und Steuer« 
Freyheit auff 5. Jahr/jedoch/und wo hingegen sie dieses^ 
letztere auch noch befolgen würden / ihnen nicht weniger die 
übrige 5. Frey-Jahren zur accomplirung der obigen 10. 
auch gegönnet seyn sollen. Weiteres und 
Fürs 9te/so wollen Wir nicht minder gnädigst geschehen 
lassen / daß / wo auch die jenige / oder ihre Erben / welche ihre 
respectivfe obige 10. oder 5. Frey-Jahren noch nicht com- 
plete genossen / etwann deren Convenienz'nach den von 
ihnen geführten Bau an einen anderen käufflich oder sonsten 
ex quocunq; Titulo zu begeben willens /oder benöthiget 
wären/daß gleich wohlen der Genuß deren noch abgängigen 
obgedachter Frey«Jahren ihrem Succeasori nicht weniger 
fortlauffen und angedeyen /"welches auch und 
Fürs lOte / ebenmäßig auff die / welche zwar den von ihnen 
vorgehabten Bau angefangen / solchen aber nicht völlig zum 
Stand gebracht hätten /oder können / dafern deren Successor 
denselben folgends auffzuführen / übernehmen würde / seinen
	        
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