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Volume H. 8/9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 14.1917 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Teichen hindurch auf die Buchhorst gerichtete Axe, in der 
der Wald einen würdigen Hintergrund für eine größere 
Bauanlage oder eine Gedächtnlsstätte zu Ehren gefallener 
Krieger bietet; diese würde, da hoch gelegen, weithin von 
den im Bogen des Wabetal und die Teiche umgebenden 
Höhenrändern aus sichtbar sein. 
IV. Baugebiete. 
Zu Punkt 3 des Programms. Das Stadtgebiet im Ringe 
der Eisenbahnen (Landesbahn, Geller Bahn und Hauptbahn) 
bzw. im Osten cinspringend bis zur Westgrenze des Prinz- 
Albrecht-Parkes und des Hauptfriedhofes, im Norden und 
Westen aber auch an einigen Stellen überspringend, ist als 
ein einheitliches Baugebiet anzusehen, und zwar als Folge 
der bisherigen Entwicklung, die keine Unterschiede in der 
Bauweise sowohl als auch in der Höhe der Bebauung und 
zulässigen Ausnutzung des Baugrundstückes, sowie in dem 
Bauzwecke kannte. Für dieses Baugebiet sind insoweit 
abstufende Vorschriften erwünscht, als zum Schutze, wie 
schon bemerkt, in erster Linie der Landhausbebauung am 
Wall, dann der offenen Bauweise östlich des Walles in 
der Umgebung der Kalser-Wilhelm-Straße überhaupt und 
der'Reihenhausbebauung (mit Einfamilienhäusern) an der 
Technischen Hochschule und an der Salzdahlumer Straße usw. 
notwendig erscheinen nach besonderem Staffelungsplane 
durch Bausatzungen. 
Außer den vorgeschlagenen Straßendurchbrüchen zur 
Verbesserung des Verkehrs werden mit der Zeit noch sorg 
fältig auszusuchende Äufschließungsstraßen mitten durch 
große eng verbaute Baublöcke kommen müssen, um zurück 
gegangene ältere Stadtteile wirtschaftlich, wieder zu heben 
und gesundheitlich zu verbessern, ohne künstlerisch wert 
volle alte Straßenzüge zu zerstören. Sehr böse wirkt in 
dieser Hinsicht das nachträgliche Zurückschieben der Bau 
fluchten zur Verbreiterung der Straßen. Es sollte vielmehr 
möglichst die gewordene Bauflucht ausdrücklich auch als 
Fluchtlinie festgesetzt werden, ungeachtet aller Unregel 
mäßigkeiten, wie dieses z. B. in Nürnberg geschehen ist, 
um schöne Straßenbilder möglichst lange zu erhalten. 
Braunschweig ist eine noch viel zu wenig geschätzte 
Sehenswürdigkeit, die sorgsamer Schonung bedarf, und wenn 
sie einmal einer etwas stiefmütterlichen Behandlung der 
Eisenbahnpolitik entwachsen sein wird, auch auf zahlreichen 
Besuch rechnen darf. Die praktischen Anforderungen der 
Neuzeit werden deshalb gegen die berechtigten Wünsche 
der Denkmalpflege immer wieder aufs neue abzuwägen sein. 
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Die neuen Außengebiete. 
(Siehe die Farbenlegende auf der Doppeltafel 43/44.) 
A, Industriegebiete. Für die Großindustrie mit 
beschränkter Bewohnbarkeit zur Bewachung von Fabrik 
grundstücken und zur Versorgung mit Lebensmitteln usw. 
Für die Kleinindustrie (Werkstätten verschiedener Art, 
Fuhrhaltereien usw.) gemischt mit Wohnungen in 3—4 
geschossiger Bebauung je nach den Bedürfnissen der Ört 
lichkeit mit Ausschluß lästiger Betriebe anschließend an die 
Großindustriegebiete. 
B. Reine Wohngebiete; Für 2—3geschosaige Be 
bauung (auch für Reihenhäuser mit kleinen Hausgärten) 
wieder nach den Bedürfnissen der Örtlichkeit abgestuft in 
geschlossener und gemischter Bauweise (an den Schatten 
seiten der Weststraßen mit Bauwich) wobei südlich um die 
alten Dörfer herum eine niedrigere Bebauung erwünscht ist. 
Landhausgebiete in offener Bauweise einschließlich 
der Gartenstadtreihenhäuser mit und ohne Vorgärten. 
Kleinhaussiedelungen mit Doppel- und Reihen 
häusern in halboffener und gemischter Bauweise mit großen 
Gärten einschließlich Rentengütern für Kriegsbeschädigte. 
Diese Kleinhaussiedelungen werden in weiträumiger 
Anlage im allgemeinen keiner unterirdischen Entwässerungs 
anlage bedürfen und wenn schon, so doch nur nach dem 
Trennsystem. 
Alle diese Baugebiete sind auf Grund von Teilbebauungs 
plänen mit besonderen Bausatzungen, welche die Bauweise 
festsetzen, je nach der Örtlichkeit von Fall zu Fall zu er 
schließen. Dementsprechend sind auch die Straßen anzu 
legen. Neben den Verkehrsstraßen insbesondere auch Wohn 
straßen und Wohnhöfe. Die Hauptsache ist, daß die Bau 
gebiete und auch Freigebiete geschlossene Gruppen bilden 
unter rechtzeitiger Vermehrung der Verkehrsmittel. Ein 
Mangel daran treibt die Bebauung in die Höhe. 
Die ringförmige Stadterweiterung bildet eine der stärksten 
Ursachen für die Zerstörung der Altstadt, da sie ohne Durch 
brüche und damit Einbrüche in den überlieferten Bestand 
nicht durchführbar ist. Das zeigt sich auch in Braunschweig. 
Durch die hohe Bebauung an seiner Westseite erscheint 
das Stadtbild schon gestört, das Stadtbild, das an Stelle der 
früheren Festungswerke einen ebenfalls ringförmigen Ab 
schluß durch die Wallanlagen erhalten hat. Das weitere 
Zerfließen des Stadtbildes zu verhüten, ist deshalb auch hier 
die Entwicklung nach dem Strahlensystem zu befürworten, 
indem an den nach außen hin führenden Hauptstraßen neue 
Baugebiete als in sich geschlossene Siedelungen angesetzt 
werden; die offenen, von der Bebauung freizulassende Grün 
flächen (um diese Lücken recht breit zu machen, sind Grün 
streifen mit Kleinhaussiedelungen vorlängs der Gehölze vor- 
geseheh) und sonstige den Durchblick ermöglichende An 
lagen, wie den Exerzierplatz und den Flugplatz, voneinander 
trennen. Dabei braucht sich die nach außen fortschreitende 
Bebauung nicht immer weiter gleichmäßig oder in gleich 
mäßiger Abstufung auszubreiten; sie sollte vielmehr durch 
die eigenartige Entwicklung der Vororte, die wieder eine 
höhere Bebauung vertragen, wie von Spitzen durchbrochen 
werden, so daß neue Nebenmittelpunkte für die Bebauung 
entstehen. Befördert wird dies noch durch eine verschieden 
artige Gestaltung dieser Nebenmittelpunkte, insbesondere 
auch an den schönsten Seiten der alten Stadt durch eine 
niedrig zu haltende Landhaus- und Reihenhausbauweise, 
die dem Stadtbilde Vordergrund gibt. 
Solche neuen Mittelpunkte sind zur Sammlung der Be 
bauungsansätze, zur Bildung festumrissener Stadtgruppen 
notwendig, um wieder zu einem charaktervollen Gesamt 
umrisse zu kommen; so finden denn auch die wirt 
schaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Anforderungen 
Ihren schönheitlichen Ausdruck. Inhalt und Form decken 
sich, der praktische Zweck ' und die künstlerische Er 
scheinung. 
Bei den umfangreichen Vorarbeiten im Gelände, der 
Programmbearbeitung und den vorbereitenden Planungs 
arbeiten ist mir Herr Franz Steinbrucker, Architekt B. D. A., 
ein getreuer Mitarbeiter gewesen.
	        
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