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Volume H. 2/3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 14.1917 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Dichters — als Dichter der Beginen seien die Flamen 
Rodenbach, Gezeele und Bergraaus genannt. Die Stimmung, 
die in der Weltentrücktheit, dem Gottesfrieden, der immer 
feiertäglichen Ordnung dieser Höfe liegt — Eigenschaften, 
die so wohltuend und gesund gerade für die Wohnviertel 
unserer von Tagesmühen und Nahrungskampf abgespannten 
Arbeiter wären —, wie wunderbar, wie eindrucksvoll und 
unvergeßlich mutet diese Stimmung uns jetzt an, da draußen 
ein vernichtender Orkan leidenschaftlichen Widerstreits tobt. 
Wie doppelt erwünscht wird eine solche Stimmung der 
Wohnviertel für die aus dem Kampf Zurückgekehrten mit 
ihrer Heimatssehnsucht sein! 
ÜBER DIE ANORDNUNG VON STÄLLEN 
IM BLOCKINNERN. 
Von Regierungsbaumeister a. D. WALTER KOEPPEN, Architekt, Berlin. 
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Das durch den Krieg hervorgerufene Anwachsen der 
Kleintierzucht läßt überall in unseren Berliner Vorortsiede- 
hingen Stallungen wie Pilze aus der Erde schießen. Es ent 
stehen — oft zum Ärger des Nachbarn — hohe Giebelwände, 
welche die Schönheit und Nutzbarkeit der Gärten beein 
trächtigen und die zusammenhängenden Gartenflächen im 
Blockinnern verkleinern. Dieser Er- 
scheinung, welche schon vor dem Kriege 
in einzelnen Fällen auftrat, ist mit den 
bisherigen Bestimmungen der Vorort 
baupolizeiordnung nicht beizukommen; 
denn sie erlaubt Nebenanlagen mit 
Brandmauerhöhen von9 m in einer Aus 
dehnung. welche sich nur nach der Ge- 
samtbebaubarkeit der Grundstücke 
richtet. Die Nebenanlagen unterliegen 
nur der Einschränkung, daß sie 20 m 
Abstand von der Bau 
flucht halten müssen. 
Dieser Übelstand bietet 
Anlaß zu nachstehen 
den Bauvorschriftsbe 
trachtungen, welche 
ich zur Besprechung 
stellen möchte. Bei 
der Überbauung von 
Grundstücken mit 
Ställen und Nebenan- 
lagen ist dafür Sorge 
zu tragen, daß keine 
freibleibenden Brand 
giebel entstehen und 
zumal in Gebieten der 
offenen und Gruppen 
bauweise — die zu 
sammenhängenden 
Frei- und Garten 
flächen so wenig wie möglich beeinträchtigt werden* 
Man wird deshalb zweckmäßig anordnen, daß benach 
barte Stallbauten 
1. aneinanderstoßen und deren Brandgiebel sich im wesent 
lichen decken müssen; 
2. nur in einer bestimmten durch Baulinien festzusetzenden 
Zone errichtet werden dürfen; 
3. in Grundrißfläche und Höhenausdehnung auf die not 
wendigsten Abmessungen eingeschränkt werden müssen. 
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Abb, 6, 
Die für Reihenhaussiedelungen in betracht kommenden 
Kleintierställe sind zweckmäßig in einer Größe von etwa 
2 x 4 m anzulegen, dazu kommt ein Schuppen von etwa 
2 x2 m Größe für Geräte usw. Die Höhe dieser Nebenan 
lage wird mit 1,8 m für den Stall und etwa 0,8 m für einen 
darüber befindlichen Abstellraum (Heu) ausreichen. Eine 
Anlage dieser Art gibt Abb. 6. 
Für Mietshäuser ist die Möglich 
keit eines Pferdestalles oder eines 
Autoschuppens vorzusehen von etwa 
4X6m Große. 
Bei größeren Landhäusern wird 
außerdem die Anordnung von Neben 
anlagen, die Waschküche und Haus 
wartwohnung enthalten, in betracht 
zu ziehen sein. Nach den meisten 
Bauordnungen darf für eine solche 
Nebenanlage eine 
Größe von 60 qm nicht 
überschritten werden. 
Die Höhe dieser 
größeren Ställe und 
derartige Nebenan 
lagen genügt mit 2,8 m 
für Wohnung oder 
Stall und 1,6 m für 
den darüber befind 
lichen Boden. 
Treten solche Bau 
lichkeiten an die Nach 
bargrenze, so sollte die 
Dachdeckung in allen 
Fällen eine flache sein, 
um die Höbe dieser in 
den Gärten gelegenen 
Bauwerke nach Mög 
lichkeit zu mildern, 
vorderer und hinterer Baulinien 
Abb. s. 
Für die Festsetzung 
gibt Abb. 7 ein Beispiel. 
Bei Reihenhaussiedelungen mit Grundstücksbreite von 
über 8 m wird Zusammenbau von Wohnung und Stallung 
für Freihaltung der Gartenflächen dienlich sein (Abb. 8). 
Bei Orundstücksbreiten unter 8 m Breite würden bei einem 
derartigen Zusammenbauen enge und zu schattenreiche 
Hofwinkel entstehen.
	        
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