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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 14.1917 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Vorgelände liegenden Sportplätze wären derartige Gebäude 
sehr erwünscht; auch eine Sommerwirtschaft käme inbe 
tracht. Sollte auch wirklich alle Jahrzehnte einmal eine 
geringe Überschwemmung des Fußbodens eintreten (die 
sich noch durch Dichten der Tür und Aufstellen einer 
Pumpe vermeiden ließe), so könnte dieser Umstand jeden 
falls nicht ausschlaggebend sein; die Zugänglichkeit ließe 
sich durch vorbereitete Stege auch für diesen Fall genügend 
aufrecht erhalten. Das klingt wenig modern; warum sollen 
denn aber immer wieder zugunsten geringfügiger, selten 
in Erscheinung tretender Verbesserungen die besten Mög 
lichkeiten, etwas Schönes und Brauchbares zu schaffen, 
unbenutzt bleiben? 
Als Beispiel sei auf einen im Düsseldorfer Stadtgebiet 
mitten im linksrheinischen Vorgelände liegenden alten 
Bauernhof mit schönem Baumbestand und Garten hinge 
wiesen, der noch fast 2 m unter der Uferstraße liegt. Da 
das Aufkäufen für den Deichverband wohl zu teuer ist, so 
bildet er auch weiterhin einen Schmuck der Gegend und 
eine Belebung des Strombildes. Irgendwelche Störungen 
des Hochwassers sind nie eingetreten. 
Ich bin mir bewußt, daß nicht nur manche Vorurteile, 
sondern auch viele sachliche Schwierigkeiten zu überwinden 
EINE FRIEDENSSTADT. 
Auf die Frage, wie das deutsche Nationaldenkmal dieses 
Krieges aussehen soll, gibt Dr. Hans Kampffmeyer, der Groß- 
herzoglich Badische Landeswohnungsinspektor und Ge 
schäftsführer des Badischen Landeswohnungsvereins eine 
Antwort, die ebenso großzügig wie gut deutsch ist. Er 
schlägt die Gründung einer neuen Stadt von 100000 Ein 
wohnern vor, die von der Siedelungsart an in ihrem ge 
samten Aufbau ein Muster deutscher Stadtanlage sein sollte. 
In größtem, bisher ungekanntem Maßstab wäre so Gelegen 
heit gegeben, die Ziele der deutschen Gartenstadtbewegung 
zu verwirklichen, wirtschaftlich, technisch und damit ge 
sundheitlich und schön. Es gäbe in dieser Stadt keine Miet 
kasernen mehr, in denen die Menschen zusammengepfercht 
würden, sondern in Kleinhäusern mit Gärten würden die 
Menschen wohnen, und höchstens die Geschäftshäuser wür 
den etwa dreigeschossig werden dürfen. Wirtschaftlich 
bliebe alles, Boden, Häuser, Gärten, im Obereigentum der 
Stadt; die Häuser und Gärten würden in Erbbau, Pacht u&w. 
abgegeben und die gesamte Versorgung mit Lebensbedürf 
nissen böte Gelegenheit zu einer vorbildlichen genossen 
schaftlichen Organisation. Es wäre eine Stadt des Gemein 
sinns, wie er sich im Kriege so vielfach betätigt hat und 
die Gründung ein Beweis des Opfermutes des ganzen deut 
schen Volkes, der ira Kriege eine nie geahnte Größe ange 
nommen hat. Dabei ist das Opfer, das Kampffmeyer dem 
Volke selbst zumutet, verhältnismäßig klein. An allgemeinen 
Geldmitteln braucht er nur 10 Millionen Mark, die er als 
Reichsstiftung der Bundesstaaten, Provinzen, Städte denkt. 
Die erste Million wäre wohl als Stiftung einiger Industrieller 
aufzubringen, die ihren Namen unauslöschlich mit der Frie 
densstadt verbinden würden. Bei der Reichsstiftung aber 
würde Kampffmeyer den Stiftern die Patenschaft für Stadt 
teile, Straßen, Plätze, Anlagen antragen, und so ihre Namen 
dauernd mit ihnen verbinden. Was aber die öffentlichen 
sind. Aus der Vermeidung aller Schwierigkeiten sachlicher 
und organisatorischer Art entsteht eben der Schematismus. 
Es ist Sache der Gegenwart, aus demselben herauszu 
kommen. 
• • 
» 
Schlußbemerkung der Schriftleitung. 
Gleichmäßig durchlaufende Uferstraßen sind in der Umgegend von 
Berlin schon öfter von den Aufsichtsbehörden gefordert worden. Ufer 
straßen können erwünscht sein; schön ist aber auch die Uferbebauung 
nicht nur für den Besitzer, sondern auch für den auf dem Wasser Vor 
beifahrenden, schöner als manche Uferstraße. Bel großen Längen ist 
besonders eine gelegentliche Unterbrechung der Straße anzustreben, ein 
Wechsel zwischen Straße und Bebauung (wie an der Hl in Strasburg, am 
Tegernsee, in Lugano). Wie und wo das ausführbar ist, bangt von dem 
Verlaufe der Wasserkante, von dem Umrisse des Uferrandes, von seiner 
Höhenentwicklung und landschaftlichen Gestaltung, von der Form und 
Größe etwa vorhandenen Vorlandes usw., von der Möglichkeit also 
günstiger Ausnutzung für die Bebauung und der Schaffung freier Aus 
blicke ab — dabei schaden kleine Umwege nichts. Der Schrecken aller 
Sommerfrischler sind die vom Automobil verkehr mißbrauchten auf lange 
Strecken durchlaufenden Uferstraßen (wie an der Riviera, in Tegernsee usw.). 
Auch in dieser Frage kommt es wie fast immer auf das künstlerisch ge 
schulte Auge an. 
Gebäude angeht, so würden sie wieder von den inbetracht 
fallenden Organisationen gestiftet. So das Rathaus von den 
deutschen Städten, das Krankenhaus von den deutschen 
Ärzten, die Entbindungsanstalt von den deutschen Frauen 
usw. Die technischen Werke würden von den entsprechen 
den Industrien gebaut, die Anlagen von den Gärtnern und 
inmitten der ganzen Stadt stünde das Volkshaus als Mittel 
punkt des geistigen Lebens zugleich. 
Für die Stadtgründung ist natürlich die Gewinnung einer 
passenden Industrie von größtem Belang. Kampffmeyer denkt 
an Betriebe, wie sie im Deutschen Werkbund zusammen 
geschlossen sind und die eine hochstehende Arbeiterschaft 
sichern würden. Dazu kämen Bauarbeiter, Beamte, An 
gestellte usw., so daß sich die Bevölkerung für einen kul 
turellen Aufbau rasch durchschichten würde. Aber nicht 
nui* Handel und Industrie, Gewerbe und Geistesarbeit will 
Kampffmeyer in der Friedensstadt vereinen, sondern er legt 
um die Stadt herum einen Gürtel mit Wirtschaftsheimstätten, 
so Stadt und Land auf das engste verbindend, die Bevölke 
rung aus nächster Nähe mit Lebensmitteln versorgend. Die 
Friedensstadt verkörperte also auch die im Kriege neuge 
schätzte Gemeinschaft von Stadt und Land; mit ihrenBauten 
wäre sie ein Vorbild neuzeitlichen Städtebaus, zugleich aber 
infolge der schenkungsweisen Einrichtung der öffentlichen 
Gebäude eine Ausstellung deutscher Wertarbeit, im gesamten 
eine Ausstellung deutscher Geistesarbeit am Ende des größten 
Krieges der Weltgeschichte. Es wäre noch mehr, es wäre 
eine Dauerausstellung, ein Riesenlaboratofium, in dem sich 
jener Geist, wie er sich im Kriege gestählt hat, weiter be 
tätigt und dem Denkmal immer neue Spuren ansetzt. 
Man darf wohl annehmen, daß sich der schöne Gedanke 
zahlreiche Anhänger erwirbt. Stifter für die allgemeinen 
Mittel finden sich sicherlich, die eigentlichen Häuserbau 
gelder können auf hypothekarischem Wege beschafft werden,
	        
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