Path:
Volume H. 10/11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 14.1917 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
121 
Abb. 5. 
j\xrßei~uträ SfödÜrtferfe/JSfierL v&rstftfeäetTjMixJ 
{fatfnflnßüft* /x’JVTfhzrT kekm*. 7)e*? Sfa2r&cUc)ei> 3£satn**rrr~ 
a&ourß/k** ffefyer/ CS a J. tfa/ch thuftfe /t/Zr/GUn* fafZtafäc/, 
fafter Jw&U~ Jfac&roer/ZrAäßeu- fa' jwfatäeto 
Jhiz^eZt C?fj 
„DER SOCKEL“ 
Von JOST, Böblingen. 
Es ist nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, der Sockel 
am Haus sei in vielen Fällen eine bloße Gedankenlosigkeit. 
Wir haben uns als Entwerfende gewöhnt, keine Form nur 
der Form zuliebe in unsere Pläne aufzunehmen. Wir ver 
suchen vielmehr, jegliche Form aus dem Gefüge des Ganzen 
und des Einzelnen zu gewinnen. Nun kann gewiß auch der 
Sockel und mit ihm das Sockelgesims sich ganz organisch 
aus dem Aufbau des Hauses ergeben, und zwar als Absatz 
und Übergang von der stärkeren Sockelmauer zu dem 
schwächeren Stockgemäuer. Und diese Möglichkeit wird 
bei allen Bauten gegeben sein, sofern sie sich mit ihrem 
Erdgeschoß über Erdgleiche erheben. Eine Frage ist es 
aber nur, ob wir auch gut daran tun, diesen Übergang 
immer und überall zu betonen und hervorzukehren, wie es 
das gedankenlose Schema will. 
Sockelgesimse verstünden sich von selbst, wenn sie aus 
konstruktiven Gründen erforderlich wären. Dies ist nun 
aber zweifellos nicht der Fall. Ein Haus ohne Dachgesims 
ist unvollkommen, wenigstens in unseren Breiten; Wind 
und Wetter lehren das. Ein Haus ohne „Sockel“ dagegen 
— unter „Sockel“ hier immer soviel wie Sockelgesims, also 
seine besondere Betonung und Hervorkehrung verstanden 
— ist baulich einwandfrei und recht wohl denkbar. Ein 
Blick in eine alte Gasse überzeugt uns hiervon jederzeit 
(Abb. la und 1b). Das Haus ohne „Sockel“ ist in alten 
Straßen sogar so häufig, daß im Gegenteil die Frage be 
rechtigt ist, ob hier nicht bewußte Absicht vorliegt. Die 
Sorgfalt, mit der das Mittelalter z. B. an seinen Kirchen 
jeden nach außen liegenden Mauerabsatz durch ein Gesims 
mit steiler Platte und Wassernase unschädlich machte, zeigt 
deutlich, daß man solche horizontale Absätze sicherlich be 
wußterweise vermied, wo es angängig war — beim Wohn 
hausbau also, vor allem wo man sie ja leicht nach innen 
verlegen kann. Die Erfahrung gibt den Alten recht: Man 
sieht gelegentlich alte Häuser, denen man bei Erneuerungen 
nachträglich noch Sockelvorsprünge und Sockelgesimse an 
geputzt hat und bei denen nun Putz und Mauerwerk vom 
Sockel an aufwärts naß und voller häßlicher Flecken ge 
worden sind. Bei dem Haus ohne Sockel zeigen sich diese 
Schäden zwar auch, wenn nicht durch schräg angelehnte 
Sockelplatten selbst dem noch vorgebeugt ward, was man 
ab und zu auch beobachten kann. Hier sind diese Schäden 
aber weniger schlimm, weil sie am Aufstand des Hauses 
auftreten und dort nur Keller und Untergeschoßräume be 
einträchtigen. 
Es kann also gesagt werden, daß — rein praktisch be 
trachtet — jeglicher nach außen gekehrter Sockelvorsprung 
eher schädlich als notwendig ist,
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.