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Volume H. 8/9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 13.1916 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
87 
Alter Talsperreuweg. Zur neuen Eisenbahnüberführung. 
Abb. 6. Teilbebauungsplan für den Platz an der Ringstraße und der neuen Verbindung 
zu der Bahnüberführung des neuen Talsperrenweges. 
bindungsstraße gegenüber müßten etwas statt 
lichere Giebel-Doppelhäuser errichtet werden, 
die jedoch auch eineinhalbstöckig geplant sind. 
Nach Westen hin bildet das Nachbargelände, 
an die Mulde anschließend, von neuem ein 
scharfes Knie. Hier soll der in städtischem Be 
sitz befindliche Baumbestand erhalten bleiben, 
für den von Lennep kommenden Beschauer 
die neue Siedlung von der alten Rentengut 
siedlung trennend und doch die Linienführung 
der Hausreihen am Talsperrenweg und der 
neuen Fahrstraße verbindend und ausgleichend. 
Diesem Zwecke soll auch ein Haus dienen, 
das in der Achse der zur Wegeüberführung 
aufsteigenden Dammstraße an der Ecke von 
Talsperrenweg und neuer Fahrstraße geplant 
ist, aber nicht zum Lenneper Hof gehört. 
Wenngleich das Einzelhaus bisher in Lennep 
bevorzugt wurde, ist doch im vorliegenden 
Fall, zum Teil aus Gründen der Verbilligung, 
besonders aber auch, um eine allzu große 
Zerrissenheit im Anblick der Siedlung zu 
vermeiden, dem Doppelhause der Vorrang zu 
geben. Hierzu sind verschiedene Lösungen 
hauptsächlich aus dem Grunde versucht, um 
den Wohn- und Schlafzimmern, je nachdem 
das Haus an der Nord- bzw. Südseite der 
meist westöstlich verlaufenden Straßen liegt, 
möglichst gute Besonnung zu gewährleisten. 
Die äußere Erscheinung der Häuser soll einfach gehalten 
werden, die Dächer mit dunklen Hohlpfannen zwischen 
Schieferrändern eingedeckt, die Wandflächen teils ganz, teils 
nur im Obergeschoß geschiefertwerden, mit weißen Fenster 
umrahmungen und grünen Läden. Es ist die einfache 
bergische Art, wie sie, aus der Zeit der Großväter (um 1840) 
stammend, noch überall in den Straßen von Lennep und 
Umgebung zu Anden ist. 
Zu den einzelnen Haustypen übergehend, ist zunächst 
zu erwähnen, daß in Lennep seit den achtziger Jahren ein 
gemeinnütziger Bauverein besteht, der, abgesehen von ein 
zelnen Versuchen, Einzelhäuser als Erwerbshäuser zu 
bauen, im wesentlichen den Bau von zwei bis zweieinhalb 
stöckigen Miethäusern gepflegt hat. Dabei hat sich heraus 
gestellt, daß die Nachfrage nach Dreizimmerwohnungen 
bei weitem überwog. Vier Räume wurden selten, zwei 
Räume nur vereinzelt verlangt. Es handelt sich dabei um 
abgeschlossene Stockwerke, je eine Wohnküche und zwei 
andere Räume enthaltend, dazu ein Spülabort und eine 
Speisekammer. 
Weniger die Bodenpreise als die ziemlich hohen Bau 
kosten, die in Lennep und näherer Umgebung erforderlich 
sind, haben auf die Zimmergröße mindernd eingewirkt, und 
so ist es im Laufe der Jahre zur Festlegung einer durch 
schnittlichen Zimmergröße von 13 qm gekommen. Eine 
solche abgeschlossene Wohnung von drei Räumen enthält 
also einschließlich Küche etwa 39—40 qm Wohnfläche, ab 
gesehen von Flur und Nebenräumen. Sie erfordert eine 
jährliche Miete von etwa 260 Mk., d. h. 86 Mk. das Zimmer, 
oder 6,50 Mk. für das Quadratmeter Wohnfläche gerechnet. 
Das Dachgeschoß der Miethäuser enthält nur Trockenböden; 
im Keller sind für je zwei Familien gemeinschaftliche Wasch 
küchen angelegt. 
In den letzten zehn Jahren wurde nun mit Hilfe der 
Generalkoramission eine Rentengutsiedelung in Lennep an 
gelegt. Hier war mit einer ganz anderen Art von Bewerbern 
zu rechnen, vor allem mit einer größeren Kinderzahl. Die 
ersten Häuser hatten nur vier Räume, Stall usw.; allmählich 
entstand aber ein fünfräumiger Haustypus (einschl. Küche), 
wie er auf Tafel 53, a und b dargestellt ist. Der größeren 
Zimmerzahl entsprechend, ist hier die durchschnittliche 
Zimmergröße nur 11,76 qm. Die Gesamtkosten eines solchen 
fertigen Rentenguts haben bisher etwa 7500 Mk. betragen. Die 
jährlichen Unkosten des Inhabers an Zinsen, Tilgung, Steuern, 
Ausbesserungen usw. belaufen sich insgesamt auf 420 Mk. 
Hiervon sind als Ertrag des Gartens 50 Mk. abzuziehen, so 
daß eine jährliche Belastung von 370 Mk. übrigbleibt. Wird 
diese Summe durch die Wohnfläche 5 . 11,76 — 58,60 qm ge 
teilt, so ergibt sich eine Miete von 6,3 Mk. für 1 qm Wohn 
fläche, in der aber eine Tilgungsrate eingeschlossen ist. 
An den Grundrissen hat sich als Mangel gezeigt, daß das 
Wohnzimmer im Erdgeschoß vielfach nur als gute Stube 
benutzt wird und dann zu groß ist. Das Hauptschlafzimmer 
ist dagegen zu klein. Die Waschküche ist im Keller unter 
gebracht, und dort müßte auch eine Badeeinrichtung ihren 
Platz finden. Es liegt nahe, von diesem Typus auszugehen, 
da Verfasser auch die Häuser des Gemeinnützigen Bauvereins 
und die Rentengutsiedelung entworfen und ausgeführt hat. 
Tafel 53, c und d zeigt nun die Grundrisse eines Renten 
guthauses von ähnlichen Größenverhältnissen wie der alte 
Typus auf. Hier ist jedoch die gute Stube in ihrer Größe ein 
geschränkt und dafür eine Wasch- und Spülküche mit Bade 
möglichkeit gewonnen. Das Schlafzimmer der Eltern ist 
größer und die Raumausnutzung wesentlich günstiger, ob 
wohl die durchschnittliche Zimmergröße (ohne Spülküche) 
nur 11,04 qm beträgt. Derselbe Grundriß ist für ein Doppel
	        
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