Path:
Volume H. 8/9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 13.1916 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
78 
leisen und gewährt, während er an hochliegenden Terrassen- 
gärten vorüberzieht, einen in Pirmasens seltenen und dafür 
um so erfreulicheren Genuß, der überdies noch eine Steige 
rung erfährt, wenn zum Anblick der wohlgepflegten Gärten 
mit ihrer Blütenpracht oder ihrem Obstreichtum für den 
rückwärts Schauenden noch der Ausblick in die weite Ferne 
kommt, die sich über dem Osten der Stadt ausbreitet. 
Es handelt sich dabei um schwere Anforderungen. Wer 
aber die schönen, meist stark ansteigenden Innengärten 
kennt, die sich oberhalb der Schäfergasse und der Haupt 
straße hinziehen und über die Dächer der tiefliegenden Stadt 
teile zu den jenseitigen Höhen grüßen, oder wer die schönen 
Blicke kennt, die in der Altstadt durch die Schonung von 
ein paar anderen Innengärten erhalten werden können, und 
wer dann weiß, daß sie fast alle nach und nach verschwinden 
würden, um einer immer dichteren Bebauung Platz zu 
machen, zu der sie zumeist gar nicht einmal geeignet sind, 
der sollte vielleicht doch die Notwendigkeit einsehen, daß 
zum allgemeinen Wohle eingegriffen werden muß, damit 
nicht das wenige, was im Stadtlnnern an Luft und Licht 
noch erhalten ist, bis zum letzten sonst zulässigen Quadrat- 
schuh der Überbauung geopfert wird. 
Der Plan darf sich aber nicht damit begnügen, für die 
Erhaltung einiger Innengärten einzutreten, er muß auch auf 
die Schaffung von solchen hinwirken und sie mit Hilfe der 
rückwärtigen Baulinien da und dort im Stadterweiterungs 
gebiet zu erreichen suchen. Der Umfang solcher Gärten ist 
im allgemeinen recht mäßig angenommen, und bei einem 
Teil meiner Vorschläge handelt sich’s nicht mehr so sehr 
um Gärten als um Wohnhöfe, in denen vielleicht ein paar 
Bäume angepflanzt werden können; bei sehr kleinen Bau 
blöcken, wie sie im Plan nicht zu vermeiden waren, sind 
auch diese Höfe zusammengeschrumpft, so daß sie nur mehr 
die noch zulässigen Maße besitzen und die rückwärtige Bau 
linie bloß zeigen soll, wie die Überbauung eines solch kleinen 
Blockes gedacht ist. 
Was übrigens die rückwärtige Baulinie anlangt, so will 
mit ihrer Anwendung stets eine Beschränkung der Be 
bauungsdichtigkeit erreicht werden, und sie kann niemals 
dazu dienen, um eine stärkere Ausnützungsmöglichkeit her- 
beizufuhren, als die Bauordnung sie zulassen würde. An 
einigen von den Treppenwegen wird das sowieso kommen 
müssen, denn es dürfen dort, wie schon gesagt worden ist, 
selbständige Bauten nicht errichtet werden; es kann also 
nur in dem Maße an ihnen gebaut werden, als es die Be 
stimmungen und der Sinn der Bauordnung in ihrer An 
wendung auf jene Straßen zulassen, welche durch Treppen 
wege miteinander verbunden sind oder verbunden werden 
sollen. Dabei kann es sich nur um Plügelbauten oder Rück 
gebäude handeln, und deren Entwicklung längs eines Treppen 
weges wird zwar von dessen Längenausdehnung, haupt 
sächlich aber davon abhängig sein, ob dieser Weg zwischen 
geringer oder stärker ansteigendem Gelände in die Höhe 
zieht. 
Je geringer die Steigung auftritt, Um so eher wird es 
angebracht sein, in dem an solchem Treppenweg liegenden 
Baublock größere befahrbare Hofräume zu schaffen, welche 
den Bau bewohnbarer Rückgebäude oder solcher Plügel 
bauten gestatten, die ihrer Tiefenausdehnung halber den 
Rückgebäuden gleichzuachten sind. Je größer dagegen die 
Steigung ist, desto weniger leicht und lohnend wird die 
Schaffung größerer Hofräume sein. Diese werden vielmehr 
auf ein geringes Maß gebracht werden und — je nachdem 
das Gelände, dem sie sich zweckmäßigerweise anschmiegen 
sollten, steigt oder fallt — höher oder tiefer zu liegen kommen 
als die Straße, zu der sie gehören. Zufahrten werden sie 
daher nur in seltenen Fällen erhalten und deshalb auch die 
Bedingungen für die Errichtung bewohnbarer Rückgebäude 
oder tieferer Flügelbauten nicht erfüllen können. 
Für die Tiefe solcher Flügelbauten wird übrigens, da 
die bayerische Bauordnung ohne weiteres greifbare Be 
stimmungen nicht enthält, die Festsetzung von Höchst 
maßen durch ortspolizeiliche Vorschrift empfohlen. 
Zu dem früher erwähnten Straßenzug Landauer Straße usw. 
— Streckenüberquerung, der eine wesentliche Entlastung der 
Hauptstraße bringen soll, ist hinsichtlich dieser Talüber 
schreitung auf einen Vorschlag verwiesen, der schon im 
Plan von 1891 auftritt. Er ist später geändert worden, bildet 
aber beide Male eine Verlängerung der Gasstraße. Ursprüng 
lich von der Schachenstraße weg bis zum gegenüberliegenden 
Hang geradlinig gedacht, soll die Überquerung nach dem 
stadtbauamtlichen Plan mit einer scharfen Kurve erfolgen und 
den Hang in einer kurzen, teilweise schon bebauten Straße 
treffen, die in ihm zur Ecke Pasquaistraße—Wittelsbacher 
Straße aufsteigt und etwa 170 m näher an der Stadt liegt. 
Das bedeutet in gewisser Hinsicht eine Verbesserung, 
diese ist aber insofern teuer erkauft, als die Einmündungs 
straße in ihrem fertiggestellten oberen Teil eine Steigung von 
etwa 9 Prozent aufweist, und das ist für eine Straße ent 
schieden zuviel, welcher größere Verkehrsbedeutung zu 
kommt, und die, wie beabsichtigt ist und voraussichtlich 
auch nötig wird, noch dazu eine Trambahn in sich auf 
nehmen soll. Seit dem Bau der Südstraße, der Gerichten- 
straße und der Fahrstraße ist eine andere, d. h. bessere, 
Einmündungsstelle nicht mehr möglich, die früher und vor 
ausgesetzt, daß die Gelände- und nicht die Besitzverhältnisse 
das entscheidende Wort gehabt hätten, wenigstens für den 
Zug von der Gasstraße her, unschwer zu finden gewesen 
wäre. Mein Vorschlag kann deshalb nur dahin gehen, daß 
die namenlose Straße gehoben und ihr Gefälle auf etwa 
6 Prozent verringert werde. Mehr wird unmöglich zu er 
reichen sein, und auch das würde schon wesentliche Ver 
änderungen in der bisher angenommenen Höhenlagcverhält- 
nissen der Strecküberquerung bedingen. 
Diese Überquerung der Strecke soll nach der bisherigen 
Annahme mittels einer Dammaufschüttung erfolgen. Das 
würde aber geradezu ein Unglück sein, wenn es zur Aus 
führung käme. Die ganze Sache besitzt nämlich nur dann 
den erhofften Wert, wenn die Gefällsverluste nicht allzu große 
und die Steigungsverhältnisse nicht sonderlich ungünstig wer 
den. Soll das aber geschehen, so wird die Dammaufschüttung 
eine sehr hohe, schneidet das Strecktal von seinem Aus 
läufer zur Stadt völlig ab, und die Fahrschc Fabrik und das 
ganze, tiefliegende Industriegebiet im ältesten Teil der Stadt 
sind noch mehr eingesackt und werden daher am so not 
wendigen Luftzu- und -abfluß noch mehr behindert. Die 
große Fahrsche Fabrik käme geradezu in ein Loch zu liegen, 
von dem es nach allen Seiten ln die Höhe geht. 
Das wird sich aber nur erreichen lassen, wenn auf den 
Damm verzichtet wird, und wenn an seine Stelle ein Viadukt 
tritt, von dem ich mir denke, daß er das Tal mit weitge 
öffneter, leichter Bogenstellung übersetzen soll. Er würde 
nicht nur zulassen, daß die Gefällsverluste erheblich geringer 
werden als beim Damm, sondern auch den gesundheitlichen
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.