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Volume H. 2/3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 13.1916 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
16 
#• 
teiligung des oldenburgischen Staates zu bauen im Begriffe 
steht, fertiggestellt sein werden und damit für diese ganze 
Stadterweiterung gewissermaßen ein Kristallisationszentrum 
gegeben ist. Die Stadt Rüstringen hat außerordentliche Mittel 
aufgewendet, um hier eine hervorragende Anlage schaffen 
zu können; für ihre Wirkung ist die vollkommenste Ein 
gliederung in den Stadtorganismus eine Grundbedingung, 
und diese wird nur erfüllt durch die bestmögliche Verbin 
dung mit dem Hauptverkehrspunkt, dem Bahnhof. . . usw.“ 
Die Verhandlungen sind bis heute noch nicht zum Ab 
schluß gekommen, jedoch läßt sich ihr Ergebnis ungefähr 
übersehen; der neue Hauptbahnhof mit derEilgüterabfertigung 
wird um etwa 700 m westlich an die Landesgrenze ver 
schoben, der neue Güterbahnhof um etwa 2000 m in der 
selben Richtung. Es liegt auf der Hand, daß beim weiteren 
Ausbau der Gesamtstadt bei der großen Ausdehnung des 
Stadtgebiets ein Güterbahnhof für alle Zukunft nicht aus 
reichend sein wird. In bezug auf die Lage weiterer Bahn 
anlagen kann man zurzeit nur Vermutungen haben, die noch 
ohne praktischen Einfluß auf die Gestaltung der nächsten 
Stadterweiterung sind. 
Mit der Verschiebung des Hauptbahnhofes wird im 
Innern der Stadt ein großes Gelände frei, und es erwächst 
der Stadt Wilhelmshaven die dankenswerte Aufgabe, ein 
großzügiges modernes Geschäftsviertel entstehen zu lassen, 
für dessen Gestaltung die Stadt durch Übernahme des frei 
werdenden Geländes die Bedingungen des Aufbaues bis ins 
einzelne festlegen müßte. Die Bedeutung der Aufgabe würde 
es rechtfertigen, die Grundlinien auf dem Wege eines Wett 
bewerbes zu klären. 
Neben dem Fernpersonenverkehr spielt der Nachbar 
ortverkehr eine gewisse Rolle. Ein Teil der Werftarbeiter 
schaft wohnt in den umliegenden Gemeinden, teils um sich 
der Steigerung der Wohnungsmieten in der Stadt zu ent 
ziehen, teils um sich die Vorteile des ländlichen Wohnens 
zu einer Zeit zu verschaffen, wo eine weitsichtige Wohnungs 
politik in den oldenburgischen Einzelgemeinden noch nicht 
eingesetzt hatte. So fahren täglich bei Beginn und Schluß 
der Arbeitszeiten Werftarbeiterzüge; eine Umfrage bei der 
Werft hat ergeben, daß Arbeitswege von einer Stunde und 
mehr nicht selten sind. 
Spielt somit der Nachbarortverkehr schon eine wenn 
auch geringe Rolle in der Aufgabe der Erschließung billigen 
Baulandes, so wird die elektrische Straßenbahn immer 
bewußter mit Hinblick auf diesen Zweck ausgebaut werden 
müssen. Die bestehenden Linien laufen radial in nördlicher 
und westlicher Richtung nach Hauptwerft und Hafen. Von 
ihnen hat die nördliche schon eine gewisse Bedeutung, 
indem sie die Erschließung des Stadtgebiets nach Heppens 
und Neuengroden beschleunigt hat. Die nächste zu errich 
tende Linie wird — ausschließlich auf Rüstringer Gebiet — 
eine Schrägverbindung in der Richtung Hauptbahnhof— 
Zentralanlagen—Heppens werden, im Gegensatz zu den 
bestehenden Linien, die Gebiete der beiden Städte durchlaufen. 
Alle ferneren Linien werden in radialen oder schrägen 
Führungen das Stadterweiterungsgebiet mit der Innenstadt 
und die einzelnen Stadtteile unter sich zu verbinden haben; 
ihre Führung wird wesentlich von den eingangs erwähnten 
Grundsätzen geleitet werden, dabei wird im einzelnen zu 
beachten sein, daß der Straßenbahn in der Ausgestaltung 
des Straßenkörpers solche Bedingungen zu bieten sind, daß 
sie eine möglichst hohe Fahrgeschwindigkeit — namentlich 
in den Außengebieten — erreichen kann und damit in der 
Lage ist, entfernt liegendes Baugelände wirksam aufzu 
schließen, Solche Bedingungen sind im wesentlichen: 
möglichst schlanke Führung der Hauptstraßen, die Zu 
weisung einer eigenen Fahrbahn für die Straßenbahn (Rasen 
bahnen), die Anordnung möglichst langer Häuserblöcke 
seitwärts der Hauptstraßen und übersichtliche Einführung 
der Nebenstraßen in die Hauptstraßen. Wird dann eine 
Haltestellenentfernung von 450 bis 500 m gewählt, so lassen 
sich Höchstgeschwindigkeiten von 35 bis 40 km in 1 Stunde 
und Durchschnittsgeschwindigkeiten von 20 bis 25 km in 
1 Stunde erreichen, während die heutigen Reisegeschwindig 
keiten in den Innenstädten kaum über 10, in den Vororten 
kaum über 12 bis 15 km kommen. 
Damit sind bereits die Bedingungen der städtischen 
Hauptverkehrsstraßen im wesentlichen festgelegt. Die Haupt 
verkehrsstraßen münden aus in die Uberlandstraßen. Wir 
haben in unserem Falle drei Hauptrichtungen, nach Norden 
(Ostfriesland), Nordwesten (Jeverland) und Westen (Olden 
burg). Die Hauptverkehrsstraßen der engeren Stadt bilden 
ein klares Netz von im wesentlichen senkrecht zueinander 
verlaufenden Straßen mit ergänzenden Schrägstraßen, Eine 
solche kurze Schrägverbindung von sehr weittragender Be 
deutung führt die Stadt Rüstringen soeben in Gestalt eines 
Straßendurchbruches in der Stadtmitte durch, wodurch die 
Verbindung des nordöstlichen und südwestlichen Stadtteils 
klar hergestellt wird. 
IV. 
Über das Bedürfnis der nächsten Zukunft hinaus wird 
man sich im allgemeinen nur über die Führung der Haupt- 
straßenzüge klar werden können. Zu ihnen gehören neben 
den Hauptverkehrsstraßen die sogenannten Parkstraßen. Als 
solche werden vornehmlich schöne alte Landstraßen aus 
zubilden und zu ergänzen sein. Die Parkstraßen sollen 
die Parkanlagen und Spielplätze miteinander verbinden und 
unter sich geschlossene Systeme ergeben. Für Rüstringen- 
Wilhelmshaven sind die bedeutendsten Parkstraßen die 
Deichpromenaden, vor denen die Vorlandflächen wunder 
volle Tummelplätze unmittelbar an der See bilden. Da 
neben bieten alte Landwege mit zum Teil herrlichem Baum 
bestand Gelegenheit zur Ausbildung höchst charaktervoller 
Promenaden. Wie diese Straßen in sich geschlossene Sy 
steme bilden können, wie sie die wichtigsten Grünflächen 
miteinander verbinden, stellt der beiliegende Verkehrslinien- 
und Grünflächenplan dar. 
An Grünflächen besitzt die Stadt Rüstringen eine reiz 
volle Parkanlage (Architekt; Leberecht Migge, Blankenese), 
Schrebergärten und Spielplätze. Den grundsätzlichen Be 
dingungen und den weiteren Ausbau dieser Bestandteile des 
modernen Grünflächensystems soll später hier eine be 
sondere Studie gewidmet werden. 
V. 
Die nächste Aufgabe, der sich die Stadtverwaltung 
Rüstringen jetzt mit aller Kraft widmet, ist die Schaffung 
eines zentralen Stadtplatzes, an dem das neue Rüstringer 
Rathaus, zwei Schulen und eine Reihe von anderen öffent 
lichen Gebäuden errichtet werden. Die grundsätzlichen 
Fragen der Anlage sind durch einen größeren Wettbewerb 
im Jahre 1913 und eingehende weitere Bearbeitung gründ 
lich geklärt. Die Ausführungspläne werden zurzeit im 
Städtischen Hochbauamt endgültig festgestellt.
	        
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